Perlenzucht im Gambier-Archipel

Am Montag fuhren wir mit dem Dingi zur Perlenfarm von Erik, die auf der Insel Totegegie liegt, waren aber zu früh dran. Der Weg über das vorgelagerte Riff war recht lang und wäre mit der Kalibu nicht möglich gewesen. Selbst mit unserem Dingi hatten wir es nicht ganz einfach uns durch das Riff zu bewegen. Im Dingi sassen zum Glück nur Papa, Mama und ich, was das manövrieren einfacher machte. Leo konnte nicht mitkommen. Er hatte sich am Tag davor beim Schnorcheln erkältet. Kurz nach uns kamen Hilda und Fritz von dem großen selbstgebauten babyblauen Katamaran Bella Ciao an. Sie kommen aus den Niederlanden, Holland genau genommen, und sprechen gut Deutsch.
Wir mussten nicht lange warten bis Erik, der Besitzer der Perlfarm mit dem wir tags zuvor eine Führung vereinbart hatten, zu uns kam. Eriks Familie wohnt seit zwei Generationen in Französisch Polynesien, kommt aber ursprünglich aus China. Er ist nett, hat drei super süsse kleine Hunde, mit denen ich am Strand spielte und er gibt sein Wissen über Perlen gerne weiter. So erfuhren wir zum Beispiel, dass die Farbe der Perlen davon abhängt, wo genau in der Muschel der Nukleus sitzt. Der Nukleus ist eine kleine Kugel, um die sich das Perlmutt anlagert. Und, dass es nur in den Gambiers so bunte Perlen gibt. Natürlich sind sie nicht knallbunt, sondern eher dezent gefärbt.
Die Führung dauerte gefühlte drei Stunden … zum Abschluss brachte uns Erik noch mit seinem Powerboot ein Stück raus auf die Lagune, damit wir sehen konnten, wo die Perlaustern „leben“ und wie sie gesäubert werden.
Verfasst von Zoe – 16.06.17

Perlenzucht im Gambier-Archipel

Perlen zu züchten klingt erst einmal ganz simpel: Man transplantiert in die Perlauster einen perfekt runden Nukleus, welcher aus einer Mississippi Muschel hergestellt wurde. Die Perlauster ist eine im Meer vorkommende Flügelmuschel-Art. Diese beginnen daraufhin den Fremdkörper in einen Sack einzuschliessen und in vielen mikro-feinen Schichten mit Perlmutt zu ummanteln. Nach etwa drei Jahren ist der Prozess abgeschlossen. Die Perlauster kann wieder geöffnet und eine Perle entnommen werden.
Jedoch wie so häufig liegt die Herausforderung im Detail, genauer genommen in den vielen Details.
Es fängt damit an, dass das Transplantieren eines Fremdkörpers einer kleinen Operation nahe kommt. Nicht allen Austern bekommt dieser Eingriff. Etwa 10-20 von 100 überleben den Schock nicht und weitere 30 stossen den Nukleus im Laufe der folgenden zwei Jahre ab. Wie hoch die Erfolgsaussichten sind, hängt vom Geschick des „Operateurs“, dem Grafter, ab und vielleicht auch etwas von der Methode, die angewendet wird. Wir haben zwei Perlenfarmen besucht. Eine benutzt Antibiotika, die andere taucht die Perlaustern vor der Operation eine Weile in wenige Grad kälteres Wasser, um sie zu betäuben. Perlaustern sind sehr temperaturempfindlich und schon bei Temperaturunterschieden von einem Grad reduzieren sie ihren Stoffwechsel erheblich.
Von den überlebenden Austern, produzieren nicht alle qualitativ hochwertige Perlen. Etwa 20% der geernteten Perlen sind Ausschuss. Es scheint so zu sein, dass manche Perlaustern gute Perlenproduzenten sind, andere sind ungeeignet. Die, die eine gute Ernte einbrachten, werden erneut mit einem Nukleus versehen und können in ihrem Leben insgesamt drei bis vier Perlen produzieren. Die anderen Perlaustern werden aussortiert.
Perlenzüchter sind daher darauf angewiesen permanent neue Perlaustern in die Produktion einzubringen. Hierfür werden lange, an Schwimmbojen hängende Seile, sogenannte „collectors“, im Korallen-Atoll in Bereichen, in denen eine ausreichend starke Tidenströmung für frisches sauberes Wasser sorgt, ausgebracht. An den „rauen“ Seilen sammeln sich dann junge heranwachsende Perlaustern an.
Erfahrene Perlenzüchter suchen die Austern bereits nach ihrer äusseren Erscheinung aus. An der unansehnlichen äusseren Hülle können sie ausmachen, welches Farbspektrum die Austern potentiell herstellen können. Je nachdem wo der Nukleus platziert wird, entstehen dann entweder silberne, hell- bis dunkelgraue, grüne, rötliche, champagnerfarbene oder auch blau-türkisfarbene Perlen. Die Gambiers sind weltweit berühmt für das große Farbenspektrum der hier produzierten Perlen.
Farbe und Glanz ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale einer Perle. Die Farbe setzt sich aus der Grundfarbe und einem scheinbar darüber liegenden Schimmer zusammen. Durch die vielen Schichten von Perlmutt, es sind bis zu 1000, die die Auster um den Nukleus angelegt hat, wird das Licht in einer besonderen Art reflektiert und es entsteht der typische Perlglanz, auch Lüster genannt.
Weiterhin entscheidend für die Qualität der Perle sind natürlich Größe und Form. Die Größe der Gambier Perlen variiert zwischen 8 und 16 mm. Und der Preis geht mit zunehmendem Durchmesser exponentiell in die Höhe. Vergegenwärtigt man sich den Herstellungsprozess, macht das Sinn, denn es wird ja immer ein gleich großer Nukleus verwendet, was bedeutet, dass eine große Perle schlicht und ergreifend einen wesentlich dickeren Perlmuttmantel aufweist.
Um möglichst perfekte Perlen herzustellen, müssen die Perlaustern nach der Transplantation gehegt und gepflegt werden. Sie müssen zum Beispiel vor den vielen Fressfeinen geschützt werden, die es im Atoll auf das wohlschmeckende Fleisch abgesehen haben, und sie müssen in regelmässigen Abständen gereinigt werden. Traditionell bringen Apnoe-Taucher die Austern, die mit Kabelbindern an einem Kunststoffrost befestigt sind, alle zwei Monate zur Perlenfarm, wo sie gesäubert werden. Fortschrittliche Züchter lassen die Austern direkt vor Ort auf dem Motorboot reinigen. In beiden Fällen kommt ein simpler Hochdruckreiniger zum Einsatz.
Sicher gibt es noch viele weitere Details, die uns die zwei Besuche in Perlenfarmen nicht vermitteln konnten. Eindrücklich bleibt aber der immense Aufwand, den die Produktion von Salzwasser-Perlen mit sich bringt. In der Bevölkerung des Gambier-Archipels gibt es unterschiedliche Meinungen zur Zukunft der Perlfarmen. Nicht verwunderlich, die „Umweltschützer“ würden gerne die Anzahl der Lizenzen einfrieren. Andere sehen hierzu keine Veranlassung. Ganz im Gegenteil, sie möchten das Geschäft gerne ausweiten. Das wiederum finden wir recht kurzsichtig für Polynesien. Weil selbst für Ausstehende offensichtlich ist, dass der Markt und die Produktion überwiegend von Chinesen kontrolliert wird.

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