Panasia – ein kleines Paradies

Nach drei Tagen Trubel sehnen wir uns nach etwas mehr Ruhe. Ausserdem müssen wir uns um Kalibu kümmern, der Autopilot und diverse andere kleine Reparaturen stehen an. Da passt es gut, dass John zu seinem zweiten Wohnsitz auf der benachbarten Insel Panasia will und er uns den Weg durch die Riffe zeigen kann, auch er hat wohl die Nase voll von den vielen Dorfbesprechungen. Wir rechnen mit zwei Passagieren, sind aber nicht überrascht, als dann sechs Menschen plus wir Vier im Cockpit sitzen.  John bringt nicht nur sein Frau Gwen, sondern noch ein Schar Kinder mit. Die zwei grossen Jungs verziehen sich gleich zum Bug. Ich will eigentlich einwenden, dass das womöglich nicht der sicherste Platz ist, da fällt mir aber noch rechtzeitig ein, die sind gewöhnt in den offenen Kanus übers Meer zu fahren. Im Gegensatz dazu ist Kalibu ja so was wie eine sichere Festung. John übernimmt das Ruder und die zwei Kleinen schlafen zusammen mit Zoe schnell ein.


Panasia entpuppt sich als wahres Paradies. Wir ankern neben einer imposanten Felswand vor dem kleinen Strand mit Johns „Wochenendhaus“. Ihm gehört die eine Hälfte der Insel, die andere gehört Juda. Da wir unterwegs auch noch einen grossen Wahoo gefangen haben, beschliessen wir abends gemeinsam zu essen. Gwen bereiten den Fisch zu, wir bringen Wein, Reis und andere Beilagen mit. Auch hier dauert es nicht lange, bis der erste „Händler“ auftaucht, Frank ein Freund des Hauses. Er bringt zwei Papayas aus Johns Garten Im Austausch für Streichhölzer. Ausserdem verspricht er am Samstag Lobster für uns zu fangen. Dafür bekommt er dann den Rest unserer Angelleine und einen Haken. Die Lobster, die er dann in der Tat vorbeibringt, sind riesig und weil John gerade mit Thomas sein arg in Mitleidenschaft geratenes Stand-Up Paddelbord repariert, beschliessen wir auch den Lobster gemeinsam zu essen. Diese Krustentiere müssen hier nicht aus dem tiefen Wasser gefischt werden, sie sitzen auf den Riffen unter den Steinen und können bei Ebbe einfach eingesammelt, wenn man die entsprechenden Handschuhe hat, oder gespeert werden. Frank hat natürlich keine Handschuhe. Er hat sie aufgespiesst und sie kommen daher bei uns gleich in den kochenden Wassertopf. Für den Kühlschrank sind sie zu gross. Aber selbst unser grösster Topf reicht für die riesigen Tiere nicht aus. Die Zangen wollen partout nicht reinpassen. Dazu gibt es ein leichtes Knoblauch-Joghurt-Mayonaise Dressing und lokales Gemüse. Sehr lecker. Weil es so schön ist, essen wir dann auch am Sonntag gemeinsam. Diesmal bereite ich den noch verbleibenden Wahoo zu einem leckeren Fischcurry mit Süsskartoffeln zu.
Die Männer arbeiteten die letzten Tage hart, der Kasten des Autopiloten wurde von Thomas repariert sowie diverse grosse und kleine Jobs für John erledigt. Am Sonntag wird aber nicht gearbeitet, sagt John, und Zoe möchte schliesslich noch die Höhle sehen, von der John erzählt hat. Der normale Yachtie nimmt hierfür sein Dinghy, unseres ist jedoch viel zu klein um fünf Menschen auf die andere Seite der Insel zu bringen. John sagt, man kann auch über den Berg klettern. Gesagt getan, wir starten früh, damit es nicht zu heiss wird. Die Jungs und John klettern und laufen vorweg, wir kämpfen gegen beissende rote Ameisen und sind bemüht hinterher zu kommen. Dabei haben wir die halbwegs bequemen Schuhe während John und die Jungs barfuss über das sehr spitze Vulkangestein laufen. Jeder Schuhverkäufer der einschlägigen Outdoorläden würde bei diesem Anblick in Tränen ausbrechen. Die Tropfsteinhöhle, die wir nach einer guten Stunde erreichen, ist riesig und ein Bad im kühlen Nass tut nach der Kletterpartie gut. Leider sind wir etwas zu früh, die Sonne steht noch nicht hoch genug, um die Höhle zu beleuchten und das Wasser blau zu färben. Trotzdem ein beeindruckender Ort. Am Montag verabschieden wir uns schweren Herzens und alle stehen am Strand und winken.

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