Meilen, Meilen, Meilen …

Saumlaki, die Hauptstadt von Yamdena, begrüsst uns mit viel Plastik im Wasser – da müssen wir uns jetzt wohl dran gewöhnen – und mit ebenso viel Trubel in den Strassen. Die Menschen betrachten einen ungeniert, die Offiziellen machen viele Fotos von uns und unserem Boot und die Polizei besucht uns am nächsten Tag gleich noch einmal, um im Cockpit zu sitzen, zu quatschen und Zeitung zu lesen. Zum Glück beginnt nach etwa einer Stunde die Abschiedsveranstaltung der Darwin Yamdena Rallye und sie müssen sich leider verabschieden, aber vorher noch ein Foto, händeschüttelnd mit uns.
Viel Zeit bleibt uns nicht die Insel zu erkunden. Allzu traurig bin ich nicht, soll es doch auch hier noch angriffslustige Salzwasserkrokodile geben, die gerne auch Menschenfleisch verzehren. Nach einigen Einkäufen, Diesel und frisches Gemüse, soll es am nächsten Tag weitergehen. Gilles, ein französischer Einhandsegler, den wir in der Torres Strasse getroffen haben, schliesst sich uns an. Es fehlt aber noch die Erlaubnis des Hafenmeisters und der Polizei. Und wie es so ist, die Offiziellen in Indonesien sind höflich und hilfsbereit, aber nicht die Schnellsten. Die folgende Etappe – 07.07.2018 – fällt entsprechend kurz aus, wir schaffen es nur in die nächste geeignete Ankerbucht.


Unser Plan ist, in Tagesetappen so schnell wie möglich Richtung Flores zu segeln, wo wir Johannes und Lucie aufsammeln wollen. Wie wir gelesen haben, soll es viele kleine, unbeleuchtete, fischende Holzboote geben, sowie Massen an so genannten fish-attraction-devises. Hinzu kommt, wir haben Neumond. Diese Kombination ist schlecht und Nachtfahrten sind sicher keine gute Idee. Die Devise für die nächsten Tage: mit Sonnenaufgang Anker heben und das Tageslicht so lang wie möglich ausnutzen.


Die Inseln liegen anfangs noch recht weit auseinander, sind dicht bewachsen und tropisch grün. Es sind kaum Dörfer zu sehen und in dieser Ecke Indonesiens auch nicht allzu viele Fischer unterwegs. Die ersten Tage weht der Süd-Ost-Passat noch mit 5-7 Beaufort. Wir machen gute Fahrt. Mit Ankerplätzen sieht es allerdings mau aus. Das mit den Ankerplätzen ändert sich erst westlich der Insel Alor, wohin wir uns am 12.07.2018 sehr sehr langsam, quasi im Schneckentempo, am Ende notgedrungen doch in einer Nachfahrt, voran kämpfen. Der Passat schwächelt merklich, wir haben 3-4 Knoten Gegenstrom. Die Segel stehen noch gut, aber wir schaffen durchs Wasser grad eben diese Geschwindigkeit, dümpeln also quasi auf der Stelle herum. Notgedrungen muss der Motor mitlaufen.
Das Archipel östlich von Alor wird in unserem Reiseführer als das Ende der Welt bezeichnet. Die östlich gelegenen Inseln Indonesiens existieren auf der touristischen Landkarte nicht. Unweit von Alor treffen wir dann auch auf das erste Touristenboot, eine traditionell anmutende Luxusyacht mit riesiger Crew für nur zwei Gäste, liegt hinter zwei kleinen Inseln vor Anker. Der Ankerplatz ist jedenfalls gut gewählt, sehr idyllisch, mit Blick auf zwei Vorzeigevulkane, eine perfekte Sandbank und auf mehrere traditionelle Fischerboote, die ihre Netze auswerfen.


Am Nachmittag wird zu unserer Überraschung auf der einsamen Sandbank ein luxuriöses Dinner vorbereitet. Grill und Anrichte, zwei Stühle, kleiner Tisch mit weisser Tischdecke, daneben zwei Liegestühle mit Bogenlampe drüber. Nach dem sensationellen Sonnenuntergang werden, um die romantische Szene perfekt zu machen, noch viele Kerzen angezündet. Wir beobachten das „Bühnenstück“ von Gilles Katamaran bei einem mehrgängigen, selbst zubereiteten Dinner.
Noch rund 80 Meilen bis Maumere, die Hauptstadt von Flores, wo wir am 15.07.2018 ankommen.

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