Glück im Unglück

Zwei Wochen haben wir uns „frei genommen“, um die Südinsel von Neuseeland zu erkunden. Mit gemischten Gefühlen blicken wir zurück.

Wir wagten es nicht mit Kalibu dorthin zu segeln. Drei Hurrikans in kurzer Folge und auch sonst nicht wirklich passende Winde für die Passage runter nach Nelson, zwangen uns, unsere ursprünglichen Pläne zu ändern. Wir hätten über die Nordspitze an der gänzlich vor den vorherrschenden Winden ungeschützten Westküste entlang segeln müssen, die zudem noch über keinen einzigen geschützten Hafen verfügt. Da muss das Wetter schon passen. Stattdessen entschieden wir uns für die Variante, Flug nach Christchurch und von dort mit dem Auto weiter durch die südlichen Alpen Richtung Fjordland. Leonard hatte vorher mit viel Begeisterung die Filmorte der „Herr der Ringe“ Trilogie recherchiert und die Route entsprechend vorgegeben.

Sehr ungemütliches Wetter erwartet uns in Christchurch am Tag der Anreise. Es schüttet buchstäblich wie aus Eimern und wir froren schon am Flughafen. Dann mussten wir  in der zugigen Autoausleihe ewig warten, weil Thomas EU Führerschein zum ersten Mal in seinem Leben nicht akzeptiert wurde. Was auf der Nordinsel schon zweimal problemlos über die Bühne ging, erwies sich hier als unmöglich. Eine offizielle Übersetzung musste vorgelegt werden. Das dauerte, waren ja immerhin fast 10 Wörter ins Englische zu übertragen. Es endete mit einer unterkühlten Blase bei Birgit – schon ewig nicht mehr gehabt – und dem Versuch ein Antibiotikum aufzutreiben. Ähnlich wie in Großbritannien gibt es auch in Neuseeland einen National Healthservice, eine Art Bürgerversicherung. Für Ausländer bedeutet das, dass sie zahlen müssen, bevor sie überhaupt einen Arzt zu Gesicht bekommen. In meinem Fall waren es ganze 300 NZ $ (inclusive des Urintests). An alle, die es bedauern, dass in Deutschland die Bürgerversicherung erst mal nicht eingeführt wird, ich hätte als privat versicherte Person bei 2.3 fachen Satz für die gleiche Leistung zwischen 50 und 70 EUR gezahlt.  Wer also hofft, die Bürgerversicherung wäre volkswirtschaftlich sinnvoll, ist ziemlich sicher auf dem Holzweg.

Kaum waren wir unterwegs, um „Mittelerde“ für uns zu entdecken, erreichten uns besorgniserregende Wetternachrichten. Nach der Vorhersage sollte Cyclone Hola in wenigen Tagen immer noch in Hurrikanstärke über Auckland fegen, wo wir unsere Kalibu in einer Marina zurück gelassen hatten. Rückblickend waren es dann doch „nur“ Böen bis zu 60 Knoten, die Auckland erreichten. Wir sind noch nicht zurück, gehen aber davon aus, dass alles in Ordnung ist.

Murphy’s law in voller Wirkung brachte uns schließlich die Nachricht, die Heizung und das Warmwasser in unserem Haus in Berlin war ausgefallen, der Keller steht 20 cm unter Wasser. Das bei Minustemperaturen in Berlin. Was war passiert? Der 400 l Warmwasserbereiter war implodiert und das Sicherheitsventil am Brenner explodiert. Hektische Telefonate mit dem Installateur folgten und fünf Tage später gab es schliesslich wieder warmes Wasser, die Heizung ging nach einem Tag wieder. Danke an die Firma Droma.

Damit sah es so aus, als ob wir uns schlussendlich auf ein paar schöne entspannte Wandertage durch die beeindruckenden Landschaften des Südens von Neuseeland freuen konnten. Der Track war ausgesucht, die Wanderhütte gebucht. Aber die Freude währte nicht lange. Nach der Überquerung eines reißenden Flusses ging es in den Regenwald. Wir kämpften uns über matschige Waldböden, durch Bachläufe und mit Sumpfpflanzen überwucherte, vom letzten Regen überspülte Pfade voran. Bis Leonard einen Salto von einem Baumstamm machte, der quer über dem Pfad lag. Er schrie auf, mein Arm ist gebrochen. Sichtlich unter Schock schaffte Leonard  es trotz alledem, gestützt von Zoë, den Weg wieder zurück zu gehen. Wir verpassten ihm eine Armschlinge zur Entlastung, ein Schmerzmittel, das wir zum Glück dabei hatten, und ein großes Stück Schockolade gegen den Schock. 24 Stunden und nach drei Notaufnahmen, Fox Glacier, Greymouth und Christchurch, lag er im Operationssaal in Christchurch. Ein komplizierter Bruch. Die Ärzte sind zufrieden und wir sehr froh. Es hätte sehr viel schlimmer enden können.

Hier vielen Dank an die Schwestern und Ärzte der Kinderstation im Christchurch Hospital, die sehr um uns bemüht waren.

 

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