Von Amed hoch zum Berg Lempuyang

Bequeme Ankerplätze sind rar in Bali. Da wir aber wegen der aktuellen Erdbebenaktivitäten auf Lombok nicht wieder dorthin zurück segeln wollen, müssen wir uns damit abfinden. Denpasar war schrecklich, wir wollten nur noch flüchten. Beide Ankerplätze dort sind extrem wackelig und dreckig, überall liegt und schwimmt Plastikmüll, die Ausflugsboote rasen im Affentempo an den Mooringbojen vorbei.

Nun liegt Kalibu im Nord-Osten der Insel, vor dem kleinen Fischerdorf Amed. Auf den Stränden reihen sich die lokalen Segelboote, intelligent konstruierte sehr schmale Bootsrümpfe mit zwei Auslegern und umgedrehten dreieckigen Segeln. Die sehen ein bisschen aus wie grosse Ameisen , die auf dem Meer wandern. Im Wasser entdecken wir eine Vielzahl von Fischen, vor allem die kleinen Schwarmfische unter Kalibu sind lustig. Manchmal, wenn sie gejagt werden, springen sie in Hundertschaften mit lautem Klatschen aus dem Wasser. Auch ist die Dichte an Tauchläden an diesem Küstenabschnitt wahrscheinlich die höchste weltweit – gefühlt zweifelsohne. Jeder zweite Laden annonciert Kurse und offeriert Touren zu den nahe gelegenen Riffen und Wracks. Sogar die überall in Bali präsenten Schilder, die Yogakurse anbieten, gehen völlig unter. Wir werden dann wohl auch unsere Tauchausrüstung wieder raus kramen und Zoe wünscht sich unbedingt eine Einführung ins Freediving.

Obligatorisches Fortbewegungsmittel auf Bali ist der Roller. Mit einem etwas altertümlichen Modell machen wir – Thomas und Birgit, die Kinder wollen keine Tempel mehr anschauen – uns auf den Weg zum Pura Penataran Agung Lempuyang, einer der sieben wichtigsten Hindutempel auf Bali. Wie der Name sagt, befindet sich diese Tempelanlage auf dem Lempuyang Berg auf ca 600 Höhenmetern, mit Blick auf den „heiligen“ Vulkan Agung, den wir auch von unserem Ankerplatz bewundern können. Die Hindus glauben, je höher ein Ort liegt, desto heiliger ist er und so kämpfen wir uns mit dem Roller die immer steiler werdenden Serpentinen hoch. Bis der Roller dann einfach stehen bleibt. Na ja, da muss ich mich halt zu Fuss das letzte Stück hoch kämpfen. Oben angekommen erwartet uns dann eine ausgedehnte Tempelanlage und um zum letzten höchsten Tempel zu gelangen muss man noch mindestens 1.500 Stufen steigen. Bis zum vierten Tempel schaffen wir es, den höchsten konnten wir nur kurz zwischen den Bäumen erspähen. Wenige Minuten später ist er dann in den aufziehenden Wolken verborgen. Da die hinduistischen Tempel alle intensiv genutzt werden, dürfen Touristen, auch wenn sie beten wollen und angemessen gekleidet sind, nicht ins Innere. Das ist schade, aber angesichts der Massen an Touristen durchaus verständlich. Wir geniessen die kleine Wanderung trotzdem, allein schon wegen der tollen Aussicht auf den Agung, die umliegenden Reisterrassen und das entfernte Meer.

 

 

Wenn die Erde bebt

Der Normaldeutsche kennt Erdbeben meist nur aus den Nachrichten. Wir hingegen können mittlerweile das eigenartige Vibrieren des Schiffes, das durch die Übertragung der Erderschütterungen im Wasser entsteht, schon ganz gut einordnen. Zum ersten Mal spürten wir es in Puerto Montt, Chile, und vorgestern, Sonntag den 5.8., wieder in Denpasar, Indonesien. Unweit von hier, auf der Insel Gili Air, die etwas nördlich von Lombok liegt, gab es ein Erbeben der Stärke 6.9. Bereits vor etwa einer Woche bebte die Erde unter Lombok mit schlimmen Folgen für die Bevölkerung. Vielleicht war dies eins der Nachbeben?! Die können ja mitunter stärker sein, als das eigentliche Beben.
Seit Chile bewegen wir uns immer mal wieder entlang des Pazifischen Feuerrings. Dort wo die Pazifische Erdplatte auf die Indisch-Australische Platte trifft, sind nicht nur viele aktive Vulkane zu bewundern, sondern es treten eben auch gehäuft Erdbeben auf. Während man in Chile aus den verheerenden Erfahrungen der Vergangenheit gelernt hat – es gibt entsprechende Baugesetzte, ein funktionierendes Frühwarnsystem, selbst auf meine deutsche Telefonkarte wurde die Tsunami-Warnung übertragen, und an öffentlichen Orten eindeutige Fluchtpläne – ist man hier in Indonesien schon sehr auf sich selbst gestellt. Jedenfalls haben wir im Anschluss sehr genau beobachtet, ob sich der Wasserspiegel ändert.

Auf Bali haben wir uns natürlich auch einige touristische Highlights angesehen. Die Reisterrassen, Ubud und seine vielen vielen Tempel, zwei Kunstmuseen und einige Antiquitätenläden. Letztere wurden vor allem von Thomas aufgesucht. In Ubud übernachteten wir mit Yeter, Karl und Johannes im gleichen Hotel. Das Hotel war super entspannt, in den Reisterrassen gelegen, überall mit Blumen geschmückt und wir hatten trotz Regen eine schöne Zeit. Bemerkenswert ist, der August gilt als der trockenste Monat in Bali. Die Lokals meinen, es hätte noch nie im August gerregnet.

Der Süden der Insel ist eine einzige suburbane Zone. Kleine, meist nur eingeschossige Häuser mit Workshops im Erdgeschoss reihen sich fortlaufend entlang der Strassen aneinander. Wo ein Ort beginnt oder endet ist nicht auszumachen. Überall dazwischen findet man Tempel in unterschiedlichen Grössen und natürlich hat auch jedes Haus noch einmal seine eigenen kleinen Tempel, die mit Blumen, Opfergaben, bunten Tüchern und Sonnenschirmen geschmückt werden. Jeden Morgen und Abend aufs neue werden auch vor die Türen, im Strassenbereich Opfergaben mit Räucherstäbchen in einem wiederkehrenden Ritual verteilt. So ist es nicht verwunderlich, dass in den Workshops vor allem Figuren aus der hinduistischen Welt der Mythen gefertigt werden. Die grossen Tempel sind selten für Touristen zugänglich, was bei der Menge an Touristen, die in Bali unterwegs sind, durchaus verständlich ist, da sie ja die heiligen Orte der Hindus sind.

Zwischen Lombok und Bali befindet sich die Wallace-Linie. Flora und Fauna sind auf den jeweiligen Seiten sehr unterschiedlich. Während Bali eindeutig der asiatischen Seite zuzuordnen ist, gehört Lombok noch zu der australischen und ist mit sehr verschiedenen Arten bevölkert, obwohl es nur durch eine Meerenge von weniger als 20 km getrennt ist. Benannt ist die Linie nach dem Naturforscher A. R. Wallace, der mit seinen Erkenntnissen über die Entstehung der Arten dazu beigetragen hat, dass Darwin seine Evolutionstheorie nach langem Zögern dann doch veröffentlichte. Nichts ist schlimmer für einen Wissenschaftler, als wenn ein/e Kollege/in einem zuvor kommt. Für uns war die Wallace-Linie erst nur ein Begriff. Wir hatten zwar gelesen, dass in dieser Meerenge starke Strömungen auftreten, dass diese aber die Überfahrt mit einem schwach motorisierten Segelboot fast unmöglich machen, war uns nicht so klar. Genauer gesagt, die Passage von Ost nach West war mit vorherrschendem Süd-Ost-Passat zwar schwierig, wir mussten den Kurs zwischen 40° und 50° vorhalten, um die nach Süd setzende Strömung auszugleichen, aber wir kamen noch verhältnismässig gut voran. Nachdem wir Jan, Leonards Freund aus Berlin, abgeholt hatten, wollten wir aber wieder zurück nach Lombok, weil es dort die bequemeren Ankerplätze gibt. Den Plan, in zwei Etappen über Lombogan zurück zu segeln, mussten wir allerdings aufgeben. Mit Wind und Welle gegen uns, haben wir es grad mal zur nord-östlichen Ecke von Bali geschafft. Sobald wir versuchten weiter anzuluven, sind wir, bei 4-6 Knoten durchs Wasser, rückwärts über Grund gefahren. Wenn es eine Minusanzeige auf dem GPS gäbe, hätte ich es fotografiert. Mit Blick auf die unruhige Erde in Lombok ist Bali vielleicht auch die bessere Alternative?!

Und plötzlich sind wir 6 an Bord von Kalibu

Geht auch, auch wenn es mitunter ungewohnt eng wird, weil es mittlerweile so heiss ist, dass sich alle im Cockpit drängen. Unter Deck kann man es kaum noch aushalten. Am schwierigsten ist es wohl für Johannes, der im Salon schläft und das kann er natürlich erst, nachdem die pubertierende Bande von Zoe, Leo und Lucie ihr Abendprogramm beendet haben.
Im Norden von Flores ist es seit Wochen quasi windstill, nur ab und zu weht eine leichte Brise. Bis zum Komodo Nationalpark sind es noch knapp 120 Meilen, die wir in 4 Tagestouren überwiegend mit Motorunterstützung zurücklegen. Nicht so toll. Die Ankerplätze sind recht unterschiedlich, selten so wie in den Reiseführern beschrieben, manche überraschend idyllisch, andere ebenso überraschend rollig. An einem dieser Ankerplätze gehen wir sogar mitten in der Nacht Anker auf und machen uns bereits um 3:30 Uhr auf die Weiterfahrt.
Der Nationalpark ist, wie nicht anders zu erwarten, super voll mit lokalen Touristenbooten in allen erdenklichen Grössen. Wir nähern uns am späten Nachmittag der Ranger-Station auf Rinca, die in der Krokodilbucht liegt. An Land sieht man Affen, Rotwild und ein Adler schwebt majestätisch in der Luft. Keine Krokodile in Sicht. Die haben sich ob des Rummels nach Flores zurückgezogen. Unser Anker fällt in grossem Abstand hinter den Ausflugsbooten und wir hoffen, dass die gegen Abend alle verschwinden. Weit gefehlt, kaum sind die Tagesausflügler weg, erscheinen die Boote, die eine mehrtägige Reise unternehmen sowie kleinere Versorgungsboote. Letztere mit lebenden Ziegen an Bord.
Wir haben die erste Tour über die Insel gleich um 7 Uhr am nächsten Morgen gebucht. Lange wollen wir in dem Trubel nicht bleiben. Zwei Stunden laufen wir über die recht kleine Insel, doch die einzigen Komodowarane oder Komododrachen, die wir zu Gesicht bekommen, tummeln sich um die Küche. Woran das wohl liegt?! Die Wanderung hat sich trotzdem gelohnt. Allein schon wegen des grandiosen Ausblicks.


Danach wollten wir zum nahe gelegenen Makassar Riff, wo man Manta Rays beobachten kann. Hier versammeln sich noch mehr Ausflugsboote, alle unter Motor, dazwischen viele Taucher und Schnorchler. Ankern ist verboten, um die Korallen zu schützen. Der Schwell ist hoch, die Strömung stark. Keine gute Voraussetzung für uns, um mal eben ins Wasser zu springen. Leider muss ich auch dieses Mal auf die Mantas verzichten.
Mit mitlaufenden 6 Knoten Strom und extrem kabbeliger See sind wir im Nu in der nächsten Ankerbucht, wo die scheuen Affen uns schon von weitem erblicken und Reißaus nehmen. Die Aussicht ist grandios, das Wasser trübe, für einen Schnorchelausflug ungeeignet. An Land wollen wir auch nicht so richtig, weil am Strand deutliche Spuren der nicht ganz ungefährlichen Warane zu sehen sind.
Noch rund 250 Meilen bis Bali, wo wir am 31.07.2018 ankommen.

Meilen, Meilen, Meilen …

Saumlaki, die Hauptstadt von Yamdena, begrüsst uns mit viel Plastik im Wasser – da müssen wir uns jetzt wohl dran gewöhnen – und mit ebenso viel Trubel in den Strassen. Die Menschen betrachten einen ungeniert, die Offiziellen machen viele Fotos von uns und unserem Boot und die Polizei besucht uns am nächsten Tag gleich noch einmal, um im Cockpit zu sitzen, zu quatschen und Zeitung zu lesen. Zum Glück beginnt nach etwa einer Stunde die Abschiedsveranstaltung der Darwin Yamdena Rallye und sie müssen sich leider verabschieden, aber vorher noch ein Foto, händeschüttelnd mit uns.
Viel Zeit bleibt uns nicht die Insel zu erkunden. Allzu traurig bin ich nicht, soll es doch auch hier noch angriffslustige Salzwasserkrokodile geben, die gerne auch Menschenfleisch verzehren. Nach einigen Einkäufen, Diesel und frisches Gemüse, soll es am nächsten Tag weitergehen. Gilles, ein französischer Einhandsegler, den wir in der Torres Strasse getroffen haben, schliesst sich uns an. Es fehlt aber noch die Erlaubnis des Hafenmeisters und der Polizei. Und wie es so ist, die Offiziellen in Indonesien sind höflich und hilfsbereit, aber nicht die Schnellsten. Die folgende Etappe – 07.07.2018 – fällt entsprechend kurz aus, wir schaffen es nur in die nächste geeignete Ankerbucht.


Unser Plan ist, in Tagesetappen so schnell wie möglich Richtung Flores zu segeln, wo wir Johannes und Lucie aufsammeln wollen. Wie wir gelesen haben, soll es viele kleine, unbeleuchtete, fischende Holzboote geben, sowie Massen an so genannten fish-attraction-devises. Hinzu kommt, wir haben Neumond. Diese Kombination ist schlecht und Nachtfahrten sind sicher keine gute Idee. Die Devise für die nächsten Tage: mit Sonnenaufgang Anker heben und das Tageslicht so lang wie möglich ausnutzen.


Die Inseln liegen anfangs noch recht weit auseinander, sind dicht bewachsen und tropisch grün. Es sind kaum Dörfer zu sehen und in dieser Ecke Indonesiens auch nicht allzu viele Fischer unterwegs. Die ersten Tage weht der Süd-Ost-Passat noch mit 5-7 Beaufort. Wir machen gute Fahrt. Mit Ankerplätzen sieht es allerdings mau aus. Das mit den Ankerplätzen ändert sich erst westlich der Insel Alor, wohin wir uns am 12.07.2018 sehr sehr langsam, quasi im Schneckentempo, am Ende notgedrungen doch in einer Nachfahrt, voran kämpfen. Der Passat schwächelt merklich, wir haben 3-4 Knoten Gegenstrom. Die Segel stehen noch gut, aber wir schaffen durchs Wasser grad eben diese Geschwindigkeit, dümpeln also quasi auf der Stelle herum. Notgedrungen muss der Motor mitlaufen.
Das Archipel östlich von Alor wird in unserem Reiseführer als das Ende der Welt bezeichnet. Die östlich gelegenen Inseln Indonesiens existieren auf der touristischen Landkarte nicht. Unweit von Alor treffen wir dann auch auf das erste Touristenboot, eine traditionell anmutende Luxusyacht mit riesiger Crew für nur zwei Gäste, liegt hinter zwei kleinen Inseln vor Anker. Der Ankerplatz ist jedenfalls gut gewählt, sehr idyllisch, mit Blick auf zwei Vorzeigevulkane, eine perfekte Sandbank und auf mehrere traditionelle Fischerboote, die ihre Netze auswerfen.


Am Nachmittag wird zu unserer Überraschung auf der einsamen Sandbank ein luxuriöses Dinner vorbereitet. Grill und Anrichte, zwei Stühle, kleiner Tisch mit weisser Tischdecke, daneben zwei Liegestühle mit Bogenlampe drüber. Nach dem sensationellen Sonnenuntergang werden, um die romantische Szene perfekt zu machen, noch viele Kerzen angezündet. Wir beobachten das „Bühnenstück“ von Gilles Katamaran bei einem mehrgängigen, selbst zubereiteten Dinner.
Noch rund 80 Meilen bis Maumere, die Hauptstadt von Flores, wo wir am 15.07.2018 ankommen.

Asia – here we are

Day / Tag 8 //////// Etmal 62 nm ////////

Asien hier sind wir :: Eine holprige Nacht liegt hinter uns. Immer wieder stiegen Wellen von der Seite ins Cockpit. Ein fliegender Fisch verirrt sich sogar bis in den Salon. Wir finden ihn morgens unterm Tisch. Um 11:00 Uhr laufen wir nach knapp 7 Segeltagen im Naturhafen von Saumlaki ein. Ein kleines Polizeiboot geht noch bevor der Anker richtig hält längsseits. Wir schaffen es grad eben mal zwei Fender auszubringen. Sieht so aus als ob die Darwin Yamdena Rallye grad angekommen ist. Sieben australische Segelboote liegen schon vor Anker. Die Polizei verspricht, dass sie mit Hafenmeister und Immigration wiederkommen will. Wir sollen warten. Und sie berichten, Deutschland ist in der Vorrunde der Fussball WM rausgefallen.

Asia her we are :: A bumpy night with lots of water in our cockpit and a flying fish who got lost in our salon. At 11 AM we arrive after 7 days of sailing in the natural harbor of Saumlaki, Indonesia. Looks like the Darwin Yamdenia Ralley has just arrived. Seven boats from Australia are moored in front of the town. A small police-boat is approaching Kalibu while we are trying to find a suitable anchorage. In the very last minute we just about manage to bring out two fenders to protect Kalibu from possible damage. The police officers take photographs and promise to come back with the harbor master and immigration officers. They also tell us that Germany got kicked out of the World Championship by South Korea.

Day / Tag 7 //////// Etmal 147 nm ////////

Mal wieder Squalls :: In der Nacht und am frühen Morgen ziehen mehrere regnerische Squalls mit bis zu 40 Knoten Wind durch. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Entweder sie kommen zu schnell oder wir sind zu langsam, jedenfalls schaffen wir es nicht vorher zu reffen. Zum Glück dauerte der Spuk nie lange. Tagsüber nehmen die Regenschauer ab, aber der Wind frischt weiter auf, bis zu 30 Knoten am späten Abend. Thomas nimmt Yankee und Grosssegel komplett rein und setzt stattdessen das kleine rote Kuttersegel, unsere „Sturmbesegelung“. Wir können unser Ziel Saumlaki nicht mehr direkt anlegen, müssen vorm Wind kreuzen.

Squalls again :: A few nasty squalls bring lots of wind – up to 40 knots – and rain during the night and early morning. Long time since we encountered these last. Ether they travelled really fast or we were to slow – we didn’t manage to reef the sails in time. Fortunately they passed by as fast as they arrived. During the day the rain stops, but the wind picks up further. Even our conservative anemometer shows 30 knots. Thomas takes the main sail and yankee in. The small red cutter-sail is more than enough. Finally we have to tack in front of the wind to reach Saumlaki.

Day / Tag 6 //////// Etmal 144 nm ////////

Regen :: Die See wird tiefer, nun schon 90 Meter plus, und damit werden auch die Wellen angenehmer. Den ganzen Tag hat es immer mal wieder geregnet, morgens ausgiebige Schauer, nachmittags eher ein leichter Nieselregen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fangen wir einen Thunfisch. Zoë ist entrüstet, sie findet es gibt eh zu wenig Fisch und da sollten wir verzichten.

Rain :: Steadily the depth of the sea is increasing and the waves become more comfortable. The day is is more or less rainy. At dusk we catch a tuna. Zoë is outraged as always, she thinks there isn’t enough fish left anyway, therefore we should refrain from eating fish.

Day / Tag 5 //////// Etmal 150 nm ////////

Sonnenschein :: Mit der Sonne kommt auch das unverkennbare Grün der immer noch sehr flachen Arafurasee zum Vorschein. Langeweile macht sich breit. Der Süd-Ost-Passat weht nach wie vor mit 18-24 Knoten.

Sunshine :: With the bright sunshine the remarkable green color of the Arafura Sea appears. Still only around 50 meters deep. South-East-Tradewinds are as before, 18-24 knots.

Day / Tag 4 //////// Etmal 148 nm ////////

Flache Arafurasee :: Die nur 15 Meter tiefe See hinter der Torres Strasse zeigt sich erst einmal von ihrer besten Seite. Entspannt gleiten wir bei Windstärke 5-6 dahin, bis sich der Schwell des südlich anschliessenden Golf von Carpentaria unangenehm bemerkbar macht. Ein Booby übernachtet bei uns an Deck, direkt neben der grossen Winsch. Im Morgengrauen macht er seinem Namen, in Deutsch Tölpel, alle Ehre. Er versucht durch den Seezaun durch zu starten und bleibt immer wieder mit seinem Kopf stecken. Thomas scheucht ihn nach vorne zum Bug, wo der Seezaun offen ist. Endlich klappt es. Zoë putzt seine Hinterlassenschaften weg. Thomas überfährt in der gleichen Nacht ein mehrere Meilen langes Fischernetz. Dieses ist zwar mit Lichtern markiert, aber wohin soll man mit einem Segelboot ausweichen, wenn noch nicht einmal das Ende in Sicht ist? Ein Geräusch lässt vermuten, dass das Ruderblatt vom Netz nach oben geklappt wurde.

Shallow Arafurasea :: The very shallow Arafurasea presents itself at its best. With a reefed yankee and a bit of the mainsail we sail along quiet relaxed in Beaufort 5-6. However after a while the swell coming from the Gulf of Carpentaria is slowly building up. A booby rests at night right next to one the large winches. Next morning it has trouble to start again from this position. Thomas has to chase it all the way to the front and Zoë has to scoop the poop of the bird. At night Thomas drives over a fisher-net which is several miles long. This was marked by small blinking lights but where should a sailing boat turn to when there is neither the start nor the end are identifiable.

Day / Tag 3 //// Etmal 177 nm ////

Unerwartet einsame Torres Strasse :: Blight Entrance liegt hinter uns, wir luven an und segeln am Wind den Nord-Ost-Kanal runter zur Torres Strasse. Das erste Frachtschiff kommt uns mit 17 Knoten Fahrt entgegen, wir sind noch auf der falschen Seite des Fahrwassers und haben keine Zeit mehr dieses zu queren. Das Frachtschiff hat uns offensichtlich schon auf dem Radar, es weicht nach Westen aus und passiert uns am äusseren westlichen Rand des Fahrwassers. Die Strömung läuft mit einem Knoten gegen uns. Am späten Nachmittag passieren wir die unerwartet einsame Torres Strasse. Mittlerweile läuft die Strömung mit uns. Die australische Küstenwache patrouilliert (wir haben uns rechtzeitig angemeldet) und dann erscheint doch noch ein zweites Schiff, ein französischer Katamaran segelt nur wenige Meilen voraus. Mich packt der Ehrgeiz, ich lasse noch ein paar Quadratmeter Segel raus, so dass wir den Kat noch im Prince of Wales Channel am Hammond Rock überholen. Über Funk verabreden wir uns zum Aperitif in Saumlaki. Am Ausgang der Torres Strasse wartet Schiff Nummer 3 auf seinen Piloten.

Unforeseen empty Torres Strait :: Blight entrance lies in front of us. We have to luff and sail upwind along the North-East-Channel towards Torres Strait. The first cargo vessel is approaching with 17 knots speed. We are still on the wrong side of the traffic separation scheme. It is to late to traverse the channel, but the cargo ship has Kalibu already on its radar. It has already adjusted its course and is sailing past on the western boundary of the channel. The current is running against us. Late afternoon we sail through the unforeseen empty Torres Strait. By now the current is with us with 1-2 knots. The Australian coastguard is patrolling. Out of a sudden a second boat appears, a French catamaran, Siloë Bone, sails only a few miles in front of us. We set additionally a part of the yankee and overtake the catamaran short after Hammond Rock. At the other end of Torres Strait the third ship is waiting for its pilot.

Day / Tag 2 //// Etmal 155 nm ////

Das andere Ende des Pazifiks erreicht :: Wir erreichen die ersten Ausläufer des Great Barrier Riffs, der Wind hat bereits in der Nacht abgenommen, 5-6 Beaufort aus Süd-Ost, die Welle steht nach wie vor unangenehm steil und hoch. Kalibu ist mit einer deutlich sichtbaren Salzkruste überzogen.

This is the other end of the Pacific :: Great Barrier Reef lies in front of us. Wind Beaufort 5-6 from SE. Kalibu is covered with a crust of salt. 

Day / Tag 1 //// Etmal 64 nm ////

Steife Brise gegenan :: Wir verlassen Port Moresby am Nachmittag, wohlwissend dass uns erst einmal eine steife Brise um die Nase wehen wird, denn jeden Nachmittag pfiff es auch in der sehr geschützt liegenden Marina heftig in den Wanten. Ein ausgeprägter Landwind verstärkt den Süd-Ost-Passat nochmals um ein paar Knoten. So müssen wir uns gegen 24-32 Knoten gegenan aus der Lagune raus kämpfen. Geht nur mit Motorunterstützung. Die See ist kabbelig, Kalibu wird heftig durchgeschüttelt und alle sind seekrank, ausser Thomas. Wie macht er das nur?

Upwind against a stiff breeze :: We leave Port Moresby mid-afternoon knowingly that we will encounter a stiff breeze. The predominant SE trade-winds, which are already quite strong, get accelerated by a considerable land-breeze around here. Therefore we have to beat upwind against 24-32 knots out of the lagoon. The sea is choppy. The crew is seasick, apart from Thomas. How is he doing this?

Port Moresby

Port Moresby, die Hauptstadt von Papua Neuguinea, hat keinen sonderlich guten Ruf und ist bei Seglern nicht beliebt. Zu hohe Kriminalität und eine instabile Regierung. Wir fahren trotzdem dorthin, weil wir in einer indonesischen Botschaft ein Visa beantragen müssen und uns die Zollvorschriften der Australier gehörig auf den Nerv gehen. Im Royal Papua Yacht Club wird man bestimmt sicher liegen, denken wir. So ist es auch. Der Club wird lückenlos überwacht und er wirbt sogar damit, der sicherste Platz in Port Moresby zu sein. Auf jeden Fall ist die grosszügige Clubterrasse der schönste Ort hier, finden wir, denn die „Stadt“ ist eigentlich nicht viel mehr als eine lose Ansammlung von utilitären Büro- oder Industriegebäuden, dazwischen ein paar teure Hotels, ein Parlamentsgebäude, ein paar traditionelle Märkte, mehr oder weniger wohlhabende Wohnviertel und viele Brachflächen. So was wie ein Stadtzentrum suchen wir vergebens. Das mag sich ändern, sobald das gross angelegte Infrastrukturprojekt am „alten“ Hafen abgeschlossen ist. Im November findet hier eine grosse Konferenz des asiatischen Wirtschaftsraums, der APEC Summit statt. Eine der Fragen ist, ob der Flughafen für die Airforce One geeignet ist. Alle Hafenfunktionen werden nach Westen verlagert und stattdessen entsteht, wenn nicht vorher das Geld ausgeht, eine moderne Uferpromenade mit schicken Büro-und Apartmenthäusern. Immerhin geht es zügig voran, chinesische Firmen dominieren die Baustellen. Am Samstag sind wir hier angekommen, am darauffolgenden Montag stehen wir pünktlich zur Öffnung vor der indonesischen Botschaft, um festzustellen, dass diese wegen eines Feiertages für 2 Wochen geschlossen ist. Mag sein, es gibt so was wie einen Notdienst, für unsere Visaangelegenheit jedenfalls nicht. Zum Glück sind schon 10 Urlaubstage rum und am Donnerstag können wir wieder kommen. Bis dahin haben wir dann auch alle Papiere, den Cruising Permit, Passfotos, Sponsorenbestätigung und -einladung zusammen. Alles geht reibungslos. Dienstagnachmittag ist das Visa abholbereit und wir können weiter segeln. Auch wenn die Stadt wenig zu bieten hat, bleibt uns Port Moresby in angenehmer Erinnerung, dies in erster Linie wegen der freundlichen und zuvorkommenden Menschen. Vor allem wegen Brian, der hier eine grössere Immobilienagentur leitet, uns seine Projekte zeigte, mehrmals mit uns essen ging und uns mit einem seiner Firmenwagen durch die Stadt kutschieren liess. Denn, auch in ein Taxi steigt man hier als Fremder besser nicht einfach so. Zu gross scheint die Gefahr ausgeraubt oder gar entführt zu werden. Brian ist schon achtzig Jahre alt, gebürtiger Australier und seit der Unabhängigkeit 1976 stolzer Bürger Papua Neuguineas. Er erzählte uns, der Grund für die schnelle und schlecht vorbereitete Unabhängigkeit PNG’s war die Angst der Australier, dass die indigene Bevölkerung ihren Anspruch auf einen australischen Pass realisiert. Wir finden es schade, dass ein so schönes Land mit ausreichend Rohstoffen, unter anderem Gold, Kupfer und Öl, von inneren Machtkämpfen und einer korrupten Regierung gehindert wird, seine Ressourcen für die eigene Entwicklung zu nutzen.

Ankern im Marinabecken – Anchoring in the Marina Basin

Der 16. begann eigentlich sehr gut. Delfine begleiteten uns in die Lagune, wo wir nach drei Nächten ankamen und Port Moresby begrüßte uns mit lauter Lichtern. 

Unser Ziel: der Royal Papua Yacht Club. Schon vor dem Hafenbecken wurden wir von zwei marina-guys empfangen und rein gewinkt. Drinnen bedeutete uns der ältere von beiden, zu ankern. Mitten im Becken! Na ja, andere Länder, andere Sitten, meint Papa und der Anker fällt auf fünf Metern. Gefühlte drei Stunden später kommt Israel, der Typ vom Club, vorbei und bringt uns einen Haufen Papiere. Wir machen uns daran sie auszufüllen, doch um zwölf, wo Israel eigentlich schon wieder da sein wollte, ist immer noch nichts passiert. 

Papa setzt sich ans Funkgerät und kurze Zeit später sitzt dann auch endlich der Mann vom Zoll bei uns im Cockpit. Die gelbe Flagge hängt aber noch, da die Quarantäne-Leute noch nicht da waren. Ob das jetzt an ihrem vollgepackten Terminkalender liegt, oder daran, dass wir uns nicht achtundvierzig Stunden vorher gemeldet hatten, vermag ich nicht zu sagen. 

Nach einem Besuch im Marina Büro kommen Papa und Leo mit der Nachricht zurück, wir könnten uns jetzt an den Arbeitssteg legen, einen kleinen, mit Farbe und was weiß ich nicht was bekleckerten Schwimmponton. Aber ich will mich nicht beklagen, denn von hier hat man es deutlich näher zum Club Gebäude, als von hinter der kleinen Tankstelle, wo die anderen ‚visitors‘ liegen, wie der erste marina-guy uns erzählte. Das Anlegemanöver verläuft schnell und einfach. Das erste was wir dann tun, ist nicht duschen. Nein, wir schließen den Schlauch an, und lassen Kalibu einen äußeren Großputz zukommen. Erst danach hopsen wir nacheinander unter die Dusche. Denn obwohl der Club in einem Werbeprospekt als ‚safest place in town!‘ angepriesen wird, ist hier alles doppelt und dreifach gesichert und zugeschlossen, und wir haben nur einen Schlüssel. Bzw. zwei, weil die Wäscherei extra ist, da nur für yachties bestimmt. Am Abend sitzen wir oben auf der Terrasse des Clubgebäudes, trinken Saft – MaPa Bier – versuchen aufgrund des langsamen Internets nicht die Geduld zu verlieren und beobachten die vielen Leute um uns herum. Klar, Samstagabend und der Club scheint eine gut genutzte Ausgehmöglichkeit zu sein. Er brummt wie ein Bienenstock und statt Fußball läuft auf allen Fernsehern Rugby. Komisch, finde ich, läuft doch um 20 Uhr (PNG Zeit) Australien gegen Frankreich und auch wenn Fußball mich normalerweise nicht die Bohne interessiert, einmal in vier Jahren setzte ich mich dann doch mit vor den Fernseher. Ist immerhin eine Weltmeisterschaft, oder?

Zoë 19.6.2018

The 16th started actually very pleasantly. Dolphins accompanied us into the lagoon, where we arrived after sailing for three days and Port Moresby welcomed us with lots of lights. Our destination: the Royal Papua Yacht Club. In front of the harbour basin we were received and waved in by two marina guys. 

Inside the marina the older man told us to anchor. In the middle of the small basin! Well, different countries, different habits, said Papa and the anchor was dropped at five meters. After, what seemed like ages, Israel, the marina officer arrived and gave us a bunch of papers to fill in, what we certainly did. But at twelve o’clock, Israel is still not back, although he told us he would be. Papa sits down in front of the radio and shortly after we can offer the customs officer a glass of cold water. However the yellow flag is in fact still up this very moment, since the quarantine people did not inspect Kalibu yet. If that’s because their date book is full or because we forgot to get in touch 48 hours before we arrived, I’m still uncertain. After a visit in the marina office, Papa and Leo come back with the message, we can move Kalibu to the working pontoon, a small floating platform, messy with paint and I don’t know what else. But I don’t want to complain, ‘cause from here it is less far to the club house, then from behind the small fuel station, were the other visitors are moored, as the first marina guy told us. The docking manoeuvre is going well and fast. The first thing we do next is not taking a shower, it’s connecting the hose pipe and washing Kalibu. Only after we finished that we go to the showers. One after the other, as we have only one key and everything in the club is secured and locked twice and threefold, even though the club is advertised as the ‚safest place in town!‘. Or maybe it is the safest place in town because of that.  In the evening we sit upstairs, on the terrace of the club house and are drinking juice, beer for MaPa, trying not to loose patience waiting for the slow internet and watching many other people around us. Of course, Saturday-night, and the club seems to be a nicely used opportunity to go out. It’s buzzing like a bee-home and all the TV-screens show rugby instead of football/soccer. And that despite the fact that the world cup started already and Australia is playing today! 

Von „Big-Man“ und den Feinheiten des Handelns

Brooker Island, über das Zoe schon berichtet hat, ist Teil der Calvados Chain und liegt am Aussenriff einer riesigen Lagune, die zum Louisiade Archipel gehört. Die Menschen in dem kleinen traditionellen Dorf leben weitgehend unabhängig und versorgen sich selbst mit dem, was sie für ihr einfaches anspruchsloses Leben brauchen. Wenn sie keine modernen Kleider tragen würde, hätte man den Eindruck die Zeit ist hier stehen geblieben.
Das Volk gehört zu den Melanesier und so gibt es viele Gemeinsamkeiten mit den Bewohnern von Vanuatu, nur trinken sie keinen Kava, sie essen stattdessen Betelnüsse. Und ihre Segelkanus sind sehr viel grösser und beeindruckender als die kleinen Outrigger-Kanus, die wir in Vanuatu gesehen haben. Wir staunen über die Geschwindigkeit der Boote – bis zu 15 Knoten -, bei denen ein einfaches Paddel nicht nur Ruderblatt, sondern auch Hilfsmotor ist und bewundern die Geschicklichkeit der Segler. Mit wenigen „Neuerungen“, zu denen die modernen Segel – meist ausrangierte Leichtwindsegel von Fahrtenbooten – gehören, werden diese Segelboote wie eh und je vor Ort aus lokalen Materialen selbst gebaut und können daher auch einfach repariert werden. Mitunter ist das mühselig, wenn z.B. aus Lianen Seile geflochten werden müssen, so dass sich alle freuen, wenn sich ein Segelboot in die Lagune verirrt, das sicher Ersatzteile an Bord hat, die gegen Obst, Gemüse, Fisch oder was auch immer eingetauscht werden können. Gern genommen wird auch Zucker, Reis, Tee, Feuerzeuge, Waschpulver und Shampoo.

Wir haben gelesen, dass es im Dorf so was wie einen „Ältestenrat“ gibt, der wichtige Entscheidungen trifft. Den erlebten wir auch mehrmals in Aktion. Während wir dort waren, kamen zwei malaysische Chinesen vorbei, die Seegurken und Haifischflossen ankaufen wollen und über den Preis verhandelt haben. Natürlich wurden die Haifischflossen mit keinem Wort erwähnt, auf Nachfrage erzählte man uns dann aber doch, um was es eigentlich geht und dass sie die Haie von ihren Segelkanus mit langen Angelleinen fangen, an denen mehrere Köder hängen. Auf dem Weg nach Panasia können wir dies live beobachten.
Der „Chief“ oder „Big-Man“ des Dorfes ist nicht wirklich der Chef, vielleicht eher so was wie ein Repräsentant. Er kommt aus einer bestimmten Familie und zeichnet sich dadurch aus, dass er „wohlhabend“ genug ist, um Besucher und Bewohner zu Beschenken und zum Essen einzuladen, erklärt uns John. Der Akt des Gebens macht ihn dabei erst zu einem „Big-Man“ und je mehr er zu geben hat, desto grösser ist sein Ansehen im Dorf. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Juda uns zum Essen eingeladen und uns danach noch einen Fisch geschenkt hat. Ausserdem hat er sich nicht an dem allgemeinen Tauschhandel beteiligt, mit der Begründung, wir sind doch Freunde. John tat dies übrigens auch nicht.
Vieles erinnert an Guinea Bissau, nicht nur der Name und der Handel mit Haifischflossen. Allerdings haben die Frauen, im Gegensatz zum afrikanischen Guinea, in dieser „Big-Man“ Gesellschaft nicht viel zu melden. Judas Frau kocht zwar das Essen für uns, erscheint aber sonst nicht auf der Bildfläche. Johns Frau sitzt auch in zweiter Reihe. Und, um zu weiteren Feinheiten des Handels zu kommen, Frauen werden zwar geschickt, um mit uns im Namen ihrer Männer zu handeln, aber zwei Mal wurden uns die Sachen, ein neuwertiger Fussball und diverse Angelköder, zurückgebracht, weil der Mann was anderes eintauschen wollte.
Den Fussball wollten wir gegen eine lokale Muschelkette eintauschen. Diese Ketten sind die traditionelle Währung, Shell Money, und funktionieren so ähnlich wie Bitcoins. Die Ketten können selbst hergestellt werden, jedoch ist das recht aufwendig. John erklärte uns, dass man für eine Kette etwas mehr als einen Monat braucht, die entsprechenden Muscheln, die roten sind wertvoller als die weissen, müssen gesammelt werden, in Form geschliffen, mit einem kleinen Loch versehen und poliert werden. Für 10 Ketten kann man ein Sailing Canoe kaufen oder auch eine Frau. Für 20 Dollar haben wir dann am Ende doch eine bekommen.

Panasia – ein kleines Paradies

Nach drei Tagen Trubel sehnen wir uns nach etwas mehr Ruhe. Ausserdem müssen wir uns um Kalibu kümmern, der Autopilot und diverse andere kleine Reparaturen stehen an. Da passt es gut, dass John zu seinem zweiten Wohnsitz auf der benachbarten Insel Panasia will und er uns den Weg durch die Riffe zeigen kann, auch er hat wohl die Nase voll von den vielen Dorfbesprechungen. Wir rechnen mit zwei Passagieren, sind aber nicht überrascht, als dann sechs Menschen plus wir Vier im Cockpit sitzen.  John bringt nicht nur sein Frau Gwen, sondern noch ein Schar Kinder mit. Die zwei grossen Jungs verziehen sich gleich zum Bug. Ich will eigentlich einwenden, dass das womöglich nicht der sicherste Platz ist, da fällt mir aber noch rechtzeitig ein, die sind gewöhnt in den offenen Kanus übers Meer zu fahren. Im Gegensatz dazu ist Kalibu ja so was wie eine sichere Festung. John übernimmt das Ruder und die zwei Kleinen schlafen zusammen mit Zoe schnell ein.


Panasia entpuppt sich als wahres Paradies. Wir ankern neben einer imposanten Felswand vor dem kleinen Strand mit Johns „Wochenendhaus“. Ihm gehört die eine Hälfte der Insel, die andere gehört Juda. Da wir unterwegs auch noch einen grossen Wahoo gefangen haben, beschliessen wir abends gemeinsam zu essen. Gwen bereiten den Fisch zu, wir bringen Wein, Reis und andere Beilagen mit. Auch hier dauert es nicht lange, bis der erste „Händler“ auftaucht, Frank ein Freund des Hauses. Er bringt zwei Papayas aus Johns Garten Im Austausch für Streichhölzer. Ausserdem verspricht er am Samstag Lobster für uns zu fangen. Dafür bekommt er dann den Rest unserer Angelleine und einen Haken. Die Lobster, die er dann in der Tat vorbeibringt, sind riesig und weil John gerade mit Thomas sein arg in Mitleidenschaft geratenes Stand-Up Paddelbord repariert, beschliessen wir auch den Lobster gemeinsam zu essen. Diese Krustentiere müssen hier nicht aus dem tiefen Wasser gefischt werden, sie sitzen auf den Riffen unter den Steinen und können bei Ebbe einfach eingesammelt, wenn man die entsprechenden Handschuhe hat, oder gespeert werden. Frank hat natürlich keine Handschuhe. Er hat sie aufgespiesst und sie kommen daher bei uns gleich in den kochenden Wassertopf. Für den Kühlschrank sind sie zu gross. Aber selbst unser grösster Topf reicht für die riesigen Tiere nicht aus. Die Zangen wollen partout nicht reinpassen. Dazu gibt es ein leichtes Knoblauch-Joghurt-Mayonaise Dressing und lokales Gemüse. Sehr lecker. Weil es so schön ist, essen wir dann auch am Sonntag gemeinsam. Diesmal bereite ich den noch verbleibenden Wahoo zu einem leckeren Fischcurry mit Süsskartoffeln zu.
Die Männer arbeiteten die letzten Tage hart, der Kasten des Autopiloten wurde von Thomas repariert sowie diverse grosse und kleine Jobs für John erledigt. Am Sonntag wird aber nicht gearbeitet, sagt John, und Zoe möchte schliesslich noch die Höhle sehen, von der John erzählt hat. Der normale Yachtie nimmt hierfür sein Dinghy, unseres ist jedoch viel zu klein um fünf Menschen auf die andere Seite der Insel zu bringen. John sagt, man kann auch über den Berg klettern. Gesagt getan, wir starten früh, damit es nicht zu heiss wird. Die Jungs und John klettern und laufen vorweg, wir kämpfen gegen beissende rote Ameisen und sind bemüht hinterher zu kommen. Dabei haben wir die halbwegs bequemen Schuhe während John und die Jungs barfuss über das sehr spitze Vulkangestein laufen. Jeder Schuhverkäufer der einschlägigen Outdoorläden würde bei diesem Anblick in Tränen ausbrechen. Die Tropfsteinhöhle, die wir nach einer guten Stunde erreichen, ist riesig und ein Bad im kühlen Nass tut nach der Kletterpartie gut. Leider sind wir etwas zu früh, die Sonne steht noch nicht hoch genug, um die Höhle zu beleuchten und das Wasser blau zu färben. Trotzdem ein beeindruckender Ort. Am Montag verabschieden wir uns schweren Herzens und alle stehen am Strand und winken.