Warum ist Neuseeland attraktiv für Segler?

Erst einmal ist da die Versicherung, die das Schiff in den Tropen während der Zyklon-Saison nicht gegen Schäden, die durch eben diese verursacht werden, versichert. Dann natürlich die vergleichsweise hervorragenden Möglichkeiten sein Schiff in Stand zu setzen, was bei den meisten Schiffen nach den vielen tausend Meilen durch Atlantik und Pazifik dringend nötig ist. Und natürlich nicht zu vergessen, Aukland gehört zu den Top Ten der lebenswerten Städte weltweit, nicht zuletzt begründet durch die wunderschöne Lage am Wasser und die Nähe zu traumhaft schönen Inseln, wie z.B. die Inselgruppe um Great Barrier Island, wo wir dieses Jahr Ostern verbrachten.

Zu Eins: auch unsere Versicherung hat den Ausschluss Tropen zur Hurrikan-Saison im Kleingedruckten und hat uns prompt den Beitrag deutlich reduziert, nachdem wir bekannt gaben, dass wir Neuseeland erreicht hatten. Das ist durchaus bemerkenswert, da wir doch seit wir hier sind drei Ex-Zyklone erlebten, die mit immer noch kräftiger Sturmstärke über Neuseeland fegten. Damit nicht genug. Kaum waren die durch, bildete sich ein tiefes Tief in der Tasmansee das mit ausgeprägter Orkanstärke über Aukland zog. Nur wenige Meilen entfernt hielten wir uns zu der Zeit auf Great Barrier Island im Port Fitzroy auf und verkrochen uns rechtzeitig in einem langen Creek mit gutem Ankergrund, umgeben von 200 Meter hohen Bergen. Patagonien Revival bei 12 Grad und viel Regen. Trotzdem hatte ich zwei mehr oder weniger schlaflose Nächte.  Der neue Anker hält super, aber die Entlastung der Ankerkette knirscht bei so viel Wind bedenklich über die Rolle. Im Kopf laufen alle Horrorgeschichten der letzten drei Jahre ab, die von gebrochenen Ankerketten handeln. Da ist es schwer an Schlaf zu denken. Unser „lahmer“ Windmesser zeigt aber nur Böen von bis zu 35 Knoten. Kann also nicht so schlimm gewesen sein, denken wir, bis uns die ersten Nachrichten aus Aukland erreichen. Orkan in Böen bis 115 Knoten (nicht Kilometer, nein Knoten), 40 % der Stadt ohne Strom. Zum Glück waren wir nicht dort, sondern in unserem kleinen Creek vor Anker. Denn selbst die vermeintlich geschützt liegende Marina wurde mit 80 Knoten arg gebeutelt. Fenster wurden eingedrückt. Schiffe, die an Monorings lagen, strandeten auf Felsen. Nicht schön.
Zu Zwei: auch wir verbringen die meiste Zeit mit „Basteln“ am Schiff. Neben vielen anderen Reparaturen konnten wir uns dazu durchringen die Fenster, die von der intensiven Sonne der Tropen sehr spröde geworden sind und kaum noch Durchsicht gewährten, auszuwechseln. Eine grössere Baustelle, der sich alle unterordnen müssen! Aber was für ein Unterschied. Die Bilder zeigen es sicherlich deutlich.
Dann die Drei: eins muss man den Neuseeländern lassen, sie wissen wie sie ihr Land und ihre Produkte verkaufen können. Was hier in den Reiseführern als Attraktion, egal ob landschaftlich, geschichtlich, kulturell oder was auch immer … angepriesen wird, ist bestenfalls interessant, für uns aber meist nur prätentiös. Ärmliche Goldgräberhütten und utilitäre Bahngebäude werden als bedeutende Zeugnisse der neuseeländischen Geschichte vermarktet; von tausenden von Sandfliegen heimgesuchte, regenreiche Fjorde als weltweit einzigartige Naturdenkmäler gepriesen, die Liste ist lang. Unser Fazit, das Land bietet vor allem uralte Bäume (5.000 Jahre!!) und viele schöne Landschaften, die erstaunlich einfach zugänglich sind. Die einfach Zugänglichkeit ist dabei das Erfolgsrezept für den neuseeländischen Tourismus. Wer schafft es schon die chilenischen Kanäle für sich zu entdecken und im gleichen Urlaub noch die Vulkane zu besteigen und die Pampa zu durchwandern. Da muss man schon auf der Suche nach Kapitän Grant sein (Jules Verne) oder mit dem Segelboot die Südspitze von Amerika umrunden.

 

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