Kalibu wird leichter

Gestern mittag gegen eins sind wir in Papua-Neuguinea angekommen. Der Anker fiel vor einem wunderschönen Dorf. Prompt kam der Dorfchef, um Hallo zu sagen, und er bleibt nicht der Einzige. Im Gegensatz zu Vanuatu lieben die Menschen hier es anscheinend zu tauschen. Eine Frau brachte uns Eier, Tomaten und eine große Muschel. Die Tomaten und Eier waren von ihrer Mutter, ‚she wants cloth’, also Kleider. Die Riesenmuschel von ihrem Bruder, ‚he wants diving glasses’. Kleider kein Problem, Mama sammelt schon seit Neuseeland und nervt mich regelmäßig damit, doch nochmal in meinen Kleiderschrank zu sehen. Aber eine Taucherbrille haben wir leider nicht mehr; die nicht passenden wurden zusammen mit Marichen, unser aufblasbares Kanu, bereits auf Espírito Santo, Vanuatu verschenkt. Sie bleibt allerdings nicht die Einzige, die nach einer Taucherbrille fragt. Und auch nicht die Einzige, die tauschen will. Papa hat schon fast alle seine ‚fishing hooks’ vertauscht und Mamas Kleidertüte hat auch merklich an Gewicht verloren. Vor allem heute morgen war Kalibu ein richtiger Handelsvorposten. Genau zur richtigen Zeit, da wir uns eigentlich gerade fertig machten, um die Schule zu besuchen.

Gegen halb elf saßen dann alle fertig im Dingi und ab ging es an Land. MaPa und ich waren gestern schon mal da gewesen, deswegen überraschten uns die Massen an Kindern nicht, die zu unserer Begrüßung zusammen kamen. Auch ein paar Schüler waren da. Die Lehrerin erzählte uns, es wäre große Pause, doch da sowieso schon alle da waren, versammelten wir uns unter einem großen Baum, holten den mitgebrachten Atlas heraus und berichteten von unserer Reise. Die kleinen Kinder – es ist eine elementary school, also erste bis dritte Klasse – waren ganz still. Sie werden seit 2013 komplett in Englisch unterrichtet, wie uns die Lehrerin erzählte.

Danach sind wir ans andere Ende des Dorfes gegangen, zu Joseph, der Papa wegen seines Segels um Hilfe gebeten hatte. Das ist nämlich auch Klasse, die haben hier ‚sailing canoes’, genauer out rigger mit Mast und Segel. Die sind ziemlich schnell und es ist einfach nur wunderschön, wenn sie durch die Bucht segeln. Sogar kleine für Kinder sahen wir schon. So wie die Optimisten zuhause auf dem Wansee. Jedenfalls bestand Josephs Segel aus vielen verschiedenen Flicken, die auch schon ein wenig verschlissen aussahen. Ob wir nicht ein Ersatzsegel hätten? Ja haben wir, aber das Kuttersegel ist relativ schwer. Alternativ hätten wir auch noch ein kleines Stückchen Plane. Ja, wir werden es uns mal ansehen. Dann führt er uns zu seinem sailing canoe und zeigt uns die Ritzen, die mit Stoff abgedichtet waren. Anscheinend ist es undicht und er braucht Farbe oder auch Sikaflex zum abdichten. Ja Papa hat Sikaflex, er wird mal nachschauen. Joseph bietet an, ein Schwein zu töten, als Gegenleistung. Aber Mama ist nicht soo begeistert. Was sollen wir denn mit einem ganzen Schwein? Zum Glück hat Papa eine andere Idee: Er möchte ein Modell eines sailing canoe haben, für seine Sammlung. Kein Problem, Joseph kann eins schnitzen, er braucht bloß Werkzeug von uns. Papa wird ihm alles leihen. Sobald das geklärt war, liefen wir zurück, wieder quer durchs Dorf, um die Kirche zu besichtigen.

Auf dem Weg treffen wir Juda, den Dorfchef und John, eben diesen John, den schon die Galatee letztes Jahr hier getroffen hatte. Zusammen mit einigen anderen, im Besonderen zwei Malaien, bereiteten sie das Meeting heute Abend vor. Da wollen sie über Seegurken und Haifischflossen verhandeln, die die Malaien kaufen möchten. Von dort ging es weiter zur Kirche. Diese ist sehr hell und luftig, denn die steinernen Außenwände haben große Öffnungen als Fenster. John wohnt direkt neben der Kirche. Zu ihm gingen wir als nächstes, um ihm sein Gästebuch zurück zu geben. Er schenkte uns vier wunderschöne Muschelketten, die mich ein wenig an die Ketten erinnerten, die uns die Frau des Dorfchefs auf Mopelia schenkte. Von dort ging es dann wieder durchs halbe Dorf, zu Juda, der uns gestern zum Essen eingeladen hatte. Es gab Yam und Huhn. Das komische? Wir aßen alleine, die anderen warteten draußen. Nach dem Essen gesellten wir uns zu ihnen, und Papa fragte sie über die Betelnüsse aus. Sie verglichen es mit Kaugummi, Papa mit den Coca Blättern aus Peru. Sie essen die Betelnüsse mit Kalk, und deswegen haben sie auch so rote Münder und vor allem rote Zähne, falls noch vorhanden. Mit 50 oder so fallen die dann auch aus. Eine Stunden später ist Kalibu wieder zum Handelsvorposten geworden und drei Stunden später sitzen Juda und Anhang bei uns im Cookpit, trinken Tee und diskutieren über Gott und die Welt, also Segurken-verkauf, sailing canoes, die Regierung, das Dorfleben…

Zoë 6.6.2018

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