Planet Plastik

Unsere Mission: „Planet Plastik“ – kein neues Thema und gerade deswegen ein Muss. Hier auf dieser Seite folgt nun endlich unsere Selbstverpflichtung zum Thema „Weniger Kunststoffe im Segelalltag“. Dies ist ein Projekt im Entstehen. Wir arbeiten an unserem Vorhaben, wollen sehen was geht und was sich nicht oder nur schwer in den Segelalltag einer Familie einbauen lässt und hoffen, dass wir damit andere Menschen inspirieren den eigenen Umgang mit Plastik zu überdenken.

Warum? Das bedarf wohl keiner Erläuterung mehr. Ein Blick ins Internet oder in seriöse Publikationen offenbart das Ausmass der Tragödie. Egal ob Wissenschaftler, Künstler, Journalisten oder Segler wie wir, alle sind mehr oder weniger erschüttert über das Ausmass der Verschmutzung. Aber trotzdem gibt es viel zu wenige Menschen, die rigorose Konsequenzen daraus ziehen. In fast allen Bereichen sind wir tagtäglich mit Plastik konfrontiert. Die Tastatur, auf der ich gerade schreibe – Segel, Leinen, Schoten, Ventile, … – Kleidung und Kosmetik – … und da ist auch noch das weite Feld der Verpackungen. Die Liste ist schier endlos. Als Europäer neigen wir nun zur bequemen Annahme, dass unsere Mülltrennung und die Recyclingindustrie schon ihren Teil tun werden und WIR Deutschen sicher nicht an der Verschmutzung der Ozeane Schuld haben. Wir (die Kalibu Crew) finden, da machen wir Europäer es uns zu einfach.

 

Seit wir Italien verlassen haben, entdeckten wir auch an den entlegensten Orten unserer bisherigen Reise Plastikteile, manchmal im Wasser schwimmend, manchmal am Angelhaken, häufig in vielen Formen und Farben am Strand. Und nun auch, das erste Mal, in unserer Nahrung.  Ausgerechnet in Neuseeland, wo ein grosses Problembewusstsein besteht und wo doch die Kiwis fleissig Plastik an den Stränden und im Wasser einsammeln. Ausgerechnet hier in der Bay of Islands, die für ihre Muscheln berühmt ist, finden wir kleine grüne Plastikteile in genau diesen Muscheln. Natürlich wissen wir, dass Muscheln Unmengen an Wasser filtern und dass der Genuss von Schalentieren fragwürdig geworden ist. Tiere aus dem scheinbar sauberen Wasser der Bay of Islands, dachten wir, sind noch unbelastet. Weit gefehlt. Für mich hat dieses kleine grüne Plastikteil das Fass zum Überlaufen gebracht.

 

 

 

 

 

Visualization of the flow pattern of ocean pollutants **

Quelle: Eriksen M, Lebreton LCM, Carson HS, Thiel M, Moore CJ, Borerro JC, et al. (2014) Plastic Pollution in the World’s Oceans: More than 5 Trillion Plastic Pieces Weighing over 250,000 Tons Afloat at Sea. PLoS ONE9(12): e111913. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0111913

 

Zoe und ich sammeln schon immer beiläufig Plastikmüll am Wegrand oder am Strand auf; die Kinder verzichten fast zu 100% auf Plastikbeutel beim Einkauf; takeaways und coffee-to-go sind eh nur für Städter verfügbar; Plastikflaschen gibt es auf der Kalibu selten, in der Regel nur für das „Notwasser“, das wir tief in der Bilge verstaut für den Fall eines defekten Wassermachers mitführen; die gute alte Tupperdose oder ehemalige Marmeladengläser sind unsere Aufbewahrungsbehälter im Kühlschrank und in der Bilge; Kalibu ist ein Aluboot, das innen fast ausschliesslich mit hochwertigem Holz ausgebaut wurde. Trotzdem gibt es bei uns, wie auf den meisten Segelbooten, auch Massen an Kunststoffen. Moderne Segel, Leinen und Schoten will keiner missen und stehen überhaupt nicht zur Diskussion, auch weil sie sehr langlebig sind. Aber wie steht es zum Beispiel mit dem vielgeliebten Fleecepulli, mit der Skiunterwäsche und der Kunstfaser-Funktionskleidung auf Segelbooten? Die Vorteile, hält warm, transportiert Schweiss nach aussen und trocknet super schnell, sind kaum zu toppen. Ausserdem wurde uns lange vorgebetet, dass der Fleece ja aus recycelten PET-Flaschen hergestellt wird und von daher eine gute Sache ist. Jedoch, abgesehen vom Problem des sogenannten „Downcyclings“, sondern gerade Fleecestoffe Mikroplastik in Form von Faserabrieb beim Waschen und Trocknen ab. Diese Partikel gelangen dann, auch bei modernen Kläranlagen wie sie in Europa üblich sind, fast zu 100% in den Wasserkreislauf, werden von Schalentieren und Fischen aufgenommen und gelangen in unsere Nahrungskette. Die globalen Meeresströme sorgen dafür, dass sich die Teile überall verbreiten. In den vergleichsweise dünn besiedelten südlichen Ozeanen genauso wie im Norden. Einige Wissenschaftler prognostizieren sogar, dass bis 2050 das Plastik in den Meeren mehr wiegen wird als die darin schwimmenden Fische. (Oliver Samson: Das Meer, der Müll, die Zahnpasta und dein Fleecepulli) Die Folgen sind kaum absehbar. Mikroplastik findet sich dementsprechend im Meersalz, traditionell hergestellt oder nicht, es spielt keine Rolle. Sowie in unserem Leitungswasser. Ein Bericht der nonprofit orbmedia Gruppe besagt, etwa 3/4 des europäischen Trinkwassers ist mit Mikroplastik verseucht (orbmedia: invisibles plastics). Und in unserem Körper. Dies ist mehr als alarmierend finden wir.

courtesy of : SY-Robusta/!Unschlagbares Sonderangebot – Alles muss weg!

Das Problem ist nicht neu, die Vorschläge zur Bekämpfung des Problems auch nicht. Die orbmedia führt u.a. an Platz drei den Fleecepulli an, gefolgt von der Zahnbürste, Latex- und Acrylfarben, die nicht unter fliessendem Wasser ausgewaschen werden sollen, den Abrieb von Autoreifen, der durch Fahrgemeinschaften und ÖPNV vermindert werden kann, usw.. Vieles ist für uns sowieso selbstverständlich oder einfach umsetzbar, auch auf dem Segelboot. Nur die Bambuszahnbürste überzeugt mich nicht. Und auf den Fleece kann man vielleicht ja doch verzichten. Mein alter Wollpulli, noch 100% Schurwolle, ein echter Fischer-Troyer, hat sich in Patagonien bestens bewährt. War immer kuschelig warm, musste nie gewaschen werden. Und das Salz kann man angeblich raus schütteln, behauptete zumindest B. Moitessier.

 

** Weitere Informationen zum  Garbage Patch Visualization Experiment



Was können wir tun:

1 – Keine PET- Flaschen mehr
Wenn irgend möglich keine Getränkeflaschen aus Plastik mehr kaufen – Ausnahme Notwasserration – dies ist eine echte Herausforderung bei Sodagetränken und Säften, da in vielen Ländern, die wir besucht haben, Glasflaschen kaum noch verwendet werden.

2 – Verzicht auf Kunststoffverpackungen und -taschen
Immer einen Rucksack und wiederverwendbare Einkaufstaschen mitnehmen. Für den Broteinkauf einen Stoffbeutel mitnehmen. Obst und Gemüse vom Markt besorgen. Oder, im Supermarkt die Waren nicht in Plastikbeutel einpacken. Fleisch und Wurst direkt beim Fleischer besorgen und eine Tupperdose mitbringen. Yoghurt selbst in Glasgläsern zubereiten. Milch aus Trockenmilch herstellen. Tee lose verpackt und nicht in Teebeuteln besorgen, da Teebeutel auch Kunststoffe enthalten. Nachfüllbare Shampoos und Duschgels verwenden. …

3 – Nur Kosmetika und Reiniger ohne Mikroplastik verwenden
Ein klassisches Seifenstück der Flüssigseife vorziehen; Sonnencremes mit mineralischem Filter verwenden; wenn möglich Schampoos und Cremes ohne Mikroplastik (bedenkliche Inhaltsstoffe sind z.B. Acrylates Copolymer ); keine Scheuermilch in Küche und Bad. (Anm.: weil dies ein unübersichtliches Thema ist, gibt es ganz unten auf dieser Seite ein paar hilfreiche Links.)

4 – Kleidung aus Kunstfaser weitestgehend meiden
Wollpullover und Wollunterwäsche für die kalten Tage besorgen, anstatt Fleece; einen speziellen Waschsack (z.B. Guppy Friend) beim Waschen aller Kunstfaserkleider, die bereits an Bord sind, benutzen; nur noch Baumwoll-T-Shirts ohne Elastan kaufen; keine Mikrofaser-Putzlappen mehr verwenden. …

5 – Farben, Lacke und Kunstharze in Recyclinghöfen entsorgen
Pinsel und Farbreste nicht auswaschen, sondern eintrocknen lassen und ordentlich entsorgen, d.h. in Recyclinghöfen, wenn die im Land vorhanden sind. Wenn möglich Konservendosen ohne Innenbeschichtung (Stichwort Epoxidharz und BPA) kaufen; manche sind komplett beschichtet andere nur an der Schweissnaht. Dosen sind als Notration immer an Bord, nur leider kann man von aussen nicht sehen, wie sie innen gefertigt sind.

6 – Jeder Tag ist ein Ocean Cleanup Day
Kunststoffmüll – egal wo, im Wasser am Strand – einsammeln und an der nächstgelegenen Stelle ordentlich entsorgen.

7 – Unsere Erfahrungen mit möglichst vielen Menschen teilen.

 

Sicher werden wir diese Liste in der Zukunft aktualisieren, vielleicht auch ergänzen und vor allem an die Segelrealität, weit ab von Recyclinghöfen, Bioläden, Smartphones und Unverpackt-Läden anzupassen. Wir möchten im Blog regelmässig unsere Erfahrungen mit euch teilen und unter einer eigenen Kategorie – Weniger Plastik – verlinken. Also wenn jemand noch gute Tipps hat, wir freuen uns auf eure Vorschläge.



Quellen- und Linksammlung:

Dies ist eine kleine Linksammlung für diejenigen, die sich weiter informieren wollen oder womöglich noch zweifeln.

  • Englischsprachige Seiten

journals.plos.org/plastic-pollution-in-the-world’s-oceans

( eine wissenschaftliche Untersuchung der Verteilung von Plastikpartikeln in den Weltmeeren )

Eriksen M, Lebreton LCM, Carson HS, Thiel M, Moore CJ, Borerro JC, et al. (2014) Plastic Pollution in the World’s Oceans: More than 5 Trillion Plastic Pieces Weighing over 250,000 Tons Afloat at Sea. PLoS ONE9(12): e111913. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0111913

Plastic Pollution in the World’s Oceans

 

orbmedia.org/invisibles_plastics

( Reportage über die Problematik von Mikroplastik )

theguardian.com/ocean-plastic-pollution-scotland-in-pictures

( Bildbericht über die Plastikverschmutzung in Schottland )

theguardian.com/a-million-a-minute-worlds-plastic-bottle-as-dangerous-as-climate-change

( Reportage über Produktion von PET Flaschen – weltweit 20.000 Flaschen pro Sekunde und viele weitere Daten  )

nationalgeographic.com/plastic-produced-recycling-waste

( Video Clips und Bild Reportage zum Thema Plastikverschmutzung weltweit )

bbc.com/uk-england-kent

( Reportage zur Verseuchung der Muscheln in Kent, England durch Plastik)

www.bbc.com/the-giant-mass-of-plastic-waste-taking-over-the-caribbean?

( Video Clip – Teppich aus PET Flaschen in der Karibik )

 

  • Deutschsprachige Seiten

meeresstiftung.de/Die Weltmeere verdrecken durch Abwässer und Plastikmüll

( Reportage über Entstehung und Gefahren von Mikroplastik )

zeit.de/Plastikmuell in der Nordsee

( Reportage über Mikroplastik aus Kleidung aus Kunstfasern )

bund.net/meere_mikroplastik.pdf

( Infos zu Mikroplastik in Kosmetika )

 

  • Plastik in Kosmetik und Co

Greenpeace  Mikroplastik-Checkliste  von Greenpeace

Negativ-Liste des  BUND 

Zwei Apps, die helfen bedenkliche Inhaltsstoffe zu erkennen
–  Codecheck App
–  Beat the Microbead

 

  • Quellen

Oliver Samson: Das Meer, der Müll, die Zahnpasta und dein Fleecepulli – blog.wwwf.de/mikroplastik – 2. Februar 2016

orbmedia – invisibles plastics

 

 

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