Perlenzucht im Gambier-Archipel

Am Montag fuhren wir mit dem Dingi zur Perlenfarm von Erik, die auf der Insel Totegegie liegt, waren aber zu früh dran. Der Weg über das vorgelagerte Riff war recht lang und wäre mit der Kalibu nicht möglich gewesen. Selbst mit unserem Dingi hatten wir es nicht ganz einfach uns durch das Riff zu bewegen. Im Dingi sassen zum Glück nur Papa, Mama und ich, was das manövrieren einfacher machte. Leo konnte nicht mitkommen. Er hatte sich am Tag davor beim Schnorcheln erkältet. Kurz nach uns kamen Hilda und Fritz von dem großen selbstgebauten babyblauen Katamaran Bella Ciao an. Sie kommen aus den Niederlanden, Holland genau genommen, und sprechen gut Deutsch.
Wir mussten nicht lange warten bis Erik, der Besitzer der Perlfarm mit dem wir tags zuvor eine Führung vereinbart hatten, zu uns kam. Eriks Familie wohnt seit zwei Generationen in Französisch Polynesien, kommt aber ursprünglich aus China. Er ist nett, hat drei super süsse kleine Hunde, mit denen ich am Strand spielte und er gibt sein Wissen über Perlen gerne weiter. So erfuhren wir zum Beispiel, dass die Farbe der Perlen davon abhängt, wo genau in der Muschel der Nukleus sitzt. Der Nukleus ist eine kleine Kugel, um die sich das Perlmutt anlagert. Und, dass es nur in den Gambiers so bunte Perlen gibt. Natürlich sind sie nicht knallbunt, sondern eher dezent gefärbt.
Die Führung dauerte gefühlte drei Stunden … zum Abschluss brachte uns Erik noch mit seinem Powerboot ein Stück raus auf die Lagune, damit wir sehen konnten, wo die Perlaustern „leben“ und wie sie gesäubert werden.
Verfasst von Zoe – 16.06.17

Perlenzucht im Gambier-Archipel

Perlen zu züchten klingt erst einmal ganz simpel: Man transplantiert in die Perlauster einen perfekt runden Nukleus, welcher aus einer Mississippi Muschel hergestellt wurde. Die Perlauster ist eine im Meer vorkommende Flügelmuschel-Art. Diese beginnen daraufhin den Fremdkörper in einen Sack einzuschliessen und in vielen mikro-feinen Schichten mit Perlmutt zu ummanteln. Nach etwa drei Jahren ist der Prozess abgeschlossen. Die Perlauster kann wieder geöffnet und eine Perle entnommen werden.
Jedoch wie so häufig liegt die Herausforderung im Detail, genauer genommen in den vielen Details.
Es fängt damit an, dass das Transplantieren eines Fremdkörpers einer kleinen Operation nahe kommt. Nicht allen Austern bekommt dieser Eingriff. Etwa 10-20 von 100 überleben den Schock nicht und weitere 30 stossen den Nukleus im Laufe der folgenden zwei Jahre ab. Wie hoch die Erfolgsaussichten sind, hängt vom Geschick des „Operateurs“, dem Grafter, ab und vielleicht auch etwas von der Methode, die angewendet wird. Wir haben zwei Perlenfarmen besucht. Eine benutzt Antibiotika, die andere taucht die Perlaustern vor der Operation eine Weile in wenige Grad kälteres Wasser, um sie zu betäuben. Perlaustern sind sehr temperaturempfindlich und schon bei Temperaturunterschieden von einem Grad reduzieren sie ihren Stoffwechsel erheblich.
Von den überlebenden Austern, produzieren nicht alle qualitativ hochwertige Perlen. Etwa 20% der geernteten Perlen sind Ausschuss. Es scheint so zu sein, dass manche Perlaustern gute Perlenproduzenten sind, andere sind ungeeignet. Die, die eine gute Ernte einbrachten, werden erneut mit einem Nukleus versehen und können in ihrem Leben insgesamt drei bis vier Perlen produzieren. Die anderen Perlaustern werden aussortiert.
Perlenzüchter sind daher darauf angewiesen permanent neue Perlaustern in die Produktion einzubringen. Hierfür werden lange, an Schwimmbojen hängende Seile, sogenannte „collectors“, im Korallen-Atoll in Bereichen, in denen eine ausreichend starke Tidenströmung für frisches sauberes Wasser sorgt, ausgebracht. An den „rauen“ Seilen sammeln sich dann junge heranwachsende Perlaustern an.
Erfahrene Perlenzüchter suchen die Austern bereits nach ihrer äusseren Erscheinung aus. An der unansehnlichen äusseren Hülle können sie ausmachen, welches Farbspektrum die Austern potentiell herstellen können. Je nachdem wo der Nukleus platziert wird, entstehen dann entweder silberne, hell- bis dunkelgraue, grüne, rötliche, champagnerfarbene oder auch blau-türkisfarbene Perlen. Die Gambiers sind weltweit berühmt für das große Farbenspektrum der hier produzierten Perlen.
Farbe und Glanz ist eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale einer Perle. Die Farbe setzt sich aus der Grundfarbe und einem scheinbar darüber liegenden Schimmer zusammen. Durch die vielen Schichten von Perlmutt, es sind bis zu 1000, die die Auster um den Nukleus angelegt hat, wird das Licht in einer besonderen Art reflektiert und es entsteht der typische Perlglanz, auch Lüster genannt.
Weiterhin entscheidend für die Qualität der Perle sind natürlich Größe und Form. Die Größe der Gambier Perlen variiert zwischen 8 und 16 mm. Und der Preis geht mit zunehmendem Durchmesser exponentiell in die Höhe. Vergegenwärtigt man sich den Herstellungsprozess, macht das Sinn, denn es wird ja immer ein gleich großer Nukleus verwendet, was bedeutet, dass eine große Perle schlicht und ergreifend einen wesentlich dickeren Perlmuttmantel aufweist.
Um möglichst perfekte Perlen herzustellen, müssen die Perlaustern nach der Transplantation gehegt und gepflegt werden. Sie müssen zum Beispiel vor den vielen Fressfeinen geschützt werden, die es im Atoll auf das wohlschmeckende Fleisch abgesehen haben, und sie müssen in regelmässigen Abständen gereinigt werden. Traditionell bringen Apnoe-Taucher die Austern, die mit Kabelbindern an einem Kunststoffrost befestigt sind, alle zwei Monate zur Perlenfarm, wo sie gesäubert werden. Fortschrittliche Züchter lassen die Austern direkt vor Ort auf dem Motorboot reinigen. In beiden Fällen kommt ein simpler Hochdruckreiniger zum Einsatz.
Sicher gibt es noch viele weitere Details, die uns die zwei Besuche in Perlenfarmen nicht vermitteln konnten. Eindrücklich bleibt aber der immense Aufwand, den die Produktion von Salzwasser-Perlen mit sich bringt. In der Bevölkerung des Gambier-Archipels gibt es unterschiedliche Meinungen zur Zukunft der Perlfarmen. Nicht verwunderlich, die „Umweltschützer“ würden gerne die Anzahl der Lizenzen einfrieren. Andere sehen hierzu keine Veranlassung. Ganz im Gegenteil, sie möchten das Geschäft gerne ausweiten. Das wiederum finden wir recht kurzsichtig für Polynesien. Weil selbst für Ausstehende offensichtlich ist, dass der Markt und die Produktion überwiegend von Chinesen kontrolliert wird.

Happy Birthday – Schnorcheln am Aussenriff

Herzlichen Glückwunsch wünschen wir Leonard! Hier sind ein paar Fotos, die er und Zoe beim letzten Schnorcheln am äusseren Riff gemacht haben.

Am 11.6. waren wir am Aussenriff schnorcheln, zusammen mit der Bella Ciao einem holländischen Katamaran. Erst ankerten wir mit unseren Dingis sehr nahe am Riff. Dort sahen wir viele unterschiedliche Fische, unter anderem auch einen riesigen schmutzig braunen, 1 m langen und mindestens 20 cm breiten. Plötzlich tauchten dann aber drei White Point Sharks (Weissspitz-Riffhai) hinter mir auf, die wir wahrscheinlich aufgeschreckt hatten. Einer kam neugierig ganz dicht an mich ran. Sie waren mit Schwanz maximal so lang wie ich. Sobald Mama die Haie gesehen hatte, verschwand sie blitzschnell im Dingi. Ich konnte mit meiner Unterwasserkamera ein paar schöne Fotos von einem Hai machen. Schliesslich sind sie für Menschen in der Regel ungefährlich. Nach einer Weile beschloßen wir dann aber auch zurück zu den Booten zu schwimmen. An manchen Stellen gab es bereits eine Strömung nach draussen, raus aus dem Atoll, gegen die man nur schwer voran kam. Das wurde Thomas und Fritz von der Bella Ciao zu gefährlich. Wir lichteten unseren kleinen Dingi-Anker und machten noch einen Abstecher in das innere der Lagune, um dort noch einmal zu schnorcheln. Dort tauchten weitere Riffhaie auf, nur dieses Mal erschrak ich mich total. Nachmittags gab es dann noch Kaffe und Kuchen auf dem babyblauen holländischen Katameran. Katamarane haben wir noch nicht so viele getroffen, daher liessen wir uns das ganze Schiff von Fritz und Hilda zeigen. Und dann war der Tag auch schon vorbei.

verfasst von Leonard – 14.6.2017

Inselträume

Taravai ist die zweitgrösste Insel der Gambier-Inselgruppe. Wie auf fast allen Inseln des Atolls, befindet sich auch hier eine erstaunlich grosse Steinkirche nebst Pfarrhaus daneben, die noch aus der Zeit der katholischen Missionierung durch einen französischen Orden zu Beginn des 19. Jhd. stammt. Diese Kirche ist gleichzeitig Zeuge der Zeit, in der die Insel noch dicht besiedelt war. Bis zu 2000 Menschen sollen es gewesen sein. Das kann man sich heute zwar kaum noch vorstellen, ist die Insel doch überall dicht bewaldet und nur in der Mini-Ortschaft Agakono findet man noch bewohnte Häuser. Zur Zeit wohnen 6 Menschen mehr oder weniger permanent dort. Wenn man es genau nimmt und das französische Seglerpaar nicht mitzählt, das viele Monate des Jahres in Frankreich verbringt, sind es nur 4 Menschen. Hervé, Valerie, ihr Sohn Ariki und ihr Nachbar, der sich selten blicken lässt.
Die erste Welle der Entvölkerung setzte wohl mit der Missionsarbeit der Franzosen ein. Krankheiten und Zwangsarbeit setzten den Bewohnern böse zu. Kloster und Kirchen mussten schliesslich mühevoll ohne die Hilfe moderner Maschinen errichtet werden. Damit nicht genug, als die Franzosen dann nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Nuklearversuchen in dem nahegelegenen Mururoa Atoll begannen, fiel der radioaktiver Niederschlag auch auf die Gambiers herab. Valerie meint, dass in der Folge viele Menschen es vorzogen in Tahiti ihr Glück zu versuchen.
Dieser leidvollen Geschichte verdanken Hervé und Valerie ihr kleines Paradies, das sie sich auf der Insel geschaffen haben. Hervé kümmert sich um die „öffentlichen Wege“, das ist der mit Rasen bewachsene Weg von der ehemaligen Anlegestelle zur Kirche und dann weiter zu seinem Haus, sowie um seinen schönen Garten, der genügend Früchte und Gemüse für die kleine Familie bereit hält. Manchmal fängt er ein Huhn oder zwei oder auch ein ausgewildertes Schwein. Hühner und Schweine laufen hier frei herum und sind Gemeinschaftseigentum. Oder er taucht nach der einzigen Fischart, die nicht mit Ciguatera befallen ist, eine Art Plattfisch mit ledriger Haut und giftigem Stachel. Schwein, Huhn und Fisch, hat er auch für uns schon gefangen. Die Hühner wurden an Pfingsten gefangen und direkt in einer gemeinsamen Aktion, Hervé hat sie gefangen und geköpft, ich habe sie mit Valerie gerupft, Thomas hat sie ausgenommen und zusammen mit Hermann von der Lyra gegrillt, zu einem leckeren Festmahl verarbeitet. Zum Nachtisch gab es einen saftigen Bananenkuchen, selbstredend mit Bananen aus Hervés Garten. Zusammen mit chilenischem Wein und dem obligatorischen Boule-Spiel danach, ein perfekter „französischer Nachmittag“.

Wir haben nun eine Reihe von Inseln besucht, Robinson Crusoe, Osterinsel, die Gambierinseln. Pitcairn, die Insel auf die sich die Meuterer der Bounty flüchteten, liessen wir aus. Die Südseeinseln werden häufig in der ein oder anderen Form mit dem Attribut Paradies versehen. Ich hatte den Eindruck, genauso wie es Tony Horwitz in seinem Buch „Cook, die Entdeckung eines Entdeckers“ beschreibt, dass sich die paradiesische Verheissung für viele, die sich hierher aus genau diesem Grunde flüchteten, nicht erfüllt hat. Das Gefühl des vollkommenen Glücks scheint recht kurzlebig zu sein. Unabhängig von den Rahmenbedingungen –  keine Existenzsorgen, ausreichend Trinkwasser und Nahrungsmittel und ein freundliches Klima – ist die Zufriedenheit vergänglich. Hervé und Valerie scheinen eine Ausnahme zu sein. Für sie spielt Zeit keine Rolle mehr und wahrscheinlich sind sie genau deswegen nachhaltig zufrieden. Wir nähern uns diesem Zustand und werden auch schon fleissig von den „locals“ mit Früchten und Gemüse versorgt. Immerhin sind wir schon seit fast vier Wochen hier. Nur den Bäcker konnten wir noch nicht überzeugen uns automatisch zwei Baguettes, die ab fünf verkauft und um sechs schon ausverkauft sind, zu reservieren. Paradies! Wäre da nicht der Reparaturstau, der aber durch die tatkräftige Hilfe von allen zügig abgearbeitet wird.

Die Gambiers

Die Gambiers. Wie lassen Sie sich beschreiben? Wunderbar windig? Das Paradies der harmlosen Haie? Oder doch lieber die exotische Fruchtabteilung im Supermarkt? Irgendwie würde alles passen. Obwohl ich die Letzte am besten finde, die exotische Fruchtabteilung im Supermarkt. Es stimmt wirklich! Pampelmusen ( die ich persönlich allerdings gerne große Zitronen nenne, weil sie genauso aussehen ) Papayas ( aus denen Mama einen leckeren Salat zaubern kann ), Bananen ( die immer zwei Tage bei uns auf der Badeplattform hängen bis sie dann alle auf einmal reif werden ), Kokosnüsse ( deren Saft genauso lecker schmeckt wie in Brasilien ), Limonen ( die man sowohl in einen Kuchen, als auch in’s Trinkwasser pressen kann ) und noch mehr. Von den meisten Früchten wusste ich nicht mal dass sie existieren, geschweige denn so lecker sind. Wobei Papa und Mama meinen, dass sie nur hier so schmecken. Bei den Bananen kann ich das eindeutig bestätigen. Allerdings ist auch Paradies der harmlosen Haie ziemlich gut. Paradies, eindeutig. Harmlose Haie, wer würde sich sonst ins Wasser trauen? Gleich beim ersten schnorcheln in Taravai – wunderschöne Insel und supernette Leute – konnte ich einen Hai beobachten, der so groß war wie Marianne von der YAO! Leo und Papa sahen beim Fischen mit Hervé noch mehr Haie. Doch nicht so große. Aber es lohnt sich wirklich hier zu Schnorcheln. Manchmal bin ich nur ein paar cm über den Korallen geschwommen! Die übrigens echt fantastisch sind. Papa und Mama haben sich nicht so weit in die Mitte getraut, aus Angst sich den Bauch an irgendetwas spitzem zu schneiden. Aber ganz sicher verpassen sie dadurch etwas. Es geht hoch und runter. Ich schwimme über eine flache Stelle und komme dann in etwas das man vielleicht als Tal bezeichnen könnte. Es ist echt wundervoll. Bunte Fische die einen beeindruckenden Kontrast zu den Korallen bilden in denen sie sich verstecken. Die Korallen selbst haben auch die unmöglichsten Farben. Von Blau über Orange und Rot wieder zu Braun-weiß. Manche sehen aus wie riesige Pilze. Ich freue mich schon aufs nächste mal Schnorcheln 😉 Ende Zoë 29.5.2017

 

On the downside of paradise … //// Wenn im Ankerfeld die Motorenlaufen und alle am Steuer stehen …

20.05.2017 //////// When all engines are running in an anchorage and everybody is standing behind the helm of his or her boat, it might be because the wind was blowing in gale force from all four cardinal directions for the last two hours. Rain and wind transformed the bay in front of Rikitea in no time in a bubbling cauldron. Furious squalls performed autonomously the perfect maneuver which one needs to know in order to break an anchor out of the ground. Frank, a Dutch singlehanded sailor, was the first to suffer. In no time at all his boat ended up on a nearby sandbank. He was lucky, since he could have hit the close-by reef instead.

//// The moment when we were busy to take the sun-shading down with the use of all our physical strength, our anchor started to slip as well. With the help of our engine we just about managed to escape a run aground on the reef. Possibly a row of buoys which was connected with ropes was actually holding Kalibu back for a few seconds, the time the engine needed to speed the boat away from the dangerous reef. Heart-stopping seconds later we gained some distance. But we had to fight for a couple hours until the situation was under control again. Shortly before our anchor started to slip, I was experiencing an extraordinary gust while trying to collect rainwater. This gust demolished one rotor-blade of our wind-generator, simply ripped it out of the bracing. Not enough the blade then punctured our solar panel as if it would be out of butter – fiberglass meets security glass! And destroyed the tail-light (stern-light) before landing on our sugar scoop stern. Meanwhile the other boats were struggling as well. With pooled forces everybody was trying to prevent worse.

//// The only option we had was to bring out our second anchor as fast as possible. Our good old Fortress (what a great anchor) was holding almost immediately which gave us a moment to catch a breath. Still for two more hours Thomas had to motor against the wind in order to release the force on our anchors.

//// Meanwhile Frank was running up and down on his boat but he could only watch as his keel was digging itself deeper and deeper in the soft sand.A French steel boat was colliding with the nearby steel-boat and the Dutch Lyra ended up dangerously close to the quay.

//// As soon as rain and wind settled a bit, help arrived for Frank. Three small motorboats with powerful out-boarders had to struggle for half an hour. It was obvious that they performed this maneuver not for the first time. Acting together one was pulling the sailboat down to a 30 degree angle while the other two pulled it forwards and lee wards. Still it took about half an hour to pull Frank’s „Liebelei“ from the bank.

//// The weather forecast was harmless. Further south was a gale and the Gambiers where shown just outside the windy area. The gale travelled a bit more north and hit our anchorage. We hope the next gale south stays where the computer model puts it. So every paradies has its down side. 

 

//// Wenn im Ankerfeld die Motoren laufen und alle am Steuer stehen … 

dann liegt das daran, dass der Wind in den vergangenen Stunden in Böen mit sturmstärke aus allen vier Richtungen wehte. Regen und Wind verwandelten die Bucht vor Rikitea im Nu in einen brodelnden Hexenkessel. Die heftigen Böen vollzogen geradezu eigenständig, das perfekte Manöver zum Ausbrechen eines Ankers aus dem Grund.

//// Frank, ein holländischer Einhandsegler, erwischte es zuerst. Ruck, zuck sass sein Boot auf der nahegelegenen Sandbank. Da hatte er Glück, hätte ja auch das Riff daneben sein können. Wir waren grad mit vollem Körpereinsatz damit beschäftigt unser Sonnensegel rein zu holen – Zoë wickelte sich komplett mit dem nassen schweren Tuch ein, weil der heftige Regen sich auf ihrer Haut wie Nadelspitzen anfühlte – da slippte auch unser Anker und wir entkamen mit Hilfe unseres Motors nur ganz knapp dem Auflaufen auf dem Riff. Womöglich hat Kalibu auch nur die Gefahrenmarkierung aus mit Seilen miteinander verbunden Bojen gerettet. Thomas hatte den Eindruck, dass das Boot einen Moment von diesen Seilen festgehalten wurde und das war der Moment, den der Motor brauchte, um zu beschleunigen. Spannende Sekunden, die ewig zu dauern schienen.

//// Kurz davor gab es eine dermassen heftige Böe, die nicht nur unser Boot in eine gefährliche Krängung versetzte, sondern auch ein Rotorblatt unseres Windgenerators aus der Verankerung riss. Damit nicht genug, das Ding durchstiess unser Solar Panel wie Butter (Fiberglas trifft Sicherheitsglas, wohlgemerkt). Zwischenzeitlich hat es dann auch die anderen benachbarten Boote erwischt und so kam es dazu, dass alle mit vereinten Kräften und unter Motor versuchten schlimmeres zu verhindern. Uns blieb nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich den Zweitanker fertig zu machen und auszubringen. Der gute alte Fortress (was für ein toller Anker) hat dann sofort gefasst und damit konnten wir kurz verschnaufen, aber an Entwarnung war nicht zu denken. Volle zwei Stunden steuerte Thomas noch gegen die heftigen Böen an, um die Anker zu entlasten. Frank lief derweil auf seinem Boot hin und her und konnte nur zusehen, wie sich sein Kiel immer tiefer in den Sand eingrub. Die Franzosen kollidierten mit dem dahinter liegenden Stahlboot und die Segelyacht Lyra war der Ufermauer gefährlich nahe gekommen.

//// Kaum hatten sich Regen und Wind etwas gelegt, kam die dringend nötige Hilfe für Frank. Drei kleine Motorboote mit leistungsstarken Aussenbordern mussten eine halbe Stunde ackern bis sie ihn frei hatten. Dabei sah der Wetterbericht ganz harmlos aus. Viel weiter südlich sollte ein Starkwindgebiet durchziehen. Das hat dann wohl seine Bahn geändert und uns dieses Abenteuer beschert. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das nächste Starkwindgebiet, das in der kommenden Nacht erwartet wird, nicht auf ähnliche Abwege begibt. So hat wohl jedes Paradies seine Kehrseite.

Ankunft im „tropischen Frankreich“

12.05.17 //// Erst Mal duschen und ausschlafen, dachten wir, nachdem das grosse Hallo vorbei war. Wurde aber nichts draus, unser Anker slippte ganz plötzlich. Hannu von der SY Manta war zum Glück grad draussen, trotz Regen, und warnte uns rechtzeitig. Nach der Aktion war die Müdigkeit verflogen, ausserdem mussten wir ja noch zur Gendarmerie, um uns anzumelden. Wurde aber nichts draus, unser Dinghy-Outboarder wollte nach der „Kenteraktion“ auf der Osterinsel nicht mehr starten. Also hat Thomas mal wieder den Motor auseinander gebaut, Ölwechsel gemacht und den Vergaser gesäubert, während ich den Thunfisch fürs gemeinsame Abendessen vorbereitete. Fürs Sashimi brachten Marianne und Jean-Loup die Zutaten mit und Joel den Wein für den gegrillten Thunfisch hinterher. Der Fisch war beste Qualität und kaum erwähnenswert super lecker!

//// Samstagmorgen schafften wir es dann an Land. Die Gendarmerie war politisch korrekt mit einem Franzosen und einem Polynesier besetzt und die Formalitäten waren schnell erledigt. Für die endgültige Zollabfertigung müssen wir nach Papeete und bis wir dort ankommen ist die gelbe Flagge zu hissen, steht ausdrücklich auf einem Merkzettel, den wir in die Hand gedrückt bekommen. Wir sind offensichtlich das einzige Boot, das sich überhaupt die Mühe macht, diese auszukramen. Ich frage mich, woher diese entspannte Haltung herrührt? Französisch Polynesien ist nicht die EU. Jedoch erinnert das ganze Setting – das Ankerfeld, die Gendarmerie, die überdimensionierte Kirche mit Pfarrhaus daneben – sehr ans Mittelmeer und wahrscheinlich haben sich die meisten der hier liegenden Boote über die Kanaren und die ehemaligen Kolonien in der Karibik hierher bewegt. Komplexe afrikanische, brasilianische oder argentinische Einklarierungsformalitäten sind unbekannt, was wohl den mangelnden Respekt oder das fehlende Wissen der nautischen Traditionen erklärt.

//// Uns ist es etwas zu voll hier und wir freuen uns daher nachmittags mit der YAO zur Nachbarinsel Taravai aufbrechen zu können. Nicht zuletzt weil das Navigieren in Atollen nicht ganz so trivial ist und wir der YAO unmittelbar folgen können. Normalerweise empfehlen die Handbücher eine Person in den Mast zu setzen, die dann anhand der Farben des Wassers die Tiefen interpretiert, Atolle sind nämlich voll von gefährlichen Korallenköpfen. Bei Gegenlicht, bewölktem Himmel oder gar Regen, so wie heute, funktioniert diese Methode natürlich nicht. Für die Gambiers kursieren eine Reihe von Tracks mit ausreichend GPS-Wegepunkten unter den Seglern, so dass man hier auch bei ungünstigen Sichtverhältnissen von A nach B kommt. In den anderen Atollen gibt es so was nicht. Also besser die Chance nutzen und hier schon mal etwas üben!

 

Landfall nach 13 Tagen auf See

12.05.2017 – 12:00 UTC-9 //// 23°07. S 134°58. W
//// Heute um 10:00 Uhr Ortszeit fiel der Anker vor Rikitea und es ist plötzlich ungewöhnlich ruhig. Keine Welle, die sich lautstark an unserem Boot bricht, kein Wind der durch die Wanten streicht, kein Schwell, der das Boot und Inhalt gefährlich ins Wanken bringt. Stattdessen bekannte Boote und Gesichter. Die YAO ist noch da, wartet auf ein gutes Wetterfenster zum Weiterfahren und bringt Baguette zum Frühstück. Joël, mit dem wir in Patagonien Fischsuppe gegessen haben, bringt riesige Pampelmusen vorbei. Die SY Manta aus Finnland wartet auch auf den richtigen Wind und bringt Papayas vorbei. Stepke, unser Einhandseglerfreund, hilft Ornithologen beim Aufbau eines Vogelhauses auf einer Nachbarinsel. Und nachmittags kommt noch der Katamaran Two Oceans reingefahren, mit dem wir und zwei weitere Katamarane gleichzeitig auf Rapa Nui gestartet sind. Fairerweise muss man sagen, dass sie, die Two Oceans, in Pitcairn, Grossbritannien einen kurzen Stopp einlegten. Wir nicht.

//// Wir sind aber früher als die beiden anderen Katamarane angekommen. Zeit für eine kleine Statistik: wir haben die Südsee erreicht und damit etwa vier Fünftel der Strecke bis Papeete, Tahiti zurückgelegt. Das waren ab Valdivia 423 nautische Meilen, in 3 1/2 Tagen, nach Robinson Crusoe, weitere 1.961 nautische Meilen bis zur Isla de Pascua (immer noch Chile), in 19 Tagen, plus 1.510 Meilen zu den Gambiers, in 12 1/2 Tagen. Das sind 3.894 Meilen oder rund 7.000 Kilometer in 35 Tagen, mit einer Durschnittsgeschwindigkeit von 4,6 Knoten pro Stunde. Meistens schaffen wir 5 Knoten pro Stunde im Durchschnitt, aber die Strecke zwischen Robinson Crusoe und Osterinsel war das reinste Wartespiel, entweder auf Wind, egal aus welcher Richtung, oder darauf, dass der hohe Schwell aus dem Süden sich endlich etwas legt, damit unsere Segel auch bei der generell vorherrschenden schwachen Brise noch halbwegs ordentlich stehen. Nur einmal hatten wir auf dieser Teilstrecke Beaufort 6-7, das ist ein steifer Wind. Der blies uns allerdings direkt auf die Nase, so dass wir am Ende des Tages froh waren ein Etmal von 90 Meilen so halbwegs in die richtige Richtung geschafft zu haben. Bei raumen oder halbem Wind würden wir bei Windstärke 6-7 mind 140, wenn man das Rigg nicht schont auch 160/165 Meilen zurücklegen. Nicht zuletzt würde die Statistik noch viel schlechter aussehen, wenn wir auf dieser Strecke nicht zwischendurch immer mal wieder durch die Flauten motort wären. Es kamen 89 Motorstunden zusammen.

//// Was ist noch erwähnenswert: mehr als die Hälfte unserer Gläser gingen bei dem hohen Schwell zu Bruch, der große Spiegel im Badezimmer fiel von der Wand – ein übervoller Wäschesack hing davor und verhinderte, dass dieser in Scherben zersprang 🙂 – und sogar zwei Plastikschüsseln überlebten ihre unsanfte Landung nicht. Zu guter Letzt, Kalibu verweilte ein Jahr und vier Monate in Chile. (Wohlgemerkt, viele Wochen davon, verbrachten wir woanders, in Berlin, in Peru, in Argentinien, in Bolivien… )

Arrived in French Polynesia /// In der Südsee angekommen

11.05.2017 – 12:00 UTC-7 //// S 23°18.22′ — W 133°31.45′ //// ETA Iles de Gambiers Friday 12.05.17 //// Last night we arrived in French Polynesia, after a short passage through Great Britain’s territory. The old empire is still omnipresent 😉 The French courtesy flag is up and we are looking forward to our landfall.

 

10.05.2017 – 04:00 UTC-9 //// S 23°33.39′ – W 130°30.28′ //// noch 250 nm bis zu den Iles de Gambiers //// Nun sind wir sozusagen auf der Zielgeraden angekommen. Die letzten Tage kam der Wind recht stetig aus Nord-Nord-Ost. Wir kamen schnell voran, passierten das erste, angeblich mit gefährlichen Haien randvolle Atoll, Henderson Island und auch Pitcairn im Norden. Ab und zu sieht man Fregattvögel, die Schwärme von Fliegenden Fische jagen und wir haben es beim dritten Mal geschafft selbst einen Fisch, einen 4.5 kg schweren Bonito, ins Boot zu ziehen.

1400 nm to the Iles de Gambiers

30.04.2017 – 12:00 UTC-7 //// S 25°37.54′ – W 111°05.84′ //// Once more, the third part of our journey to the „Südsee“ started in rough conditions. After Thomas capsized with our Dinghy the Chilean Armada closed the harbor – open end. Another depression passing through in the south promised to bring even higher waves (forecast was 4.5 meters) and strong Winds from the west. Without opportunity to go ashore by ourselves we decided to check out and to leave the very last outpost of Chile asap. To do so a local fisherman had to take us ashore – no problem for him with his 140 horse power out-border 😉 – once on land I quickly collected a few bottles of wine for Jean-Loup (who was truly chocked by the prizes for French wine in French Polinesia), Thomas went to the Immigration and Armada and off we were … //// Before we could put out to sea we had to move Kalibu to the east-side of the island where we intended to wait until conditions improved. Here all sailboats (3 Catamarans who made the detour down coming from Ecuador in order to see Easter-island) regathered and even a big Chilean warship turned up at the anchorage. They also opted for a more comfortable night. //// As soon as the worst rain had past and the wind turned from west to south we lifted our anchor and left. Not surprisingly with this weather forecast (20, in squalls 30 knots of wind and 4.2 meter swell) initially we had a bumpy ride. However we were happy to cover a few miles because the next calm is ahead and more than 1000 miles to go …

Kopfheister

Als der Skipper von der SY Inti eines Nachmittags wilde Kreise mit seinem Bananaboot Dinghy am Ankerplatz fuhr, habe ich mich gewundert, was er da tat. Etwas sinnlos, oder? So ganz ohne Ziel. Zwei Tage später fuhr ich mit unserem Dinghy ebenfalls Kreise auf dem Ankerplatz. //// Jonathan erklärte mir später, er wäre vor der Hafeneinfahrt gekentert und sein Motor war unter Wasser geraten. Damit der Motor wieder funktioniert, hat er ihn sofort gereinigt und dann „mußte er laufen“, meinte Jonathan, sonst wird das nichts mehr. Deshalb die Kreise. Ich konnte das nachvollziehen, da unser alter Dinghymotor im Mistral auf Sardinien unter Wasser geraten war und dann nie wieder richtig lief. Wir mussten danach einen neuen Motor kaufen. //// Auf der Osterinsel ankert man in einer weiten offenen Bucht, die dem Schwell ausgesetzt ist. Schwell sind langsame langgestreckte Wellen, eher ein sich bewegender Hügel, von 2-4 m Höhe, die sich dann im flacher werdenden Wasser auftürmen und unter Getöse und mit Fontänen brechen. Die kleineren Windwellen strukturieren die Oberfläche der rollenden Hügel. //// Wenn man vom Ankerplatz an Land möchte, fährt man mit dem Dinghy in den kleinen Hafen. Leider brechen genau vor der Hafeneinfahrt und links und rechts daneben die Wellen, manchmal flacher und manchmal sehr hoch. Es sind immer Surfer dort im Wasser. Die Einheimischen geben den Rat neun Brecher zu zählen und in der folgenden Pause schnell hinaus zu fahren. Allerdings braucht man dazu einen starken Aussenborder. Häufig schließt die Armanda den Hafen ganz für Dinghies. //// Wir sind jeden Tag an Land gefahren und haben Lebensmittel, Diesel und Ersatzteile transportiert. Mehrmals am Tag, wenn uns eine brechende Welle erwischte, war es ein Spass auf ihr zu surfen. Computer und IPads waren immer in wasserdichten Säcken eingepackt, man weiß ja nie. //// Irgendwann dreht der Wind und unsere Ankerkette rumpelte stärker als sonst. Sie rumpelte die ganze Zeit etwas, aber die Ankerplätze des letzten Jahres in Patagonien waren in der Regel mit Steinen durchsetzt, so dass wir das Rumpeln hinnahmen. Hier rumpelte sie dann nicht einfach nur, sondern ging senkrecht ins Wasser und war straff gespannt. Offensichtlich hatte sie sich mit einer Winddrehung um einen Stein gewickelt. Kein Problem, wir entlasteten die Kette mit Hilfe der Hauptmaschine, geben lose und bewegen das ganze Boot um den Stein herum, um die Kette zu befreien, dachte ich. Mehrere solche Versuche, unter blickfälliger Anteilnahme des Skippers des benachbarten Katamarans Two Oceans, schlugen fehl, die Kette liess sich nicht befreien. Es war Spätnachmittags, im Süden kündigte sich ein neues Tiefdruckgebiet an und es musste etwas passieren, denn unter solchen Bedingungen wollten wir keine Nacht verbringen. //// Ich sprang ins Dinghy und fuhr in den Hafen zur Tauchstation, um Hilfe zu holen. Ein paar Minuten später surfte ich auf einer großen brechenden Welle in die Hafeneinfahrt. Sie brach direkt hinter mir, das Dinghy beschleunigte von langsam auf rasend und es gelang mir den Kurse zu halten. Wow, ist das geil. Kaum zu Ende gedacht, passte sich die Geschwindigkeit der sich verlangsamenden Welle an die Geschwindigkeit des Aussenborders an und ich verlor die Kontrolle. Azurblaues Wasser, 26 Grad warm, umspülte mich, meine Brille war weg und mit einer Hand hielt ich meine Mütze fest. Kaum hatte ich Luft geholt, kam der nächste Brecher, also unter Wasser gehen. Das Dinghy schwamm verkehrt herum, aber der zweite Brecher flippte es wieder auf die richtige Seite. Ein Fischer kam mit seinem Boot und einem 70 PS Aussenborder und sicherte das Dinghy. Ein Surfer im Rentneralter gab mir sein Surfbrett und ich versuchte auf dem Brett liegend zu paddeln, wie man das so von der Bar aus beobachtet, jeder Brecher spülte mich herunter. Der Surfer sagte, stell dich drauf, das ist einfacher! Zum Glück konnte ich in das Fischerboot klettern. ////. Pitschnass vereinbarte ich dann mit dem französischen Chef der Tauschschule die Befreiung unseres Ankers. Der Fischer schleppte das Dinghy, die Taucher klarierten routinemässig (kommt offensichtlich häufiger vor) den Anker mit Hilfe eines Ballons und ich verbrachte den Abend damit den Dinghymotor in Öl zu baden, den Vergaser auseinander zu nehmen und zu beten, dass er wieder läuft, weil im Pazifik so gut wie keinen Ersatz zu bekommen ist. Er lief und weil er „laufen musste“ beobachteten mich die Nachbarn beim Kreise fahren und dachten sich, sinnlos oder, so ohne Ziel.