Ankern im Marinabecken – Anchoring in the Marina Basin

Der 16. begann eigentlich sehr gut. Delfine begleiteten uns in die Lagune, wo wir nach drei Nächten ankamen und Port Moresby begrüßte uns mit lauter Lichtern. 

Unser Ziel: der Royal Papua Yacht Club. Schon vor dem Hafenbecken wurden wir von zwei marina-guys empfangen und rein gewinkt. Drinnen bedeutete uns der ältere von beiden, zu ankern. Mitten im Becken! Na ja, andere Länder, andere Sitten, meint Papa und der Anker fällt auf fünf Metern. Gefühlte drei Stunden später kommt Israel, der Typ vom Club, vorbei und bringt uns einen Haufen Papiere. Wir machen uns daran sie auszufüllen, doch um zwölf, wo Israel eigentlich schon wieder da sein wollte, ist immer noch nichts passiert. 

Papa setzt sich ans Funkgerät und kurze Zeit später sitzt dann auch endlich der Mann vom Zoll bei uns im Cockpit. Die gelbe Flagge hängt aber noch, da die Quarantäne-Leute noch nicht da waren. Ob das jetzt an ihrem vollgepackten Terminkalender liegt, oder daran, dass wir uns nicht achtundvierzig Stunden vorher gemeldet hatten, vermag ich nicht zu sagen. 

Nach einem Besuch im Marina Büro kommen Papa und Leo mit der Nachricht zurück, wir könnten uns jetzt an den Arbeitssteg legen, einen kleinen, mit Farbe und was weiß ich nicht was bekleckerten Schwimmponton. Aber ich will mich nicht beklagen, denn von hier hat man es deutlich näher zum Club Gebäude, als von hinter der kleinen Tankstelle, wo die anderen ‚visitors‘ liegen, wie der erste marina-guy uns erzählte. Das Anlegemanöver verläuft schnell und einfach. Das erste was wir dann tun, ist nicht duschen. Nein, wir schließen den Schlauch an, und lassen Kalibu einen äußeren Großputz zukommen. Erst danach hopsen wir nacheinander unter die Dusche. Denn obwohl der Club in einem Werbeprospekt als ‚safest place in town!‘ angepriesen wird, ist hier alles doppelt und dreifach gesichert und zugeschlossen, und wir haben nur einen Schlüssel. Bzw. zwei, weil die Wäscherei extra ist, da nur für yachties bestimmt. Am Abend sitzen wir oben auf der Terrasse des Clubgebäudes, trinken Saft – MaPa Bier – versuchen aufgrund des langsamen Internets nicht die Geduld zu verlieren und beobachten die vielen Leute um uns herum. Klar, Samstagabend und der Club scheint eine gut genutzte Ausgehmöglichkeit zu sein. Er brummt wie ein Bienenstock und statt Fußball läuft auf allen Fernsehern Rugby. Komisch, finde ich, läuft doch um 20 Uhr (PNG Zeit) Australien gegen Frankreich und auch wenn Fußball mich normalerweise nicht die Bohne interessiert, einmal in vier Jahren setzte ich mich dann doch mit vor den Fernseher. Ist immerhin eine Weltmeisterschaft, oder?

Zoë 19.6.2018

The 16th started actually very pleasantly. Dolphins accompanied us into the lagoon, where we arrived after sailing for three days and Port Moresby welcomed us with lots of lights. Our destination: the Royal Papua Yacht Club. In front of the harbour basin we were received and waved in by two marina guys. 

Inside the marina the older man told us to anchor. In the middle of the small basin! Well, different countries, different habits, said Papa and the anchor was dropped at five meters. After, what seemed like ages, Israel, the marina officer arrived and gave us a bunch of papers to fill in, what we certainly did. But at twelve o’clock, Israel is still not back, although he told us he would be. Papa sits down in front of the radio and shortly after we can offer the customs officer a glass of cold water. However the yellow flag is in fact still up this very moment, since the quarantine people did not inspect Kalibu yet. If that’s because their date book is full or because we forgot to get in touch 48 hours before we arrived, I’m still uncertain. After a visit in the marina office, Papa and Leo come back with the message, we can move Kalibu to the working pontoon, a small floating platform, messy with paint and I don’t know what else. But I don’t want to complain, ‘cause from here it is less far to the club house, then from behind the small fuel station, were the other visitors are moored, as the first marina guy told us. The docking manoeuvre is going well and fast. The first thing we do next is not taking a shower, it’s connecting the hose pipe and washing Kalibu. Only after we finished that we go to the showers. One after the other, as we have only one key and everything in the club is secured and locked twice and threefold, even though the club is advertised as the ‚safest place in town!‘. Or maybe it is the safest place in town because of that.  In the evening we sit upstairs, on the terrace of the club house and are drinking juice, beer for MaPa, trying not to loose patience waiting for the slow internet and watching many other people around us. Of course, Saturday-night, and the club seems to be a nicely used opportunity to go out. It’s buzzing like a bee-home and all the TV-screens show rugby instead of football/soccer. And that despite the fact that the world cup started already and Australia is playing today! 

Von „Big-Man“ und den Feinheiten des Handelns

Brooker Island, über das Zoe schon berichtet hat, ist Teil der Calvados Chain und liegt am Aussenriff einer riesigen Lagune, die zum Louisiade Archipel gehört. Die Menschen in dem kleinen traditionellen Dorf leben weitgehend unabhängig und versorgen sich selbst mit dem, was sie für ihr einfaches anspruchsloses Leben brauchen. Wenn sie keine modernen Kleider tragen würde, hätte man den Eindruck die Zeit ist hier stehen geblieben.
Das Volk gehört zu den Melanesier und so gibt es viele Gemeinsamkeiten mit den Bewohnern von Vanuatu, nur trinken sie keinen Kava, sie essen stattdessen Betelnüsse. Und ihre Segelkanus sind sehr viel grösser und beeindruckender als die kleinen Outrigger-Kanus, die wir in Vanuatu gesehen haben. Wir staunen über die Geschwindigkeit der Boote – bis zu 15 Knoten -, bei denen ein einfaches Paddel nicht nur Ruderblatt, sondern auch Hilfsmotor ist und bewundern die Geschicklichkeit der Segler. Mit wenigen „Neuerungen“, zu denen die modernen Segel – meist ausrangierte Leichtwindsegel von Fahrtenbooten – gehören, werden diese Segelboote wie eh und je vor Ort aus lokalen Materialen selbst gebaut und können daher auch einfach repariert werden. Mitunter ist das mühselig, wenn z.B. aus Lianen Seile geflochten werden müssen, so dass sich alle freuen, wenn sich ein Segelboot in die Lagune verirrt, das sicher Ersatzteile an Bord hat, die gegen Obst, Gemüse, Fisch oder was auch immer eingetauscht werden können. Gern genommen wird auch Zucker, Reis, Tee, Feuerzeuge, Waschpulver und Shampoo.

Wir haben gelesen, dass es im Dorf so was wie einen „Ältestenrat“ gibt, der wichtige Entscheidungen trifft. Den erlebten wir auch mehrmals in Aktion. Während wir dort waren, kamen zwei malaysische Chinesen vorbei, die Seegurken und Haifischflossen ankaufen wollen und über den Preis verhandelt haben. Natürlich wurden die Haifischflossen mit keinem Wort erwähnt, auf Nachfrage erzählte man uns dann aber doch, um was es eigentlich geht und dass sie die Haie von ihren Segelkanus mit langen Angelleinen fangen, an denen mehrere Köder hängen. Auf dem Weg nach Panasia können wir dies live beobachten.
Der „Chief“ oder „Big-Man“ des Dorfes ist nicht wirklich der Chef, vielleicht eher so was wie ein Repräsentant. Er kommt aus einer bestimmten Familie und zeichnet sich dadurch aus, dass er „wohlhabend“ genug ist, um Besucher und Bewohner zu Beschenken und zum Essen einzuladen, erklärt uns John. Der Akt des Gebens macht ihn dabei erst zu einem „Big-Man“ und je mehr er zu geben hat, desto grösser ist sein Ansehen im Dorf. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Juda uns zum Essen eingeladen und uns danach noch einen Fisch geschenkt hat. Ausserdem hat er sich nicht an dem allgemeinen Tauschhandel beteiligt, mit der Begründung, wir sind doch Freunde. John tat dies übrigens auch nicht.
Vieles erinnert an Guinea Bissau, nicht nur der Name und der Handel mit Haifischflossen. Allerdings haben die Frauen, im Gegensatz zum afrikanischen Guinea, in dieser „Big-Man“ Gesellschaft nicht viel zu melden. Judas Frau kocht zwar das Essen für uns, erscheint aber sonst nicht auf der Bildfläche. Johns Frau sitzt auch in zweiter Reihe. Und, um zu weiteren Feinheiten des Handels zu kommen, Frauen werden zwar geschickt, um mit uns im Namen ihrer Männer zu handeln, aber zwei Mal wurden uns die Sachen, ein neuwertiger Fussball und diverse Angelköder, zurückgebracht, weil der Mann was anderes eintauschen wollte.
Den Fussball wollten wir gegen eine lokale Muschelkette eintauschen. Diese Ketten sind die traditionelle Währung, Shell Money, und funktionieren so ähnlich wie Bitcoins. Die Ketten können selbst hergestellt werden, jedoch ist das recht aufwendig. John erklärte uns, dass man für eine Kette etwas mehr als einen Monat braucht, die entsprechenden Muscheln, die roten sind wertvoller als die weissen, müssen gesammelt werden, in Form geschliffen, mit einem kleinen Loch versehen und poliert werden. Für 10 Ketten kann man ein Sailing Canoe kaufen oder auch eine Frau. Für 20 Dollar haben wir dann am Ende doch eine bekommen.

Panasia – ein kleines Paradies

Nach drei Tagen Trubel sehnen wir uns nach etwas mehr Ruhe. Ausserdem müssen wir uns um Kalibu kümmern, der Autopilot und diverse andere kleine Reparaturen stehen an. Da passt es gut, dass John zu seinem zweiten Wohnsitz auf der benachbarten Insel Panasia will und er uns den Weg durch die Riffe zeigen kann, auch er hat wohl die Nase voll von den vielen Dorfbesprechungen. Wir rechnen mit zwei Passagieren, sind aber nicht überrascht, als dann sechs Menschen plus wir Vier im Cockpit sitzen.  John bringt nicht nur sein Frau Gwen, sondern noch ein Schar Kinder mit. Die zwei grossen Jungs verziehen sich gleich zum Bug. Ich will eigentlich einwenden, dass das womöglich nicht der sicherste Platz ist, da fällt mir aber noch rechtzeitig ein, die sind gewöhnt in den offenen Kanus übers Meer zu fahren. Im Gegensatz dazu ist Kalibu ja so was wie eine sichere Festung. John übernimmt das Ruder und die zwei Kleinen schlafen zusammen mit Zoe schnell ein.


Panasia entpuppt sich als wahres Paradies. Wir ankern neben einer imposanten Felswand vor dem kleinen Strand mit Johns „Wochenendhaus“. Ihm gehört die eine Hälfte der Insel, die andere gehört Juda. Da wir unterwegs auch noch einen grossen Wahoo gefangen haben, beschliessen wir abends gemeinsam zu essen. Gwen bereiten den Fisch zu, wir bringen Wein, Reis und andere Beilagen mit. Auch hier dauert es nicht lange, bis der erste „Händler“ auftaucht, Frank ein Freund des Hauses. Er bringt zwei Papayas aus Johns Garten Im Austausch für Streichhölzer. Ausserdem verspricht er am Samstag Lobster für uns zu fangen. Dafür bekommt er dann den Rest unserer Angelleine und einen Haken. Die Lobster, die er dann in der Tat vorbeibringt, sind riesig und weil John gerade mit Thomas sein arg in Mitleidenschaft geratenes Stand-Up Paddelbord repariert, beschliessen wir auch den Lobster gemeinsam zu essen. Diese Krustentiere müssen hier nicht aus dem tiefen Wasser gefischt werden, sie sitzen auf den Riffen unter den Steinen und können bei Ebbe einfach eingesammelt, wenn man die entsprechenden Handschuhe hat, oder gespeert werden. Frank hat natürlich keine Handschuhe. Er hat sie aufgespiesst und sie kommen daher bei uns gleich in den kochenden Wassertopf. Für den Kühlschrank sind sie zu gross. Aber selbst unser grösster Topf reicht für die riesigen Tiere nicht aus. Die Zangen wollen partout nicht reinpassen. Dazu gibt es ein leichtes Knoblauch-Joghurt-Mayonaise Dressing und lokales Gemüse. Sehr lecker. Weil es so schön ist, essen wir dann auch am Sonntag gemeinsam. Diesmal bereite ich den noch verbleibenden Wahoo zu einem leckeren Fischcurry mit Süsskartoffeln zu.
Die Männer arbeiteten die letzten Tage hart, der Kasten des Autopiloten wurde von Thomas repariert sowie diverse grosse und kleine Jobs für John erledigt. Am Sonntag wird aber nicht gearbeitet, sagt John, und Zoe möchte schliesslich noch die Höhle sehen, von der John erzählt hat. Der normale Yachtie nimmt hierfür sein Dinghy, unseres ist jedoch viel zu klein um fünf Menschen auf die andere Seite der Insel zu bringen. John sagt, man kann auch über den Berg klettern. Gesagt getan, wir starten früh, damit es nicht zu heiss wird. Die Jungs und John klettern und laufen vorweg, wir kämpfen gegen beissende rote Ameisen und sind bemüht hinterher zu kommen. Dabei haben wir die halbwegs bequemen Schuhe während John und die Jungs barfuss über das sehr spitze Vulkangestein laufen. Jeder Schuhverkäufer der einschlägigen Outdoorläden würde bei diesem Anblick in Tränen ausbrechen. Die Tropfsteinhöhle, die wir nach einer guten Stunde erreichen, ist riesig und ein Bad im kühlen Nass tut nach der Kletterpartie gut. Leider sind wir etwas zu früh, die Sonne steht noch nicht hoch genug, um die Höhle zu beleuchten und das Wasser blau zu färben. Trotzdem ein beeindruckender Ort. Am Montag verabschieden wir uns schweren Herzens und alle stehen am Strand und winken.

Kalibu wird leichter

Gestern mittag gegen eins sind wir in Papua-Neuguinea angekommen. Der Anker fiel vor einem wunderschönen Dorf. Prompt kam der Dorfchef, um Hallo zu sagen, und er bleibt nicht der Einzige. Im Gegensatz zu Vanuatu lieben die Menschen hier es anscheinend zu tauschen. Eine Frau brachte uns Eier, Tomaten und eine große Muschel. Die Tomaten und Eier waren von ihrer Mutter, ‚she wants cloth’, also Kleider. Die Riesenmuschel von ihrem Bruder, ‚he wants diving glasses’. Kleider kein Problem, Mama sammelt schon seit Neuseeland und nervt mich regelmäßig damit, doch nochmal in meinen Kleiderschrank zu sehen. Aber eine Taucherbrille haben wir leider nicht mehr; die nicht passenden wurden zusammen mit Marichen, unser aufblasbares Kanu, bereits auf Espírito Santo, Vanuatu verschenkt. Sie bleibt allerdings nicht die Einzige, die nach einer Taucherbrille fragt. Und auch nicht die Einzige, die tauschen will. Papa hat schon fast alle seine ‚fishing hooks’ vertauscht und Mamas Kleidertüte hat auch merklich an Gewicht verloren. Vor allem heute morgen war Kalibu ein richtiger Handelsvorposten. Genau zur richtigen Zeit, da wir uns eigentlich gerade fertig machten, um die Schule zu besuchen.

Gegen halb elf saßen dann alle fertig im Dingi und ab ging es an Land. MaPa und ich waren gestern schon mal da gewesen, deswegen überraschten uns die Massen an Kindern nicht, die zu unserer Begrüßung zusammen kamen. Auch ein paar Schüler waren da. Die Lehrerin erzählte uns, es wäre große Pause, doch da sowieso schon alle da waren, versammelten wir uns unter einem großen Baum, holten den mitgebrachten Atlas heraus und berichteten von unserer Reise. Die kleinen Kinder – es ist eine elementary school, also erste bis dritte Klasse – waren ganz still. Sie werden seit 2013 komplett in Englisch unterrichtet, wie uns die Lehrerin erzählte.

Danach sind wir ans andere Ende des Dorfes gegangen, zu Joseph, der Papa wegen seines Segels um Hilfe gebeten hatte. Das ist nämlich auch Klasse, die haben hier ‚sailing canoes’, genauer out rigger mit Mast und Segel. Die sind ziemlich schnell und es ist einfach nur wunderschön, wenn sie durch die Bucht segeln. Sogar kleine für Kinder sahen wir schon. So wie die Optimisten zuhause auf dem Wansee. Jedenfalls bestand Josephs Segel aus vielen verschiedenen Flicken, die auch schon ein wenig verschlissen aussahen. Ob wir nicht ein Ersatzsegel hätten? Ja haben wir, aber das Kuttersegel ist relativ schwer. Alternativ hätten wir auch noch ein kleines Stückchen Plane. Ja, wir werden es uns mal ansehen. Dann führt er uns zu seinem sailing canoe und zeigt uns die Ritzen, die mit Stoff abgedichtet waren. Anscheinend ist es undicht und er braucht Farbe oder auch Sikaflex zum abdichten. Ja Papa hat Sikaflex, er wird mal nachschauen. Joseph bietet an, ein Schwein zu töten, als Gegenleistung. Aber Mama ist nicht soo begeistert. Was sollen wir denn mit einem ganzen Schwein? Zum Glück hat Papa eine andere Idee: Er möchte ein Modell eines sailing canoe haben, für seine Sammlung. Kein Problem, Joseph kann eins schnitzen, er braucht bloß Werkzeug von uns. Papa wird ihm alles leihen. Sobald das geklärt war, liefen wir zurück, wieder quer durchs Dorf, um die Kirche zu besichtigen.

Auf dem Weg treffen wir Juda, den Dorfchef und John, eben diesen John, den schon die Galatee letztes Jahr hier getroffen hatte. Zusammen mit einigen anderen, im Besonderen zwei Malaien, bereiteten sie das Meeting heute Abend vor. Da wollen sie über Seegurken und Haifischflossen verhandeln, die die Malaien kaufen möchten. Von dort ging es weiter zur Kirche. Diese ist sehr hell und luftig, denn die steinernen Außenwände haben große Öffnungen als Fenster. John wohnt direkt neben der Kirche. Zu ihm gingen wir als nächstes, um ihm sein Gästebuch zurück zu geben. Er schenkte uns vier wunderschöne Muschelketten, die mich ein wenig an die Ketten erinnerten, die uns die Frau des Dorfchefs auf Mopelia schenkte. Von dort ging es dann wieder durchs halbe Dorf, zu Juda, der uns gestern zum Essen eingeladen hatte. Es gab Yam und Huhn. Das komische? Wir aßen alleine, die anderen warteten draußen. Nach dem Essen gesellten wir uns zu ihnen, und Papa fragte sie über die Betelnüsse aus. Sie verglichen es mit Kaugummi, Papa mit den Coca Blättern aus Peru. Sie essen die Betelnüsse mit Kalk, und deswegen haben sie auch so rote Münder und vor allem rote Zähne, falls noch vorhanden. Mit 50 oder so fallen die dann auch aus. Eine Stunden später ist Kalibu wieder zum Handelsvorposten geworden und drei Stunden später sitzen Juda und Anhang bei uns im Cookpit, trinken Tee und diskutieren über Gott und die Welt, also Segurken-verkauf, sailing canoes, die Regierung, das Dorfleben…

Zoë 6.6.2018

Ready, steady, go:

Nicht ganz. Ein Rennen soll es nicht werden, aber alles ist unter Dach und Fach. Wir sind bereit für den Trip in wärmere Gefielde, hier bedeutet das nach Norden zu segeln. Leonard wurde sein Gips entfernt. Etwas martialisch, ohne Betäubung wurden die Drähte aus dem Knochen gezogen. Der Arm ist jetzt etwas dünner und auch noch nicht so richtig einsatzfähig. Mindestens zwei weitere Monate Schonzeit hat der Arzt verordnet. Die Einkäufe sind weitestgehend erledigt. Alle Malariamedikamente, -tests und Moskitonetze beschafft und geprüft und es tut sich sogar ein perfektes Wetterfenster auf. Erst etwas Süd und dann fast eine Woche Ostwind in der Westwindzone, das muss man doch ausnutzen, auch wenn es sehr früh in der Saison und die Zyklonsaison offiziell noch nicht beendet ist. Wäre da nicht die Bürokratie. Bei der telefonischen Nachfrage, ob man auch in Whangarei ausklarieren kann, wurde uns mitgeteilt, dass wir doch bitte spätestens zwei Tage vorher die nötigen Formulare online einreichen sollen. Um dann einen Tag vorher telefonisch einen Termin mit den Zollbehörden zu vereinbaren. Nun ja, Neuseeland ist für seine Bürokratie verrufen und so werden wir wohl auf das nächste Wetterfenster warten müssen, weil wir in fünf Tagen nicht in Neu Kaledonien sind.

Noch sind wir flexibel. Wir sagen den Termin beim Zoll in Marsden Point wieder ab, um die süd-westlichen Winde trotzdem zu nutzen und die schöne Küste zwischen Whangarei und der Bay of Islands hoch zu segeln. Rückblickend stellen wir für uns fest, zusammen mit dem Nordland ist das der schönste Teil Neuseelands. Jetzt wo der Herbst eingekehrt, die Tage kürzer und kälter geworden sind, drängen sich die Boote auch nicht mehr in den Ankerbuchten. Und wir angeln dieses Mal sogar zwei Thunfische, den ersten ausgerechnet am Cape Brett, da wo es zwischen dem Kap und einem monströsen vorgelagerten Felsen durchgeht und die Winde unberechenbar aus allen Richtungen kommen. Aber das bislang eher entspannte Sonntagnachmittagsegeln verwandelt sich hinter dem prominenten Kap dann eh in ein hartes am Wind vorkämpfen gegen wechselhafte böige Winde in die Bay of Islands hinein. Die lokalen Segler kennen ihr Revier offensichtlich besser und bewegen sich daher motorsegelnd ganz dicht im Windschatten der Küste voran. Überhaupt sind die Neuseeländer diesbezüglich ziemlich pragmatisch. Oft haben wir uns gewundert, warum die Kiwis bei leichten Winden so schnell aufholten, bis sie dann näher kamen und wir deutlich die Motorgeräusche wahrnehmen konnten.

Jedenfalls werden wir die vielen kleinen satt grünen Inselchen mit wunderbar geschützt liegenden Buchten und gutem Ankergrund vermissen. Manchmal sind die ein bisschen matschig, aber das eine kommt ja oft zusammen mit dem anderen (guter Ankergrund mit matschigem Boden meine ich) und wenn dann noch eine Tide von mehr als einem Meter hinzu kommt, versinkt man mitunter ganz schön tief, wenn man an Land watet. Der Gesang der neuseeländischen Vögel ist hier einzigartig, sofern die Insel „pestfrei“ ist. Pestfrei bedeutet, auf der Insel wurden Ratten, Hunde, Katzen, Mäuse, Opossums und ähnliche Nesträuber mittels Giftködern getötet, die aus Hubschraubern abgeworfen werden.
Dem Regen werden wir keine Träne nachweinen. Michael von der SY Henrietta sagte dazu, not more pussy cat-and-dogs rain, it’s more jungle-cat-and-elephants-rain 😉 . Ebenso nicht die mitunter stürmischen Winden. Ich erinnere an die 115 Knoten in Böen über Auckland, die Teile der Stadt vier Tage ohne Strom zurück liessen.
Auch werden wir die, mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, hervorragend sortierten Supermärkte vermissen. Nur das Angebot an Lammfleisch hat mich schwer enttäuscht. Häufig wurde es gar nicht erst angeboten oder es war deutlich teurer als Rindfleisch. Angeblich wird das meiste Fleisch an China verkauft, genauso wie der Wald, der an manchen Orten in grossem Stil abgeholzt wird. Anstelle grosser Schafherden sieht man heute vorwiegend Rinder und Rotwild auf den saftig gründen Weiden grasen. Ist wohl ökonomisch lukrativer.
Der Abschied fällt uns, im Vergleich zu Südamerika oder Polynesien, nicht schwer. Die ausufernde Bürokratie trägt ihren Teil dazu bei. Vorschriften und Prozedere bei Immigration und Biosecurity  suchen selbst in Deutschland ihresgleichen. Und weil es so schön war, wurden die Biosecurity Vorschriften in 2018 gleich noch mal verschärft. Zukünftig werden, so ist zu befürchten, wohl alle Boote, die aus den Tropen kommen, gleich aus dem Wasser genommen, um auf Kosten des Eigners das Unterwasserschiff zu erneuern. Das passt zu unserem unterschwelligen Gefühl, von geschäftstüchtigen Kiwis ausgenommen zu werden. Beispielsweise wurde uns mit viel Trara ein Spezialkleber für den doppelten Preis verkauft, dessen Verfallsdatum bereits abgelaufen und der damit quasi wertlos war. Oder, um einen Blick auf eine Pinguinkolonie zu werfen, wird pro Kopf 40 $ verlangt. Nicht zu vergessen, die meisten Hotels, die wir besuchten, egal in welcher Preisklasse, werden lieblos von profitorientiertem Personal gemanagt.
Alteingesessene Neuseeländer sind entspannte Zeitgenossen, die mit wenigen Ausnahmen erst einmal recht „zugeknöpft“ daherkommen. So zeigten die Segler, die mit uns in den Buchten lagen, wenig Interesse daran, Kontakt aufzunehmen. Ausnahmen wie Craig und Mary oder die beiden netten Segler, die uns auf Waiheke und GBI einen Teil vom frisch gefangenen Fisch abgaben, bestätigen die Regel. Aber es gibt hier die leckerste Lakritze seit wir die Ostsee verlassen haben, sagt Thomas.

Warum ist Neuseeland attraktiv für Segler?

Erst einmal ist da die Versicherung, die das Schiff in den Tropen während der Zyklon-Saison nicht gegen Schäden, die durch eben diese verursacht werden, versichert. Dann natürlich die vergleichsweise hervorragenden Möglichkeiten sein Schiff in Stand zu setzen, was bei den meisten Schiffen nach den vielen tausend Meilen durch Atlantik und Pazifik dringend nötig ist. Und natürlich nicht zu vergessen, Aukland gehört zu den Top Ten der lebenswerten Städte weltweit, nicht zuletzt begründet durch die wunderschöne Lage am Wasser und die Nähe zu traumhaft schönen Inseln, wie z.B. die Inselgruppe um Great Barrier Island, wo wir dieses Jahr Ostern verbrachten.

Zu Eins: auch unsere Versicherung hat den Ausschluss Tropen zur Hurrikan-Saison im Kleingedruckten und hat uns prompt den Beitrag deutlich reduziert, nachdem wir bekannt gaben, dass wir Neuseeland erreicht hatten. Das ist durchaus bemerkenswert, da wir doch seit wir hier sind drei Ex-Zyklone erlebten, die mit immer noch kräftiger Sturmstärke über Neuseeland fegten. Damit nicht genug. Kaum waren die durch, bildete sich ein tiefes Tief in der Tasmansee das mit ausgeprägter Orkanstärke über Aukland zog. Nur wenige Meilen entfernt hielten wir uns zu der Zeit auf Great Barrier Island im Port Fitzroy auf und verkrochen uns rechtzeitig in einem langen Creek mit gutem Ankergrund, umgeben von 200 Meter hohen Bergen. Patagonien Revival bei 12 Grad und viel Regen. Trotzdem hatte ich zwei mehr oder weniger schlaflose Nächte.  Der neue Anker hält super, aber die Entlastung der Ankerkette knirscht bei so viel Wind bedenklich über die Rolle. Im Kopf laufen alle Horrorgeschichten der letzten drei Jahre ab, die von gebrochenen Ankerketten handeln. Da ist es schwer an Schlaf zu denken. Unser „lahmer“ Windmesser zeigt aber nur Böen von bis zu 35 Knoten. Kann also nicht so schlimm gewesen sein, denken wir, bis uns die ersten Nachrichten aus Aukland erreichen. Orkan in Böen bis 115 Knoten (nicht Kilometer, nein Knoten), 40 % der Stadt ohne Strom. Zum Glück waren wir nicht dort, sondern in unserem kleinen Creek vor Anker. Denn selbst die vermeintlich geschützt liegende Marina wurde mit 80 Knoten arg gebeutelt. Fenster wurden eingedrückt. Schiffe, die an Monorings lagen, strandeten auf Felsen. Nicht schön.
Zu Zwei: auch wir verbringen die meiste Zeit mit „Basteln“ am Schiff. Neben vielen anderen Reparaturen konnten wir uns dazu durchringen die Fenster, die von der intensiven Sonne der Tropen sehr spröde geworden sind und kaum noch Durchsicht gewährten, auszuwechseln. Eine grössere Baustelle, der sich alle unterordnen müssen! Aber was für ein Unterschied. Die Bilder zeigen es sicherlich deutlich.
Dann die Drei: eins muss man den Neuseeländern lassen, sie wissen wie sie ihr Land und ihre Produkte verkaufen können. Was hier in den Reiseführern als Attraktion, egal ob landschaftlich, geschichtlich, kulturell oder was auch immer … angepriesen wird, ist bestenfalls interessant, für uns aber meist nur prätentiös. Ärmliche Goldgräberhütten und utilitäre Bahngebäude werden als bedeutende Zeugnisse der neuseeländischen Geschichte vermarktet; von tausenden von Sandfliegen heimgesuchte, regenreiche Fjorde als weltweit einzigartige Naturdenkmäler gepriesen, die Liste ist lang. Unser Fazit, das Land bietet vor allem uralte Bäume (5.000 Jahre!!) und viele schöne Landschaften, die erstaunlich einfach zugänglich sind. Die einfach Zugänglichkeit ist dabei das Erfolgsrezept für den neuseeländischen Tourismus. Wer schafft es schon die chilenischen Kanäle für sich zu entdecken und im gleichen Urlaub noch die Vulkane zu besteigen und die Pampa zu durchwandern. Da muss man schon auf der Suche nach Kapitän Grant sein (Jules Verne) oder mit dem Segelboot die Südspitze von Amerika umrunden.

 

Impressionen vom Hauraki Gulf

Ostern in Neuseeland! Das ist die beste Gelgenheit mit dem Boot aus der Stadt raus zu fahren, vor allem wenn so schönes Spätsommerwetter lockt. Wen wunderts, die Buchten sind abends entsprechend voll. Wir sind trotzdem jedes Mal erneut erstaunt über die Menge von Booten, die uns vermeintlich folgen 😉 Jedenfalls würde sich der gute Fitzroy, Kapitän der Beagle, schon wundern, wenn er in die heutige Zeit versetzt würde und den nach ihm benannten natürlichen Hafen auf Great Barrier Island erneut erleben könnte.

Wir geniessen die Sonne und freuen uns über unser neues Vorsegel, das die Performance von Kalibu deutlich steigert. Auch bei schwachem Wind erreichen wir jetzt unsere Rumpfgeschwindigkeit von rund 8 Knoten spielend :-))

Unsere Reise zur Südinsel – Ein Abenteuer, wenig Internet und ein Knochenbruch

Schon am Flughafen in Christchurch fühlte Mama sich krank. Deswegen ging es direkt, nachdem wir ein Mietauto hatten, zu einem Arzt. Doch das mit dem Mietauto gestaltete sich komplizierter als gedacht. In der Autovermietung – zur der wir in einem überfüllten Kleinbus gelangten – stellte sich heraus, dass sie Papas europäischen Führerschein nicht akzeptierten. Also mussten wir über eine Stunde warten, bis der Führerschein übersetzt worden war. Mama hatte Schmerzen, Leo und ich Langeweile, die sich in der 24-hour surgery fortsetzte, wo wir natürlich wieder warten mussten. Als Mama ihre Medizin hatte und klar gestellt war, dass sie eine Blasenentzündung hatte, ging es ins Motel. Wo dann direkt mein persönliches Drama andockte. Das Internet. Auf Nachfrage bekamen wir ein paar Zettel, mit denen wir uns einloggen konnten. Kein Problem, oder? Doch. Ich schaffte es, zwei 3-5 min Christchurch Erdbeben YouTube Videos zu schauen, dann wurde ich herausgeschmissen. Die Zettel hatten begrenztes Datenvolumen. War dieses Datenvolumen alle, musste man sich neues kaufen. Da war ja sogar noch Französisch Polynesien besser: 100 € für 100 Stunden Internet. Am nächsten Tag ging es auf meinen Wunsch hin nach Quake City, das Erdbeben Museum von Christchurch. Aber davor besichtigten wir noch die alte Kathedrale, sowie die neue ‚Cardboard Cathedral.‘ Diese besteht aus Pappe, Holz und Stahl. Ich muss zugeben, dass wir Kinder etwas enttäuscht waren, erwarteten wir doch eine Kathedrale aus Pappe. Entworfen wurde sie von einem japanischen Architekten, Shigeru Ban. Die alte wurde bei dem Erdbeben am 22 Februar 2011 ramponiert. Klarer: verlor ihren kompletten Turm, und in einem Nachbeben auch ihre Bunt-Glas-Fenster. Nach dem Erdbeben gab es erst mal fast nichts mehr für die Menschen, kein Wasser, kein Strom, keine Toiletten. Die Leute wurden kreativ und bastelten sich im Garten eigene Plumpsklos und zum Duschen fuhren sie in Stadtteile, die noch Wasser hatten.

Nachdem wir durch Quake City durch waren, ging es direkt weiter, zu einem kleinen Haus in Fairlie. Auch hier hatten wir mit dem Internet so unsere Probleme. Mal ging es, mal war es gar nicht vorhanden. Dafür hatte der Kühlschrank eine Eismaschine, die von Leo eifrig genutzt wurde, der jedem eisgekühlte Getränke anbot. Auch hier blieben wir nur eine Nacht. Die nächste verbrachten wir Cardrona, im Cardrona Hotel, wo sogar schon Prince Harry zu Gast gewesen sein soll. Bevor wir dort allerdings ankamen, wurde eine Wanderung zu einem Gletschersee unternommen. Einziger Haken, es gab keine Gletscher! Weit und breit konnte ich keinen entdecken. Das Wasser war aber eindeutig milchiges Gletscherwasser. Sooft ich auch nachfragte, irgendwie verstand ich nicht wie das Wasser in den See gelangte. Alle erzählten irgendwas von Eiszeit und Steinzeit und Neuzeit. Schlau wurde ich da, wie gesagt, nicht draus. Interessanter war da schon die Sternwarte, die sich ebenfalls auf dem Hügel befand. In der Gegend soll es nämlich den schönsten Sternenhimmel ganz Neuseelands geben. MaPa, die ihn sich letzte Nacht angesehen hatten, meinten, dass der Himmel nichts besonderes wäre im Vergleich zu dem, den wir auf See in einer sternklaren Nacht erblickten. Dann kommt natürlich die Frage, warum man Sternwarten eigentlich nicht auf ein Schiff verlegen kann? Ich meine, es gibt ja auch riesige Kreuzfahrtschiffe, oder? Also ich finde, da könnte man ruhig mal der Wissenschaft zur Seite stehen. Am nächsten Morgen wurde ich auf unhöflichste Art früh geweckt. Ein gewisser Leo telefonierte direkt neben meinem Bett mit seinem besten Freund. Als ich ihn beim Frühstück zur Rede stellte, warum er Bitteschön morgens von Jan angerufen wurde, leugnete er alles und tat so, als hätte ich es mir im Halbschlaf eingebildet. Also wirklich! Erst von Mama erfuhr ich, dass dieses Telefonat nicht meiner frühmorgendlichen Fantasie entsprungen war und auch Leo gab zu, mit Jan telefoniert zu haben. Bloß habe er ihn angerufen und nicht umgekehrt, wie ich vermutet hatte. So eine Haarspalterei. Der Gerechtigkeit wegen muss hinzu gefügt werden, dass mein Bruder nicht der einzige war, der morgens früh telefonieren musste. Bei uns in Berlin hatte es irgendeinen Vorfall mit der Heizung und dem heißen Wasser gegeben und Papa musste das regeln. Dementsprechend müde war ich dann auch, als wir das erste Mal einen Blick auf Queenstown warfen. Allerdings wurde ich schnell wieder wach, als wir Central Otago erreichten, was ich sofort als Location in der Hobbit wieder erkannte. Doch trotz allen Versuchen mich an der Herr der Ringe zu erinnern, gelang es mir nicht, diese Ebene mit den Filmen in Verbindung zu bringen.

Die Nacht verbrachten wir in einem Bed and Breakfast, was von mir glatt fünf Sterne erhält, obwohl wir uns ein Bad mit einem fremden Pärchen teilen mussten. Der Grund? Leo und ich hatten unser eigenes Zimmer – keine störenden Telefonate in aller Frühe! – und das Internet funktionierte hervorragend ohne dass man extra hätte dafür bezahlen müssen. Ich erinnerte mich mit Sehnsucht an dieses Haus, da wir die nächsten zwei Nächte in einem Backpaker Hostel verbrachten, wo wir alle zu viert in einem kleinen Raum schliefen und das Internet mehr als launisch war. Wobei ich zugeben muss, dass die Lage und die Herberge als ganzes betrachtet wirklich schön waren. Und die Wanderung am nächsten Tag auch. An Fluss und See entlang. Ja, wirklich schön. Erholung von der Herberge gab es dann in einem Motel am See, wo Leo und ich zwar kein eigenes Zimmer, aber einen abgetrennten Bereich zur Verfügung hatten. Und das Internet funktionierte auch wieder. Zumindest einigermaßen. Doch die Liebe und die Atmosphäre, die die Herberge auch ohne Internet ansprechend gemacht hatten, fehlten. An dem Tag besuchten wir außerdem noch den berühmt berüchtigten Milford Sound. Obwohl es in einer Tour regnete, war der Weg dorthin beeindruckend. Sehr grün und überall gab es Wasserfälle. Auch erwähnenswert ist der one way Tunnel, der aus nicht behauenem Felsstein bestand. Wirklich eindrucksvoll. Der Milford Sound war dann aber eher unspektakulär. Ob das nun daran lag, dass alles in Nebel und Wolken lag und wir nass wurden oder daran, dass wir eine solche Landschaft schon aus den chilenischen Kanälen kannten, vermag ich nicht zu sagen.

Vielleicht lag es auch an den vielen Touristen. Apropos, wusstet ihr, dass es in Neuseeland übermäßig viele deutsche Touris gibt? An jeder Ecke hört man Deutsch. Das Railway Hotel, wo wir die nächste Nacht verbrachten, war dann auch super. MaPa hatten ein Bad, Leo und ich mussten das Bad auf dem Flur nutzen, wenn wir sie nicht stören wollten. Von Frühstück war nicht die Rede, wir aßen unseren eigenen Kram. Zu der Zeit wünschte ich mir sehr stark ein ganz normales, leckeres Frühstücksbuffet zu haben. Aber in diesem ‚Hotel‘ Fehlanzeige. Dafür gab es Internet. Ist alles eine Sache der Einstellung. Erwartet man viel, wird man enttäuscht. Erwartet man nichts, freut man sich über alles was man bekommt. Was sich auch in der nächsten Herberge wieder zeigte. Wieder schliefen wir zu viert in einem Raum, wobei diesmal Leo und ich jeweils ein eigenes Stockbett hatten. Die Gemeinschaftsküche war, Papas Meinung, relativ lieblos, die Toiletten und Duschen befanden sich auf dem Flur. Auch hier verbrachten wir zwei Nächte. Papa, und mit ihm auch Mama und Leo, hatten sich in den Kopf gesetzt eine Wanderung mit Übernachtung zu machen und während Mama und ich den ersten Tag recht faul verbrachten – sie lag im Bett und ruhte sich aus, ihre Blasenentzündung hatte sich wieder gemeldet und ich duschte – versuchten die Jungs Decken für die Wanderung zu besorgen, da es sowas in den Hütten wohl nicht gibt. Es war aber auch der perfekte Tag für eine Ruhepause, denn es regnete schon wieder. Was sich als ziemlich unpraktisch herausstellte… Es fing damit an, dass der Track wegen zu viel Wasser gesperrt war. Aber nein, aufgeben kommt nicht in Frage! Und außerdem sollte er um 11 an diesem Tag wieder geöffnet werden. Also warteten wir und ließen uns von den Sandfliegen zerstechen. Echt jetzt, die sind fast noch schlimmer als Mücken! Endlich kommt der Ranger und öffnet den Track. Mit dem Tipp, die Schuhe für die erste Flussüberquerung auszuziehen. Gesagt, getan. Der Weg ist an manchen Stellen schmal und manchmal steht er total unter Wasser. Alles in allem, Abenteuer! Allerdings ist es auch glitschig. Kein Wunder also, wenn Leo, der überschwängliche Wanderer, ausrutscht. Ich lief vor ihm und bekam daher hautnah mit, wie er auf einem Baumstamm ausglitt, einen Purzelbaum in der Luft machte, auf dem Arm landete und anfing zu schreien. Auf der Stelle war ich da und auch Papa half ihm auf. Leo schrie. Er wusste sofort, dass er sich den Arm gebrochen hatte, obwohl er unter Schock stand und weiß war wie das Bettlacken im vorletzten Hotel. Wir drehten also um und liefen zurück, ich stützte Leo, der gleich zwei Schokoriegel und Schmerztabletten bekommen hatte. Es kam mir ewig vor, bis wir endlich wieder in Fox Glacier waren, wo unsere Herberge und die nächste Krankenstation war. Dort mussten wir erst mal warten. Die Krankenschwester tauschte Mamas Schal, der als Schlinge hergehalten hatte, gegen eine professionelle Schlinge aus, empfahl uns gefrorene Erbsen zur Kühlung zu besorgen und schickte uns ins einzige Krankenhaus an der Westküste. In Greymouth. Dort ging es also als nächstes hin. Wir waren ruhiger und Leo hatte keine Schmerzen mehr, weil er noch mal stärkere Schmerztabletten bekommen hatte. Die ersten von vielen, die noch kommen würden. In Greymouth mussten wir wieder warten. Ganze vier Stunden. Irgendwann sind Papa und ich zu dem Backpacker gefahren, wo wir die Nacht verbringen würden, um einzuchecken. Als wir zurück kamen, war Leo’s Arm eingegipst und wir wurden weiter nach Christchurch geschickt, denn er musste operiert werden. MaPa entschieden, erst morgen früh nach Christchurch zu fahren, was dafür sorgte, dass wir am nächsten Tag um vier Uhr morgens aufstehen, frühstücken und losfahren mussten. Kein Wunder also, dass ich den ganzen Tag total in den Seilen hing. Im Krankenhaus in Christchurch haben wir wieder gewartet bevor Leo operiert wurde. Er bekam eine Vollnarkose und als er endlich wieder erwacht war, wir also zu ihm durften, lag er in einem dieser Krankenhausbetten, die man hoch und runter fahren kann und sah so aus, als wäre er am liebsten sofort wieder eingeschlafen. Er wurde in ein Einzelzimmer gebracht und – Tatsache – war schon auf dem Weg dorthin wieder eingeschlafen. Ich blieb den Nachmittag über da, während Mama ihm des Nachts Gesellschaft leistete. Papa und ich indessen schliefen in einem Appartementhaus. Leo und ich hatten dort ein eigenes Zimmer, auch wenn ich es die erste Nacht für mich hatte, da er ja im Krankenhaus übernachtete. Es war ganz dunkel und ich wurde nicht müde, mich darüber zu wundern, warum der Architekt nicht einfach noch ein Fenster dazu entworfen hatte. Am nächsten Tag beschloss Papa, dass Leo jetzt lang genug im Bett gelegen habe und da auch nur noch ein paar Papiere fehlten, wurde entschieden, dass wir später noch einmal wiederkommen und diese holen könnten. Während Mama im Appartement blieb, besuchte Papa mit uns das Kunstmuseum und wir gingen Eis essen. Nachher holten wir noch die Papiere und schon waren wir frei. Von mir wurde Leo von da an nur noch Dornröschen genannt, weil er so viel schlief.

Der Rückflug gestaltete sich als ziemlich einfach. Vor allem für Leo, der nichts tragen musste. Nachdem die Stewardess geprüft hatte, dass Leos Gips nur halb war, also nur die äußere Hälfte seines Armes bedeckte, durften wir als erstes ins Flugzeug. Dort bekam Leo noch zwei extra Kissen, um seinen Arm hochzulegen. Es war ein angenehmer Flug.

Geschrieben von Zoë 26 – 28 März 2018

65 Millionen EUR pro Team

65 Millionen EUR, das war der Dongfeng Team Medien Wert in 2014-15 mit 7.663 Stunden weltweiten TV Berichterstattungen und 49.9 Million Video Views auf Youtube … Logisch, es geht um Geld und Image. Trotz alledem ist es schwer sich der Spannung zu entziehen und so haben auch wir den Zieleinlauf des Volvo Ocean Race nach Auckland beobachtet. Leider hat Birgit nur die Toplichter gesehen, die führenden Boote passierten unseren Ankerplatz um 01:00 Nachts. Im Viadukt Harbour befindet sich das Volvo Ocean Race Village, das wir am Tag darauf besuchten. Es war nicht so voll, wie wir es erwartet hätten. Die meisten Besucher ziehen nur am Rand vorbei, bleiben bei den Videoinstallationen und den Autos hängen. Dabei kann man ganz dicht heran an das Geschehen.

Wie zu erwarten werden die Boote generalüberholt. Unglaublich die Logistik. Eine Halle mit mobilen Stores und Werkstätten in Containern, gefüllt mit allem was das Seglerherz sich nach einer langen Ozeanpassage so wünscht. Die Boote werden mit Ultraschall untersucht, neu laminiert, lackiert, poliert, alle Winschen gewartet, die Segel überholt, etc., etc. Am 9. März müssen sie wieder im Wasser sein, das nächste Rennen steht vor der Tür.

Noch mehr Zahlen. Die Boote sind identisch, haben 66 Fuss (72 incl. bowsprit) und wiegen 12,5 Tonnen. Zum Vergleich Kalibu wiegt 10 Tonnen und die Länge über alles beträgt 45 Fuss. Die Downwind Segelfläche der Ocean Boote entspricht zwei Fussballfeldern. Die Ostküste von Neuseeland sind sie mit 20 bis 24 Knoten runter gerast. Die Segler dürfen 12 kg Gepäck an Bord bringen. Gekocht wird auf zwei Campingkochern. Geschlafen auf 5 Betten, die sich die rund 10 Crewmitglieder teilen. Sie kamen in der Nacht und wir konnten nur die wackelnden Toplichter vorbeiziehen sehen. Und wer denkt, dies ist eine europäische Veranstaltung, wegen des vermeintlich schwedischen Sponsors, ist auf dem falschen Dampfer. Volvo gehört zu grossen Teilen der chinesischen Holding Geely. Deshalb der irrwitzige Umweg von Melbourne nach Auckland über Hong Kong und sogar ins chinesische Gungzhou. Hierfür ist sicher viel Geld geflossen. Im gleichen Zusammenhang kann man auch den Fokus auf „Plastik in unseren Ozeanen“ besser einordnen. Natürlich geht es um die Aufwertung des Images von Volvo und den anderen Sponsoren. Hier wird ein gutes Gefühl verkauft. In der Multimedia Präsentation werden zu schlagkräftigen Beats Bilder der Vermüllung der Ozeane mit Plastik mit den Bildern des Rennens verschnitten. Noch etwas holprig und vor allem ohne konkrete Verpflichtungen und Lösungsansätze. Daneben stehen die dicken SUV´s von Volvo, der schnelleste Truck der Welt und die neuesten Baumaschienen, alle mit Mineralöl angetrieben. Wer Volvo kauft, tut etwas gutes für unseren Planeten?

Auf dieser Etappe stiess das Rennboot „Turn the Tide on Plastic“ auf eine treibende herrenlose Yacht, die eine Gefahr für die Seefahrt darstellt und auch voll mit Plastik und Diesel Tanks, Motoröl etc. ist. Einen kurzen Moment überlegte die Crew die Yacht in den nächsten Hafen zu schleppen, aber nach Rücksprache mit der Rennleitung wurde entschieden das Rennen einfach fortzusetzen.

Ein Sonntag am Wannsee auf Neuseeländisch

Waiheke Island liegt nur eine halbe Fährstunde von Aukland entfernt und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die reichen Neuseeländer haben hier ein schönes Wochenendhaus. Weingüter werden zu Höchstpreisen gehandelt. Die Restaurants sind gut und teuer. Man leiht sich keinen einfachen Scooter, sondern das italienische Oldtimermodell der Vespa. Die dazu passende Kleidung kann man in den Boutiquen am Ocean View Dr. kaufen. Das wussten wir bevor wir kamen. Wir waren trotz alledem überrascht wie voll die Ankerbucht dann am Wochenende tatsächlich wurde.

Als wir am Donnerstag am Abend ankamen, lagen in der Oneroa Bay rund 10 Yachten. Wir hatten schon Sorgen zu nah an unseren Nachbarn zu ankern und liessen nur 20 Meter Kette raus. Am Samstagabend hatte sich die Zahl der Yachten verzehnfacht! Wannseebedingungen 🙂
Und wir waren sicher die einzigen, die den Samstag arbeitend verbrachten. Thomas mal wieder in Backskiste. Die Kabel für die Aussenlautsprecher hatten einen Wackelkontakt. Ausserdem haben wir im Rahmen des Projekts „ eine leichtere Kalibu“ bei Trade Me, der neuseeländischen Version von Ebay, unsere Kurzwellenanlage verkauft. Diese musste nun demontiert werden. Birgit verbrachte den Tag in der Ankerkiste. Die Reserveankerkette, die wir in Buenos Aires nicht weggeworfenen hatten, in der Annahme wir würden sie in Patagonien oder in der Südsee brauchen, hat sich in einen grossen Klumpen rostenden Stahls verwandelt. Totes Gewicht. Etwa zehn Meter davon konnte Birgit mit Rostwandler wieder nutzbar machen. Der Rest muss entsorgt werden. Leonard hat uns einen sehr leckeren Beerenstreuselkuchen gebacken. Zoe wusch das viele Salz, das Kalibu sich bei der rapiden Überfahrt eingehandelt hat, von den Fenstern. Ausserdem beschäftigen wir uns schon seit Wochen mit unserem Kühlschrank. Ein nicht endendes Thema, das wohl jeden Fahrtensegler in der ein oder anderen Form bewegt. Der Einbau einer digitalen Temperatursteuerung nach einem Tip von Thomas von der Robusta verbesserte die Situation erstmal, aber der Kompressor ist einfach zu alt und der Kühlschrank ist nur mit 4cm Styropor gedämmt. Die neuseeländischen Fachleute sind jedenfalls der Meinung unser Kühlsystem kommt aus einem anderen Jahrhundert und gehört ins Museum, Greg sprach von „obsolet“…….