Kopfheister

Als der Skipper von der SY Inti eines Nachmittags wilde Kreise mit seinem Bananaboot Dinghy am Ankerplatz fuhr, habe ich mich gewundert, was er da tat. Etwas sinnlos, oder? So ganz ohne Ziel. Zwei Tage später fuhr ich mit unserem Dinghy ebenfalls Kreise auf dem Ankerplatz. //// Jonathan erklärte mir später, er wäre vor der Hafeneinfahrt gekentert und sein Motor war unter Wasser geraten. Damit der Motor wieder funktioniert, hat er ihn sofort gereinigt und dann „mußte er laufen“, meinte Jonathan, sonst wird das nichts mehr. Deshalb die Kreise. Ich konnte das nachvollziehen, da unser alter Dinghymotor im Mistral auf Sardinien unter Wasser geraten war und dann nie wieder richtig lief. Wir mussten danach einen neuen Motor kaufen. //// Auf der Osterinsel ankert man in einer weiten offenen Bucht, die dem Schwell ausgesetzt ist. Schwell sind langsame langgestreckte Wellen, eher ein sich bewegender Hügel, von 2-4 m Höhe, die sich dann im flacher werdenden Wasser auftürmen und unter Getöse und mit Fontänen brechen. Die kleineren Windwellen strukturieren die Oberfläche der rollenden Hügel. //// Wenn man vom Ankerplatz an Land möchte, fährt man mit dem Dinghy in den kleinen Hafen. Leider brechen genau vor der Hafeneinfahrt und links und rechts daneben die Wellen, manchmal flacher und manchmal sehr hoch. Es sind immer Surfer dort im Wasser. Die Einheimischen geben den Rat neun Brecher zu zählen und in der folgenden Pause schnell hinaus zu fahren. Allerdings braucht man dazu einen starken Aussenborder. Häufig schließt die Armanda den Hafen ganz für Dinghies. //// Wir sind jeden Tag an Land gefahren und haben Lebensmittel, Diesel und Ersatzteile transportiert. Mehrmals am Tag, wenn uns eine brechende Welle erwischte, war es ein Spass auf ihr zu surfen. Computer und IPads waren immer in wasserdichten Säcken eingepackt, man weiß ja nie. //// Irgendwann dreht der Wind und unsere Ankerkette rumpelte stärker als sonst. Sie rumpelte die ganze Zeit etwas, aber die Ankerplätze des letzten Jahres in Patagonien waren in der Regel mit Steinen durchsetzt, so dass wir das Rumpeln hinnahmen. Hier rumpelte sie dann nicht einfach nur, sondern ging senkrecht ins Wasser und war straff gespannt. Offensichtlich hatte sie sich mit einer Winddrehung um einen Stein gewickelt. Kein Problem, wir entlasteten die Kette mit Hilfe der Hauptmaschine, geben lose und bewegen das ganze Boot um den Stein herum, um die Kette zu befreien, dachte ich. Mehrere solche Versuche, unter blickfälliger Anteilnahme des Skippers des benachbarten Katamarans Two Oceans, schlugen fehl, die Kette liess sich nicht befreien. Es war Spätnachmittags, im Süden kündigte sich ein neues Tiefdruckgebiet an und es musste etwas passieren, denn unter solchen Bedingungen wollten wir keine Nacht verbringen. //// Ich sprang ins Dinghy und fuhr in den Hafen zur Tauchstation, um Hilfe zu holen. Ein paar Minuten später surfte ich auf einer großen brechenden Welle in die Hafeneinfahrt. Sie brach direkt hinter mir, das Dinghy beschleunigte von langsam auf rasend und es gelang mir den Kurse zu halten. Wow, ist das geil. Kaum zu Ende gedacht, passte sich die Geschwindigkeit der sich verlangsamenden Welle an die Geschwindigkeit des Aussenborders an und ich verlor die Kontrolle. Azurblaues Wasser, 26 Grad warm, umspülte mich, meine Brille war weg und mit einer Hand hielt ich meine Mütze fest. Kaum hatte ich Luft geholt, kam der nächste Brecher, also unter Wasser gehen. Das Dinghy schwamm verkehrt herum, aber der zweite Brecher flippte es wieder auf die richtige Seite. Ein Fischer kam mit seinem Boot und einem 70 PS Aussenborder und sicherte das Dinghy. Ein Surfer im Rentneralter gab mir sein Surfbrett und ich versuchte auf dem Brett liegend zu paddeln, wie man das so von der Bar aus beobachtet, jeder Brecher spülte mich herunter. Der Surfer sagte, stell dich drauf, das ist einfacher! Zum Glück konnte ich in das Fischerboot klettern. ////. Pitschnass vereinbarte ich dann mit dem französischen Chef der Tauschschule die Befreiung unseres Ankers. Der Fischer schleppte das Dinghy, die Taucher klarierten routinemässig (kommt offensichtlich häufiger vor) den Anker mit Hilfe eines Ballons und ich verbrachte den Abend damit den Dinghymotor in Öl zu baden, den Vergaser auseinander zu nehmen und zu beten, dass er wieder läuft, weil im Pazifik so gut wie keinen Ersatz zu bekommen ist. Er lief und weil er „laufen musste“ beobachteten mich die Nachbarn beim Kreise fahren und dachten sich, sinnlos oder, so ohne Ziel.

day 6 on our way to Rapa Nui

09. April 2017 – 04:00 local time //// S28Grad 27.1 W087Grad06.9 //// day 6 to Rapa Nui ////
Somebody -can’t remember who- promised me that the pacific waves are nice and long. Well he or she was utterly wrong! Day 6 and I still feel seasick. Every depression which passes through further south sends a nasty choppy see up here. Even with winds of force 4 the sails are flapping while Kalibu moves vividly from one side to the other. But I mustn’t complain. We do have a nice steady breeze from south-east since two days. These are ideal conditions for sailing westwards and a welcomed change in comparison to the first few days with hardly any wind at all. //// Another 1200 nm to go. //// We adjusted our Kalibu-time today by -1 hour but we are still not in accordance with our geographical position. This is due to the strange Chilean timezone which makes a big loop towards the west, all the way to Isla Pascua.

Lebewohl Isla Robinson Crusoe

05. April 2017 – 15:00 local time //// S30Grad 05.8 W079Grad57.2 //// Tag 3 nach Rapa Nui

//// Nach zwei grauen, vernieselten Segeltagen mit wenig Wind scheint heute endlich wieder die Sonne. Der Wind ist zwar immer noch zu schwach, um unser Ziel Rapa Nui direkt anzusteuern, aber was macht das schon, wenn dieses mehr als 1600 nautische Meilen entfernt liegt. So folgen wir einem Kurs nach Nord bei halbem Wind, weil es so grad reicht unsere Kalibu mit 4-5 Knoten durch die Welle zu schieben. Ausserdem hoffen wir so um den 25. Breitengrad die Passatwinde zu erreichen. Mal sehen.

//// Der Abschied von der Isla Robinson Crusoe fiel uns mal wieder schwer und beinahe hätten wir diesen noch etwas hinausgezögert, als wir das grüne Versorgungsschiff am Horizont erspäten. Die Aussicht darauf möglicherweise frische Tomaten oder Äpfel ergattern zu können, war verlockend. Allerdings war die Ladung Obst und Gemüse des letzten Versogungsschiffes schon auf dem Weg vom Schiff zum Laden auf ein Nichts zusammengeschrumpft, so dass wir uns nicht allzuviele Hoffnungen machten und die Leinen wie geplant am Montagabend los warfen.

//// Die Juan Fernandez Inselgruppe scheint im Bewusstsein der Chilenen nur wenig present zu sein. Und wenn, dann verbindet man mit dem Namen den Tsunamie von 2010 der grosse Teile des Ortes San Juan Bautista zerstörte oder mit einem Flugzeugabsturz, dem prominente Fernsehmoderatoren, die über die Wiederaufbauarbeiten berichten wollten, zum Opfer fielen. So ist es nicht verwunderlich, dass nur wenige Touristen den Weg hierher finden. Und die, die kommen, kommen mit einem besonderen Interesse, für den Nationalpark mit den einzigartigen Kolibris oder für die vielfältige Unterwasserwelt. Oder sie sind hier, um einen Piratenschatz zu suchen, so wie Bernard aus den USA. Er kommt seit 20 Jahren hierher und gräbt ein kleines Stück Land um. Immerhin beschäftigt er 16 Chilenen und stellt damit eine kleine lokale Wirtschaftskraft 😉 dar. Wir nutzten die Gelegenheit und frischten unsere Taucherfahrung bei Gloria und Germain, die hier eine kleine Tauchstation betreiben, wieder auf. Egal wo man ins Wasser springt, überall findet man riesige bunte Fischschwärme und auch die ein oder andere Pelzrobbe. Sehr beeindruckend, Bilder folgen …

//// Später stellte ich dann fest, es gibt auch eine Padi Tauchstation vor Ort, mit Marcello als Tauchlehrer. (Der wäre vielleicht besser gewesen für uns.) Marcello musste ich nähmlich um Hilfe bitten, als Leonard allein mit unserem Dingi, dessen Motor nicht mehr starten wollte, aus der Bucht herauszutreiben drohte. Marcello hat uns daraufhin zu sich eingeladen, insbesondere die Kinder, weil seine Kinder ebenfalls zu Hause nach Montessorigesichtspunkten unterrichtet werden. Zoë und Leonard wollten jedoch auf keinen Fall an einer spanischen Unterrichtsstunde teilnehmen, Schade! So haben wir zusammen „nur“ eine Flasche unseres letzten spanischen Cava getrunken, Diego „el jefe“ der Armadastation und den lokalen Bierbrauer (ja die Isla Robinson Crusoe hat ihr eigenes Bier) kennengelernt, während die Kinder gemeinsam den Wald erkundeten und auf einem Trampolin Spass hatten. Und wenn wir unsere Kinder in die lokale Schule geschickt hätten, würde man in 5 Jahren noch über uns sprechen ;-))

////// PS Marcello ist auch für die Mooringbojen in der Cumberland Bucht verantwortlich. Er ist am Pier zu finden und freut sich, wenn man ihm einen kleinen Unkostenbeitrag für die Unterhaltung der Bojen zukommen lässt. Bis jetzt konnte er sich noch nicht zu einem festen Tagessatz durchringen, wir haben ihm jedoch dringend dazu geraten, damit nachträgliche Beschwerden über Segler „die nicht bezahlen“, weil sie ja nicht wissen, dass es etwas kostet, nicht mehr vorkommen. Am Ende haben wir ihm dann etwa 3€/Tag gegeben. Die Bojen in der östlichen Ecke der Cumberlandbay sind sehr hilfreich in der doch relativ offenen Bucht.

Day three on Isla Robinson Crusoe

27. März 2017 – 20:00 local time /// S 33°38.4 W 78°49.5 /// Isla Robinson Crusoe ///

Day three on this beautiful island. The landscape is remarkably colorful with ragged rocks and incredibly blue waters. This is the perfect spot to go diving again which we haven’t done for two years now. Accordingly I am a little nervous before the dive but as it turns out there is so much to discover … I enjoy being under water very much and observing the fishes is fascinating. The children were lucky. They spotted seals while diving. These are very common in Cumberland Bay.

Landfall auf der Robinson Crusoe Insel

26.März 2017 – 10:00 local time //// S33° 38.4 – W7°49.5

Vor Anker in San Juan Bautista /// Mit Hilfe des Motors haben wir es dann doch noch am Freitag vor Einbruch der Nacht geschafft am Ankerplatz anzukommen. Der Wetterbericht versprach Nordwind für Samstag und für uns hätte das bedeutet, mindestens weitere 24 Stunden in Sichtweite der Insel aufzukreuzen.

/// Die Mooringbojen haben wir sehr spät entdeckt, aber mit etwas Glück konnten wir uns trotzdem beim ersten Anlauf eine schnappen. Die Armada hatte schon längst Feierabend gemacht. So blieb nur noch das Abendessen vorzubereiten.

/// Die legendäre Robinson Crusoe Insel haben wir uns anders vorgestellt. Nicht so hoch und zerklüftet und viel grüner. Was wohl auf den gleichnamigen Film zurückzuführen ist, der die Handlung bekanntlich in die Südsee verlegt hatte. Auch wenn sein Tagebuch heute nicht mehr auffindbar ist, steht fest, dass der tapfere Selkirk (die Vorlage für die Romanfigur Robinson Crusoe) hier, selbstgewählt wohlgemerkt, vier Jahre und vier Monate mit einer Schar Ziegen ausharrte, bis er von einem englischen Kaperschiff gerettet wurde. Selbstgewählt weil er, nachdem er sich mit seinem früheren Kapitän über die Seetüchtigkeit des Schiffes zerstritten hatte, auf eigenen Wunsch auf dieser Insel hat absetzen lassen. Ohne Freitag, ohne Hund oder Katze! Die Ziegen wurden in der Vergangenheit von Spaniern hier abgesetzt.

/// Berühmt ist die Insel weiterhin wegen des deutschen Kreuzers Dresden, der hier in der Cumberland Bucht im ersten Weltkrieg versenkt wurde. Auch dieses Ereignis war quasi selbstbestimmt. Die Mannschaft der Dresden sah sich zwei britischen Marineschiffen gegenüberstehen und zog es vor das eigene Schiff zu versenken bevor es dem Gegner in die Hände fiel. Einige Überlebende sollen zu den Vorfahren der heutigen Inselbewohner gehören. Die Inselgruppe ist nach wie vor schwer zu erreichen. Es gibt nur dieses kleine Fischerdorf und am anderen Ende der Insel einen kleinen Flugplatz, den man ausschließlich mit dem Boot und auch nur bei gutem Wetter erreichen kann. Nicht verwunderlich, dass sich die Zahl der Touristen in Grenzen hält. Und das, obwohl es zu den schönsten Tauchgründen der Welt zählt. Allein schon vom Boot aus lassen sich viele bunte Fische beobachten und Leonard hat uns am Samstag gleich drei super leckere Red Snapper geangelt.

Roller Coaster

23.März 2017 – 4:30 Local Time //// 36°27′ S – 76°32′ W //// Kurs 309, Sog 6.4kn

Noch 200 Meilen bis Robinson Crusoe. Nur roller coaster fahren ist womöglich besser als unser erster Segeltag raus aus der Bahia Corral. 3.5 bis 4 Meter hohe, zum Teil brechende Pazifikwellen und eine steife Brise erwarteten uns außerhalb der geschützten Bucht. Mit entsprechend viel Wind aus Süd ging es dann zwar schnell voran, ein angenehmer Start war es aber nicht. Zoë wurde gleich seekrank, ich konnte mich grad noch so lange zusammenreißen bis das Mittagessen fertig und ein Brot gebacken war, Leonard war auch ganz blass um die Nase. Nach dieser Erfahrung kann ich mir bildhaft vorstellen, wie ähnliche Wellen auf der gleichen Strecke die Abraxas von Stepke auf die Seite zwangen und wenn unsere Kalibu nicht so schön breit wäre, hätte ich für einen anderen Kurs mit Umweg plädiert, damit die Welle nicht von der Seite käme. In der Nacht kam uns dann noch ein Tankerschiff gefährlich nahe. Die haben wohl alle gepennt auf der Brücke der „Punte Cruesa“ Selbst meine Funksprüche auf Kanal 16 wurden einfach ignoriert und uns blieb nichts anderes übrig als auszuweichen. Nicht gerade die feine englische Art. Ist alles gut gegangen, am nächsten Morgen nahm dann der Wind und etwas zeitversetzt auch die Welle, deutlich ab. Nun segeln wir mit schönen 15-20 Knoten vorm Wind in Richtung Robinson Crusoe. Noch etwa 200 Meilen liegen vor uns. Die wollen wir zügig bewältigen, weil das nächste Tiefdruckgebiet schon im Anmarsch ist und wir bald mit Gegenwind rechnen müssen. Bevor ich es vergesse, unser Ablegemanöver war etwas zu spontan. Erst wollte Thomas mit Stillwasser am Nachmittag los, um sich dann aber beim gemütlichen Frühstück fürs sofortige Losfahren zu entscheiden. Zu dem Zeitpunkt war das Stillwasser allerdings schon durch und es kam, wie es kommen musste, unsere Kalibu wurde von der Strömung im Fluss gnadenlos gegen die Dalben gedrückt. Dieses Manöver hätte man nur durch eindampfen in die Spring retten können, wozu unser Skipper allerdings keine Geduld hatte.

//// English ////

only in a roller coaster one might have had more fun, than sailing with Kalibu out of Bahia Corral this Tuesday. 3.5 to 4 meter high and steep waves from the side coupled with a stiff breeze made our start very bumpy. I just about managed to finish cooking lunch and backing a bred when I became see sick, together with Zoë. Even Leonard felt uncomfortable. After this experience I can easily imagine how the knock-down of Stepke’s Abraxas happened and I was happy to have a much wider and bigger boat. Not long after these rough conditions of the first day had improved a big tankship appeared behind us, totally ignoring our right of way. I sent of several radio massages on Chanel 16, which were also ignored by „Punte Cruesa“. Finally we had to get out of its way fast in order to avoid a collision. The day after we had predominantly 4-6 Beaufort from the South and a nice uneventful sailing day.

 

//// 24.März 2017 – 14:30 LT //// 34°08′ S – 78°28′ W //// Kurs 335, Sog 4.1 kn ////

Noch gut 30 Meilen bis sum Ziel. Wir haben das Land aber schon gesichtet und fragen uns nun, ob wir es heute noch schaffen? Der Wind hat uns schon in der vergangenen Nacht fast gänzlich verlassen. Das Vorsegel machte bei jeder Welle „flapp-flapp“, das Boot schwankte gnadenlos hin und her. Am Samstag soll das nächste Tief hier durchziehen, da wollen wir natürlich schon sicher vor Anker liegen. So segeln wir jetzt mit ausgebaumter Yankee und festgesetztem Grossbaum im Schmetterling langsam vor uns hin.

//// English ////

Land, ho! But another 30 miles to go. Unfortunately theses fair winds from yesterday had left us and we are wondering if we can make it to the anchorage before night falls?

Lebewohl Chile

Aller guten Dinge sind zwei: nun endlich soll es klappen mit dem Abschied von Chiles Festland.  Nachdem wir nach Silvester schon startklar waren, mit allem Drum und Dran, inclusive Proviant und was man sonst so braucht, ist jetzt schon fast der März zu Ende und wir sind noch immer in Valdivia.

Was kam dazwischen? Wir hatten schon länger Zweifel an der Art und Weise wie unser Manager in Berlin unsere Ferienwohnungen betrieb. Kurz vor Weihnachten kamen besorgniserregende Nachrichten bei uns an, die an Silvester nochmal getoppt wurden, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als in Berlin nach dem Rechten zu sehen. Zum Glück! Die Fotos sprechen für sich, denke ich. Thomas fand unser Haus in Berlin in mehr als desolatem Zustand vor und uns blieb nichts anderes übrig als die Notleine zu ziehen. Gemeinsam haben wir dann das Geschäftsmodell einmal umgekrempelt und die meisten Schäden in übervollen Arbeitstagen und mühevoller Kleinarbeit beseitigt. Das war alles andere als witzig. Selbst der längst überfällige Besuch der Eltern war zeitlich nicht machbar. Die Liste war zu lang. Nun ist unsere Kalibu ein Jahr und ein Monat in Chile gewesen.

 

 

Chile gefällt uns sehr gut. Liebe Chilenos ihr habt ein tolles Land!
Die Bandbreite der sehr unterschiedlichen, aber allesamt spektakulären Landschaften ist wahrhaft einzigartig. Das liegt natürlich an der extremen Länge des Landes. Chile reicht bekanntlich von Antarktika bis zur Atacama Wüste, kurz vor Ecuador, und von den eisbedeckten Höhen der Anden bis zur tropischen Osterinsel im Pazifik. Das allein ist schon beeindruckend.
Die unaufgeregte, liebenswerte und nahezu immer hilfsbereite Art der Chilenos werden wir sicher vermissen.
Gibt es etwas was uns nicht gefallen hat? Ja doch, da fällt mir ein, die Kinder vermissen Mozzarella (wenn hier jemand widersprechen sollte, sorry, was in den chilenischen Supermärkten als Mozarella verkauft wird, ist ein Witz und jeder echte Italiener wird bitterlich weinen wenn er das sieht) und Mascarpone wäre auch schön zu haben, für ein leckeres Tiramisu. Aber sicher gibt es unter den italienischen Einwanderern bald einen findigen Geschäftsmann oder eine Frau, die das ändert.
Noch was? Ja da sind die Salmoneras und die damit einhergehende Verschmutzung des Pazifiks. Alles andere als schön, aber im Vergleich zu den Plastikmengen, die in Asien jeden Tag ins Meer gespült werden, ein Klacks. Und man hat den Eindruck, es ändert sich was. Zumindest in Valdivia gibt es an jeder Ecke Plakate, die auf die Plastik-Problematik hinweisen.
Und da ist noch die Sprache. Lo Siento mucho, liebe Chilenos, wir haben es nicht geschafft richtig Spanisch zu lernen. Asche auf unser Haupt! Zu lange waren wir in den einsamen Kanälen unterwegs, in denen wir keiner Menschenseele begegnet sind (mit Ausnahme anderer Segler natürlich) und dann in Puerto Montt wurde vor allem Englisch gesprochen. Spanisch zu lesen ist nicht so schwierig, aber die Sprache zu sprechen ist halt ein andere Nummer.

Te vamos a extrañar. Wir verabschieden uns aus diesem schönen Land noch ein paar Eindrücken.

Farewell to mainland Chile

Deutsche Übersetzung

Second time lucky! This time it should work out. Finally we will set sail and say farewell to the mainland of Chile. After we had almost been ready to leave at new years day, including everything one needs when planning to be on the ocean for 3 or more month – loads of food, petrol, drinking water, cooking gas … – today at the end of March we are still moored in Valdivia. What got in our way? We were forced to totally reorganize our business in Berlin. All but not funny. More about this later on.

After all this hassle in Berlin Kalibu has been in Chile for one year and one month, a long time. Needless to mention, we had a good time here. We like Chile very much. Dear Chilenos you have a great country!

The range of very varied, but always spectacular scenery, flora and fauna is truly unique. This is, of course, due to the extreme length of the country. As you know Chile extends from Antarctica to the Atacama Desert and from the ice-covered summits of the Andes to the tropical Easter Island in the Pacific. This alone is impressive.

And then there are the lovely people. We will surely miss the composed, unagitated, lovable and almost always helpful manner of the Chileans.

Is there something we did not like? Yes, I remember, the children miss mozzarella (if anyone here should contradict, sorry, what is sold in the Chilean supermarkets as Mozarella, is a joke and every real Italian will cry bitterly when he sees it). Mascarpone would also be nice to have, for a delicious Tiramisu. But surely there will soon be a resourceful business man or woman among the Italian immigrants who will be tackling this.

Something else? Yes, there are the Salmoneras and the consequent pollution of the Pacific. Anything but nice, but compared to the amounts of plastics that are washed in the oceans in Asia every day, it is barely worth mentioning. And a change of attitudes is visible, at least in Valdivia.

Finally there is the language. Lo siento mucho, dear Chilenos, we have not managed to learn Spanish properly. Ashes on our head! For too long we were traveling on the lonely canales where we have not encountered any human soul. Then in Puerto Montt the international sailing community spoke mainly English. Reading Spanish turned out to be not so difficult, but speaking the language is just another thing.

Te vamos a extrañar. We say good-bye with a few more impressions from this beautiful country.

See also Best of 2016

 

Einmal um die ganze Welt …

Wir sind bereit für den Absprung, aber da gibt es doch noch ein paar wichtige offene Fragen in Deutschland zu klären, die uns hier festhalten. Mit Bewunderung schauen wir daher auf die Berichte unseres Einhandseglerfreundes Stepke – Alekistan – und auch auf die Resonanz seiner Erlebnisse.

Süddeutsche – Einmal um die ganze Welt

Er hat die Insel Robinsón Crusoe im Juan-Fernández-Archipel schon wieder verlassen und ist nun auf dem Weg zu den 1700 Seemeilen entfernten Osterinseln. Die gehören ja bekanntlich immer noch zu Chile – was für ein Land!

200 Nautische Meilen

in 33 Stunden macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6 Knoten. Gar nicht so schlecht dafür, dass ich befürchtete es gäbe womöglich zu wenig Wind zum Segeln von Puerto Montt nach Valdivia. Gestern nach einem schnellen Frühstück warteten die Jungs vom Club schon, um uns beim Ablegen zu helfen. Draußen im Golf mussten wir dann noch unseren grad reparierten Autopiloten kalibrieren; in Schlangenlinien ging es daher Richtung Süden. Den etwa 20 Meilen von Puerto Montt entfernten Canal Chacao, der Chiloé vom Festland trennt, kann man nur mit auslaufendem Wasser in Richtung Pazifik passieren. Stillwasser war für 15 Uhr vorhergesagt und wir kamen grad rechtzeitig. Mit mitlaufendem Wasser erreichten wir im Kanal Geschwindigkeiten bis 12 Knoten, um daraufhin in eine konfuse See in der Bahia Maullin „gespült“ zu werden. Wir alle fühlten uns mehr oder weniger seekrank. Kaum raus aus der Bucht empfing uns ein dichter Seenebel, der sich im Laufe des warmen Tages über dem kalten Humboldt-Strom gebildet hatte und uns erst bei der Einfahrt in den Rio Valdivia verließ.

 

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