Ich hatte einen Traum

15.04.2019 //// Von Starkwind, den Unbilden des Segelns im Roten Meer und von einer wunderbar reichen Unterwasserwelt

Ich hatte einen Traum. Wir liegen nachts bei ca. 25 Knoten Wind an einer Boje im Süden der Insel Bluff, die zusammen mit der Insel Shadwan den Übergang des Roten Meeres zur Strasse von Gubal markiert. In meinem Traum liegen vor uns, direkt an der Riffkante der Insel, sozusagen zwischen Riff und unserer Boje, fünf dreistöckige, etwa 25-30 Meter lange, im Vergleich zu Kalibu überdimensionale Tauchboote. Der intensive Traum ist auf die unruhige Nacht zurückzuführen, die wir zum Glück nicht draussen im Verkehrstrennungsgebiet Richtung Sues verbrachten, sondern, einer glücklichen Eingebung am Vortag folgend, an ebendieser Boje. Beruhigt verkrieche ich mich nach einem ersten Kontrollrundgang am frühen Morgen wieder ins Bett. Keine fünf, es sind nur zwei Schiffe, die rechts neben uns liegen. Die beiden, die gestern Abend schon da waren und zu später Stunde einen Nachttauchgang einlegten.

bunter Korallengarten mit vielen Fischen und Schildkröten

Tauchschiffe am Point Bluff – hinter dem Schiff rechts im Bild verstecken sich noch zwei weitere
Nach Sonnenaufgang nimmt der Wind schnell weiter zu. Bald zeigen unsere Instrumente 30 Knoten, am Horizont kann man die weissen Pferdchen beobachten, die Wellen brechen sich hoch am Riff. Kein guter Tag zum Weiterfahren. Wir verstärken unsere Festmacherleinen, wobei uns, wie gestern auch schon, ein Mitarbeiter des Nachbartauchbootes hilft. Seine Hilfsbereitschaft versöhnt mich wieder etwas mit den Ägyptern, die sich häufig nur gegen ein mehr oder weniger unverschämtes Bakschisch regen.
Am Horizont kann man nun das nächste Tauchschiff sehen, das sich unserem Ankerplatz nähert. Es findet eine weitere Boje, rechts aussen von uns. Wir machen mit den Kindern Schule und überlegen am Nachmittag, der Wind hat sich mittlerweile etwas gelegt, auch Schnorcheln zu gehen. Gesagt getan. Kaum sind wir unterwegs, taucht das nächste Schiff auf. Dieses legt sich direkt vor uns. Wir können fast über die Beiboote auf deren Badeplattform springen. Ein weiteres Segelboot aus den USA sucht ebenfalls den Schutz der Insel. Schlussendlich gegen 17:00 Uhr kommt dann das fünfte Boot. Es macht vorne links fest. Noch kein Ende in Sicht, es kommt ein sechstes Schiff. So viel zu meinem Traum.


Unter Wasser gibt es viel zu entdecken

Ägypten ist kein seglerfreundliches Land.
Dazu trägt erstens das wirklich unwirtliche Wetter bei. Im nördlichen Roten Meer und im Golf von Sues weht der Wind statistisch zu 75% mit Beaufort 5 aus Nord-West, genau da wollen wir hin. Wir denken, dieses Jahr liegt der Durchschnitt eher bei Beaufort 6. Weiterhin sagt die Statistik, dass an 5 Tagen im Monat schwache Winde vorherrschen, wobei die sich, so wie heute verteilen auf kurze Perioden von einigen Stunden, einer Nacht oder bestenfalls mal einem Tag (das hatten wir bis jetzt noch nicht). Meist setzt in Schwachwindphasen zwischen 10:00 und 11:00 Uhr ein Landwind ein, der gegen 15:00 Uhr dann auch 15 Knoten erreicht. Aus welcher Richtung? Natürlich aus Nord-West.
Zweitens, die Bürokratie oder besser der Kontrollwahn des Militärs. In jedem Hafen oder Marina muss man sich neu anmelden, mit entsprechendem Aufwand. Es muss ein Agent eingeschaltet werden und es muss Geld für die Offiziellen fliessen, Genehmigungen müssen eingeholt und bezahlt werden. Keiner kann vorher sagen, wie viel am Ende zusammen kommt (meist mehrere hundert Dollar), also bleibt man lieber draussen und hält möglichst nur an einem Ort an oder segelt gleich durch bis Sues. Das ist aber wegen des in Eins beschriebenen unwirtlichen Wetters mitunter schwierig. Schwierig auch, weil man genau genommen an keinem, für Segler geeigneten Ankerplatz mehr anhalten darf. Alle Riffe wurden als Meeresparks ausgewiesen und mit einer endlosen Reihe von Verboten versehen. Wir mussten zwar ein Segelpermit kaufen, das uns 150 Dollar kostete, dieses ermöglicht uns aber nur im Transit nach Sues zu segeln, es erlaubt nicht zu Ankern oder fest zu machen. Man hat den Eindruck, dass die Tauchfirmen ihre Tauchgründe vor Eindringlichen schützen wollen. Als Segler, soll man sein Boot in El-Gouna oder Port Ghalib abstellen und dann mit den hiesigen Firmen zum Tauchen fahren. Wer kann sich das leisten?

Sehr bedauerlich! Dabei lohnt es sich durchaus in Ägypten ins Wasser einzutauchen. Während über dem Meeresspiegel nur Sand zu finden ist, viel Sand, der überall in der Luft ist, in den Augen brennt, die Schleimhäute zusetzt und das Boot in wenigen Stunden mit einer rotbraunen Schicht bedeckt, entfaltet sich unter dem Meeresspiegel eine ziemlich intakte Korallenlandschaft mit vielen bunten Fischen. Das Rote Meer ist noch kalt genug, so dass wir kaum Korallenbleiche entdecken konnten. Die Tide ist gering, die Tidenströme entsprechend schwach und das Wasser daher ziemlich klar. Unsere Boje liegt auf 14 Metern Wassertiefe und man kann alle Korallen auf dem Grund gut erkennen. Das hatten wir schon sehr lange nicht mehr!!
Der Schnorchelausflug heute war somit sehr schön. Die Korallen sind noch bunt, manche fluoreszierend und die Fische, die wir hier sehen, sind viele neu für uns. Das Rote Meer ist so salzhaltig, dass es eine eigene Fauna entwickelt hat. Mittlerweile, es ist 20:00 Uhr, weht es wieder mit Stärke 5-6, die Tauchschiffe sind alle voll beleuchtet und bauen sich wie eine Mauer vor uns auf, lassen ihre Generatoren laufen und verpesten die Luft.

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